Neue Bühnenpläne von Berliner Star-Choreografin: Sasha Waltz mit prominentem Gast

Zwei Überraschungen haben Sasha Waltz und Jochen Sandig mitgebracht zum Pressegespräch über die Pläne ihrer Tanz-Compagnie für das Jahr 2026. So wird die Star-Choreografin selbst mittanzen in der Produktion „For the time being“, die am 10. März im Radialsystem uraufgeführt wird. Es ist das erste Mal seit 18 Jahren, dass die 62-Jährige wieder Teil eines Ensemblestücks ist.

Noch größer ist jedoch die zweite Überraschung: Jochen Sandig kündigt die belarussische Künstlerin und Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa an, die daraufhin den Saal betritt. Im Dezember aus der Haft entlassen und ausgewiesen, lebt sie derzeit in Berlin.

Auf dem Podium bedankt sich Kolesnikowa bei Sandig und Waltz für die langjährige Unterstützung. „Ihr seid ein unglaublich wichtiges Beispiel für Solidarität und Freundschaft.“ Auch viele andere belarussische Künstler seien von den beiden unterstützt worden, betont sie. Derzeit plane man ein gemeinsames Projekt unter dem Titel „#freemaria“, das am 9. April im Radialsystem aufgeführt wird.

„Ich werde viel über Freiheit sprechen“, sagte Kolesnikowa. „Für mich ist es ganz klar und ganz einfach, was Freiheit ist.“ Nach fast fünf Jahren Haft habe sie verstanden, dass das zurzeit in der Gesellschaft, nicht nur in Deutschland, eine riesige Frage ist. „Und ich sehe es so, dass die Leute die Freiheit oft nicht wertschätzen“, fügt sie an.

 MINSK, BELARUS - AUGUST 25, 2020: Belarusian Opposition Coordination Council member, a representative of Viktor Barbarikos presidential campaign, Maria Kolesnikova, summoned for questioning over the formation of the Opposition Coordination Council of Belarus, outside the offices of the Belarusian Investigative Committee. Since the announcement of the 2020 Belarusian presidential election results on August 9, mass protests against the election results have been erupting in major cities across Belarus. Sergei Bobylev/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS0E4D71
Die belarussische Musikerin und Politikerin Maria Kolesnikowa.

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Maria Kolesnikowa ist ausgebildete Musikerin. Sie absolvierte zunächst ein Solistenstudium für Querflöte in Minsk, studierte danach Alte und Zeitgenössiche Musik in Stuttgart. Für sie sein „#freemaria“ ein besonderes Projekt. „Ich werde viel sprechen und auch körperlich und performativ agieren.“ Und sie wird erstmals seit sechs Jahren wieder auf einer Bühne Flöte spielen.

Vor ihrer Inhaftierung leitete Kolesnikowa das Kulturzentrum OK 16 in Minsk. Sie habe einige Ideen für Austauschprojekte entwickelt. Die könnten aber derzeit nicht realisiert werden. „Deswegen ist es noch viel wichtiger, dass wir das hier zusammen machen. Das heißt, Kunst hat doch keine Grenzen, keine Mauern.“

Ihr Wunsch ist es, sich auch weiterhin als Künstlerin zu betätigen: „Ich glaube, ich bin von meinem Mindset schon Künstlerin. Und Politikerin bin ich geworden, weil ich schon eine eigene Vorstellung vom Leben habe, und auch Ideen, wie sich die Gesellschaft entwickeln kann.“ Dass sie als Künstlerin mit so vielen Menschen verbunden sei, gebe ihr viel Kraft, so Kolesnikowa.„Wir sind ein riesiges Netzwerk. Wir sind einfach stark, viel stärker, als wir denken.“

Der kurze Auftritt beim Pressgespräch im Radialsystem zeigt: Maria Kolesnikowas Stimme ist nicht verstummt. Sie kann andere immer noch mit ihrer Courage, ihrem Charisma und ihrer Energie begeistern.