Der neue Amtssitz des Bundespräsidenten: Statt Freitreppe heißt es jetzt Aufzug

Es soll ein Ort der Begegnung auch für Bürgerinnen und Bürger werden: der neu gebaute, temporäre Amtssitz des Bundespräsidenten am Spreebogen. Am Montagvormittag fand in dem von den Berliner Architekten Sauerbruch Hutton geplanten Gebäude die Schlüsselübergabe statt. Ein symbolischer Akt.

Denn Frank-Walter Steinmeier und seine etwa 250-köpfige Behörde sind bereits im Juli eingezogen. Auch der erste wichtige Staatsakt hat bereits in dem Neubau stattgefunden: Der Bundespräsident händigte im neuen Veranstaltungssaal im fünften Stock im Rahmen von Friedrich Merz’ Regierungsumbildung die Entlassungs- und Ernennungsurkunden für die fünf alten und neuen Kabinettsmitglieder aus.

Die vielgelobte bunte Fassade des neuen Amtssitzes am Spreebogen, die die architektonisch recht eintönige Hauptbahnhof-Gegend visuell bereichert, schimmert an diesem Vormittag in der Sonne. Auch auf der bronzefarbenen Flügeltür am Gästeeingang spiegelt sich ein Sonnenstrahl. Allzu viel Platz ist vor dem Gebäude, das zur Straße hin mit einem hohen, aber durchsichtigen Zaun abgeschirmt ist, nicht. Aber es reicht, damit der Bundespräsident hier seine Gäste unter einem Baldachin in Empfang nehmen kann.

Freundliche Atmosphäre am neuen Amtssitz

Am Montagvormittag tritt Steinmeier mit Ehefrau Elke Büdenbender vor seinen Interims-Amtssitz, um den symbolischen Schlüssel von BimA-Vorstandschef Alexander von Erdély entgegenzunehmen. „Es ist geschafft, wir sind eingezogen!“, sagt er wenig später im genannten Veranstaltungsraum im fünften Stock.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der symbolischen Schlüsselübergabe für den temporären Amtssitz am Spreebogen, mit Ehefrau Elke BüdenbenderBundespräsident Symbolische Schlüsselübergabe für Amtssitz am Spreebogen als Interimslösung während des Umbaus von Schloss Bellevue, Berlin Berlin Deutschland Amtssitz am Spreebogen *** Federal President Frank Walter Steinmeier at the symbolic key handover for the temporary official residence at Spreebogen, with his wife Elke Büdenbender Federal President Symbolic key handover for the official residence at Spreebogen as an interim solution during the renovation of Bellevue Palace, Berlin, Berlin, Germany Official residence at Spreebogen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender im temporären Amtssitz am Spreebogen.

© imago/Chris Emil Janßen/IMAGO/Chris Emil Janssen

Das Gebäude soll für Transparenz und Offenheit stehen. Dort oben gelingt es über den Panoramaausblick, den die schmalen, bodentiefen Fenster in Richtung Kanzleramt und Reichstag gewähren. Die Stadt ist definitiv der Star in diesem ansonsten schlichten Raum. Helles Holzparkett, wenige grazile Stehtische aus Glas und dunklem Holz. Einige der Möbel für das Gebäude haben Sauerbruch Hutton selbst entworfen.

Er freue sich, dass am morgigen Dienstag die erste Diskussionsveranstaltung im Haus stattfinde, so der Bundespräsident. Über 100 Gäste seien eingeladen. Sie werden sich mit der Frage beschäftigen, „wie wir alle, die wir in Deutschland zuhause sind, miteinander leben und leben wollen“. „Ich finde dieses farbenfrohe und formenreiche Haus eignet sich ganz wunderbar, um diese Debatte zu führen“, so der Bundespräsident.

Repräsentation und Funktionalität als Bauaufgabe

Wenn der eigentliche Amtssitz, Schloss Bellevue, laut Plan in acht Jahren fertig saniert sein wird, soll der 200 Millionen Euro teure Neubau am Spreebogen von einer anderen Behörde genutzt werden. Repräsentative Architektur für das höchste Organ des Staates, und gleichfalls dauerhafte Unterkunft für ein Ministerium: „eine paradoxe Aufgabenstellung“, sagt Architekt Matthias Sauerbruch. „Kann die Bundesrepublik angemessen repräsentiert werden, wenn der Staatsgast nicht über eine Freitreppe den Raum betritt, sondern den Aufzug nehmen muss?“ Denn fahrend gelangt man nun in die Repräsentationsräume.

Sein Büro habe das Medienbild des Bundespräsidenten studiert, sagt Sauerbruch. Unkonventionalität und Demut, der Geist der abstrakten Bilder von Gotthard Graubner, die im Schloss Bellevue hingen, sollten auch den Neubau inspirieren. Der schlichte Kanzlerbungalow der alten Bonner Republik war ebenfalls Vorbild. Gleichzeitig habe man die Worte von Helmut Schmidt im Ohr gehabt, der dem Kanzlerbungalow den Charme einer Sparkassenfiliale attestierte.

So gönnte man sich Farbe nicht nur an der Fassade, sondern auch innen. Die Räume sind farbig gestaltet. Einer der Salons im fünften Stock ist grün, der größere Veranstaltungsraum mitternachtsblau. „Töne, die an royales Chroma erinnern“, so der Architekt. Aber doch das, was es braucht, um nicht zu nüchtern zu werden.

Die gewellte Struktur der Fassadenelemente wird im Inneren an verschiedenen Stellen aufgegriffen. Etwa im Erdgeschoss. Im amorph geformten Foyer bilden runde hölzerne Stäbe eine Wandverkleidung. Auch in dem Raum, in dem das Goldene Buch auf einem zierlichen Schreibtisch ausliegt, bilden sich Wellen an der Wand. Vom modernen Foyer mit himbeerfarbenem Tresen und runden Sitzmöbeln geht es zur Cafeteria. Vor dem Eingang hängt eines der hellen, fragmentiert-geschichteten Gemälde von Corinne Wasmuht, wie auch an zentraler Stelle am Haupteingang.