Kuratorinnen der Corinth-Ausstellung im Gespräch: „Jeder einzelne Pinselstrich ist ein Psychogramm“

Um 1900 wurde Lovis Corinth in einem Atemzug genannt mit Malern wie Max Liebermann. Heute ist er nicht mehr unbedingt allen geläufig. Worin liegt seine kunstgeschichtliche Bedeutung?
HECKMANN: Corinth gehört zu den bedeutendsten Malern der Moderne in Berlin, er hat sie geprägt und mitgestaltet. Er war eine der treibenden Kräfte der Berliner Secession, die sich 1888/98 in Opposition zum akademischen Kunstbetrieb gegründet hat. Charakteristisch für seinen Stil ist sein subjektiver, expressiver Duktus im beständigen Abgleich mit dem Gegenstand. Er hat aber auch den Raum mit beeindruckender Lässigkeit und Sicherheit erfasst, befreit sich nach und nach von akademischen Grundlagen und geht in die Emotion. Das macht ihn bis heute faszinierend und lässt seine Malerei so lebendig erscheinen. Was er jeweils darstellt, erfasst er aus dem Moment heraus.