Showdown in Neukölln mit Tricky: Diese Konzerte sollten Sie nicht verpassen
Außerdem haben wir für Sie ausgesucht: einen Italiener mit Reibeisenstimme, britische Nirvana-Klone, neuseeländische Reggae-Superstars, Lieder aus der Hüpfburg und eine Songwriterin mit Heavy-Metal-Camouflage. Dies sind unsere Konzertempfehlungen für die kommende Woche.
1 Tricky

© Steve Gullick
Harry Styles ist der prominenteste, aber er war nicht der erste britische Popstar, auf den der räudige Charme Berlins magische Anziehungskraft ausübte.
Schon vor über zehn Jahren hat Tricky das Berlin-Fieber erwischt. Doch der visionäre Klangschöpfer aus der Trip-Hop-Brutstätte Bristol hatte nicht die Kohle für ein Loft in Mitte, sondern musste sich mit einer Behausung im tiefsten, damals noch nicht so hippen Neukölln begnügen.
Geboren wurde Adrian Thaws, wie Tricky bürgerlich heißt, 1968 in Knowle West, einer prekären Gegend von Bristol. Sein Vater, ein Reggaemusiker, der ihm 14 Halbgeschwister bescherte, machte sich bald aus dem Staub, seine Mutter nahm sich das Leben, als Adrian vier war.
Seine Großmutter, bei der er schließlich aufwuchs, ließ ihm viel Freiraum, den er zu exzessivem Horrorfilmkonsum und jugendlichen Kleingangstersünden nutzte.
All das spiegelte sich in der Musik von Tricky, der, nachdem er als Sänger bei den Trip-Hop-Pionieren Massive Attack Erfahrungen gesammelt hatte, 1995 mit einem Paukenschlag ins Rampenlicht trat.
Sein Debütalbum „Maxinquaye“ (der Titel ist eine Hommage an seine Mutter Maxine Quaye) war ein Meisterwerk, das die Katakombenklänge der ein Jahr zuvor reüssierenden Portishead noch mal um ein bis zwei Tiefgeschosse unterkellerte.
Trickys von panzerkettenschweren Beats vorangeschobene Düsterschleicher trugen suggestive Titel wie „Hell Is Round the Corner“ und klangen auch so.
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© IMAGO/Phil Loftus/Capital Pictures
Ein einziger Buchstabe machte 1989 im Titel des fünften Albums von Zucchero aus dem frommen „Oro, Incenso & Mirra“ (Gold, Weihrauch und Myrrhe, die Christusgabe der Heiligen Drei Könige) ein weniger sakrales „Oro Incenso & Birra“ (Gold, Weihrauch und Bier).
Das entsprach dem rauf- und sauflustigen Image des italienischen Bluesrockers, dem mit diesem Album der internationale Durchbruch gelang. Gaststars wie Eric Clapton oder Springsteen-Saxofonist Clarence Clemons sorgten für Furore auf einer Platte, die seinerzeit die bis dahin bestverkaufte aus italienischer Produktion war.
Zucchero, der eigentlich Adelmo Fornaciari heißt und seinen späteren Künstlernamen von einer Grundschullehrerin bekam, ist mit seinen beiden Markenzeichen – Reibeisenstimme und festgetackerter Hut – seit fast vier Jahrzehnten aus der Italopop-Szene nicht wegzudenken.
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© Citadel Music Festival/Promo
Die neuseeländische Band Fat Freddy’s Drop gehört zu jener Sorte von Acts, deren Musik man zwar auch vorzüglich auf Platte im heimischen Ambiente genießen kann, deren Magie sich aber erst im Konzert vollends entfaltet.
Im traumwandlerischen Zusammenspiel des achtköpfigen Bühnenkollektivs verwandelt sich die bekiffte Ziellosigkeit ihrer Songs in einen gemächlichen, aber unaufhaltsam mahlenden Stream of Groovyness, dem man sich auch ohne bewusstseinserweiternde Rauschmittel kaum entziehen kann.
Mit ihren verschreibungspflichtigen Dub-Reggae-Infusionen wurden Fat Freddy’s Drop in den Nullerjahren in ihrer Heimat zu Stars. Ihr Ruhm verbreitete sich auch in der nördlichen Hemisphäre und wird am Abendhimmel über der Zitadelle die Rauchzeichen gemeinsamen Musikgenusses erscheinen lassen.
4 Bush

Nicht zum Schaden von Bush, die auf dieser Grundlage eine erstaunlich konsistente Karriere mit inzwischen zehn wohlgelittenen Platten aufbauen konnten.
5 Gelli Haha

Es könnte auch die Arbeitsmaxime der 29-jährigen Amerikanerin sein, die bürgerlich Angel Abaya heißt und unter diesem Namen bereits zwei (harmlose) Platten veröffentlicht hatte, ehe sie sich als quietschbunte Fantasiefigur neu erfand.
Gelli Haha schreckt vor keinem stilistischen No-Go zurück, kombiniert Spielzeugklänge mit professioneller Studiotechnik zu einem infantil-anarchischen Dancefloor-Pop, der in der Sesamstraße genauso gut funktionieren könnte wie im Berghain.
6 Skullcrusher