Oasis-Filmdoku „Don’t Look Back in Anger“: Die Champagne Supernova ist wieder am Himmel

Es ist vielleicht die Szene, die man in diesem ohnehin wiederholungssüchtigen Film am häufigsten zu sehen bekommt: wie die Oasis-Brüder Noel und Liam Gallagher gemeinsam auf die Bühne kommen, egal ob in London, Seoul oder São Paulo, meist von hinten gefilmt, von backstage, und wie der jüngere und bösere, Liam, die Hand von Noel nimmt und dann ihre Arme Seite an Seite in die Höhe reckt.

Ein Bild unverbrüchlicher Verbundenheit, das die Regisseure dieser Oasis-Wiedervereinigungsdoku, Dylan Southern und Will Lovelace, gar nicht oft genug zeigen können, nachdem die Brüder 2009 im Streit auseinandergegangen waren und angeblich sechzehn lange Jahre überhaupt keinen Kontakt miteinander hatten.

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

Bis ungefähr zum Jahreswechsel 2024/2025, als ein erstes Mal Gerüchte die Runde machten, sie würden wieder zusammenspielen und eine Oasis-Tour unternehmen wollen. Dem war so, und am 4. Juli 2025 ging es im walisischen Cardiff los, mit nachfolgenden Konzerten mehrmals in London und Manchester, später in Asien, Lateinamerika und Australien.

Ein Ereignis, klar, Oasis waren die ultimative Britpop-Band der neunziger Jahre, zusammen mit Blur, der bürgerlichen, feinsinnigeren Alternative zu dem breitbeinigeren, rockigeren, gleichwohl unwahrscheinlich melodischen Sound der Gallaghers. Ein Ereignis, das natürlich filmisch dokumentiert werden muss. Southern und Lovelace begleiteten Oasis auf ihrer globalen Comeback-Tour, um dabei – zumindest in Spuren – auch die Geschichte von der wiederentdeckten Bruderliebe zu erzählen. „Oasis: Don’t Look Back in Anger“ feierte am Wochenende auf dem Filmfestival Venedig seine Weltpremiere.

2009 gab es die Prügelei in Paris – und das Ende der Band

Der Film hält sich mit der Blütezeit von Oasis nicht lange auf. Da gibt es lediglich ein paar alte Einspieler und eine wacklige Aufnahme von ihrem Ende, als dem Publikum in einem Pariser Konzertsaal mitgeteilt wurde, die Brüder hätten sich gerade geprügelt und ihr Auftritt würde nicht stattfinden.

Es folgen die Inszenierung ihrer Wiedervereinigung als ultimativ weltbewegende Nachrichtensensation, ob in den USA, Europa oder Asien, und die ersten Proben-Zusammenkünfte in einem Londoner Studio, erst nur mit Noel und der Band, dann auch mit Liam.

Das Setting stets dasselbe: Noel an der Gitarre, ruhig, an den Arrangements arbeitend, Liam leicht gekrümmt am Mikro, Kopf von unten schräg nach vorn, mit Rassel in der Hand, der ewige Lad-Proll, im Alter von jetzt 53 Jahren noch mehr als früher. Und es folgen: die umjubelten Auftritte in Cardiff oder Seoul, in London oder São Paulo, die das Grundgerüst für die etwas dünne Erzählung über die Gallaghers und vor allem auch ihre Fans hergeben.

Der Film kann nicht genug bekommen von lachenden und noch mehr weinenden Fans. Von Fans, die über die Maßen ergriffen sind, die es kaum glauben können, dass Oasis wieder da sind, deren Leben mit der Reunion wieder Sinn bekommen hat oder die einst von Oasis gerettet wurden.

So wie die junge Frau, die 2017 auf dem Ariana-Grande-Konzert in Manchester wegen des islamistischen Anschlags schwer traumatisiert wurde und nun bei Oasis ein bisschen Frieden findet. Bei den Trauerkundgebungen bot der Oasis-Song „Don’t look back in anger“ damals einen gewissen Halt.

Der Gitarrist Bonehead kommt auch zu Ehren

Eine andere Frau ist großer Bonehead-Fan: Sie hat ihren Hund nach Paul Arthurs, dem Rhythmusgitarristen der Band, benannt. Und so bekommt wenigstens eines der anderen Oasis-Mitglieder – ja, die gibt es nämlich! – die Ehre. Noel sagt einmal, der Oasis-Trademark-Sound stamme von Bonehead.

Ebenfalls die Ehre bekommt der im November verstorbene Bassist der Stone Roses, Gary „Mani“ Mounfield, dessen Tod die Gallaghers so berührte, dass sie zwar „Fool’s Gold“ oder einen anderen Stones-Roses-Song auf ihrem São-Paulo-Konzert nicht spielen, dafür aber einen ihrer schönsten Songs für alle Ewigkeit: „Live Forever“.