Doppelter „Siuuuuu“-Jubel gegen Usbekistan: Cristiano Ronaldo polarisiert auch mit 41 Jahren weiter
Cristiano Ronaldo lief und lief und lief, sein Gesicht ein Ausdruck ekstatischer Freude. Soeben hatte Portugals Kapitän das 1:0 im zweiten WM-Vorrundenspiel gegen Usbekistan erzielt, sein 144. Tor im 230. Länderspiel. Ronaldo feierte es wie den Titel und seine Teamkollegen jubelten mit ihm.
22 Jahre ist es her, seit Ronaldo erstmals in der portugiesischen Nationalmannschaft traf. In dieser Zeit entwickelte er sich vom Mega-Talent zum Superstar bis hin zur weitweiten Fußball-Ikone. Dass er inzwischen nur noch in der saudischen Liga spielt, tut seiner Popularität keinen Abbruch.
Oder sollte man sagen: Ronaldo spaltet auch im stolzen Alter von 41 Jahren immer noch die Fußballwelt? Für die einen ist er der Allergrößte, für andere nur ein Selbstdarsteller. Fakt ist: Der Mann aus Madeira hat beiden Lagern in seiner Karriere endlos viele Belege für ihre Sicht auf ihn geliefert.
Die Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko ist Ronaldos sechste, mit seinem Treffer am Dienstagabend zog er endlich auch mit Portugals Legende Eusebio in der ewigen WM-Torschützenliste seines Landes gleich. Kleiner Unterschied: Eusebio benötigte für seine neun Treffer nur eine einzige Endrundenteilnahme.
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Tore hat Ronaldo jetzt bei Weltmeisterschaften erzielt, als einziger Fußballer hat er bei sechs Endrunden getroffen
Als würde Cristiano das selbst ganz genau wissen, legte er kurz vor der Pause gegen die Usbeken noch einmal nach und machte das 3:0. Und auch am Freistoßtor von Nuno Mendes zum 2:0 hatte er seinen Anteil. Denn während die gegnerische Verteidigung samt Torwart mit einem Abschluss von Ronaldo rechnete, ließ der seinen Mitspieler gewähren.
Nun taugt dieses Spiel gegen überforderte Usbeken (Endstand: 5:0 – die Ecke vor dem vierten Tor holte Ronaldo auch noch heraus) nicht als Gradmesser und die Frage muss gestellt werden, ob Portugals Kapitän gegen absolute Topgegner noch konkurrenzfähig ist. Zumindest er selbst dürfte daran keine Zweifel haben. Andere, auch in seine Heimat, sind da nicht so sicher.
Schon vor dem zweiten WM-Spiel wurden Stimmen laut, die eine Verbannung von Ronaldo aus der Startelf forderten – so wie das schon vor vier Jahren in Katar vollzogen worden war. Der Erfolg damals blieb aus, Trainer Fernando Santos ist längst Geschichte. Und unter dem aktuellen Chefcoach Roberto Martinez wird wieder die gleiche Debatte geführt.
Wenn man Tore benötigt, muss man Cristiano Ronaldo auf dem Platz haben.
Portugals Nationaltrainer Roberto Martinez
Innerhalb des portugiesischen Nationalteams ist Ronaldo hingegen unumstritten, zumindest, wenn man den Aussagen der Mitspieler vor dem Duell mit Usbekistan Glauben schenkt. Nach einem kritischen, mutmaßlich gefälschten Post der Freundin von Joao Neves bei Social Media, gab es anschließend nur wohlwollende Statements aus dem Kreise des Teams zum Kapitän. Stellvertretend fasste es Martinez mit dem Satz zusammen: „Wenn man Tore benötigt, muss man Cristiano Ronaldo auf dem Platz haben.“
Der so Gelobte wird das gern vernommen haben. Noch besser dürfte ihm gefallen, dass er mit seinen Toren gegen Usbekistan etwas geschafft hat, was nicht einmal seinem ewigen Rivalen Lionel Messi gelungen ist: Ronaldo hat nun als erster Fußballer bei sechs WM-Endrunden ein Tor erzielt.
Man kann davon ausgehen, dass ihm solche persönlichen Rekorde wichtig sind. Böse Zungen werden behaupten, sie seien ihm sogar wichtiger als der Erfolg der Mannschaft. Wer Ronaldo einst weinend beim Jubel über den Europameisterschaftstitel 2016 gesehen hat, als er im Endspiel früh verletzt ausgewechselt werden musste, dürfte dies defintiv anders sehen.
Und so geht auch bei dieser WM die Kontroverse um einen der größten Fußballer aller Zeiten weiter. Sein „Siuuuuu“-Torjubel, inzwischen lautstark begleitet von den Massen, bleibt deswegen wahlweise Kult oder Ego-Show. Unbestritten ist: Die Freude von Cristiano Ronaldo über einen Treffer ist auch nach 230 Länderspielen immer noch echt.