Nachruf auf Regina Ziegler: Power-Produzentin mit weitem Horizont
Schon für ihren ersten Film wurde die Produzentin Regina Ziegler mit dem Bundesfilmpreis geehrt. Ihr späterer Ehemann Wolf Gremm führte 1973 Regie in „Ich dachte, ich wäre tot“. Von da an ging es immer weiter bergauf für die Powerfrau, die sich bereits Anfang der 70er Jahre mit einer Produktionsfirma selbstständig machte und mit ihrem Privatvermögen unbegrenzt haftete. Da kam die Frauenbewegung in Deutschland erst gerade in Schwung.
Ihre Mutter, die als Reporterin arbeitete, war also zu recht stolz darauf, dass sie Regina, die Königin, am 8. März 1944, dem Internationalen Frauentag, in Quedlinburg zur Welt gebracht hatte. Nach dem Abitur war klar, dass das Kind studieren würde, aber dem Jurastudium, das sie den Eltern zuliebe an der Freien Universität Berlin aufgenommen hatte, blieb Ziegler nur ein Semester lang treu. Viel wohler fühlte sie sich als Produktionsassistentin beim Sender Freies Berlin.
Dort hat sie ihre Berufung und ihr eigentliches Leben gefunden. Unter anderem arbeitete sie in den frühen Jahren für Rosa von Praunheim als Produktionsleiterin für den Film „Die Bettwurst“. Es folgten „Anna und Edith“, „Sommergäste“, „Fabian“ und „Malou“. Ihr Auftreten war tough, wie man das von Filmproduzenten erwartet, aber gleichzeitig offen und nahbar. Von Anfang an lebte die verhinderte Juristin wild und gefährlich, gab alles für ihre Projekte.
In ihrer Autobiografie „Geht nicht, gibt’s nicht“ bezeichnet sie sich wiederholt als Minusmillionärin. „Ich hatte viele offene Rechnungen, bei Kopierwerken zum Beispiel, aber auch bei Banken, privaten Geldgebern oder Produzenten-Kollegen, die das gut fanden, was ich machte“, erklärte sie den Begriff und ergänzte: „Einen Film zu machen, ist eben sehr teuer.“

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Dass es sich gelohnt hat, konnte man in ihrem Büro in der Produktionsfirma am Lietzensee besichtigen. Jede Menge Preise hat sie abgeräumt mit rund 500 Produktionen: Darunter die Romy für den Udo-Jürgens-Film „Der Mann mit dem Fagott“, die „Goldene Rose von Montreux“ für „Erotic Tales“, den Deutschen Fernsehpreis für das Geisel-Drama „Gladbeck“, den Emmy Award für „Die Wölfe“, den Adolf-Grimme-Preis für „Weißensee“und die Lola fürs Lebenswerk.

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Auf der Berlinale war Ziegler omnipräsent, eine große Erscheinung. Sie konnte mit Artur Brauner, der lange als Repräsentant von „Opas Kino“ galt, ebenso wie mit Volker Schlöndorff, mit dem sie „Rückkehr nach Montauk“ und „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ realisiert hat. Rainer Werner Fassbinder ging einst in ihrem Haus ein und aus.
Aber sie fesselte auch die jüngeren Zuschauer, zum Beispiel mit der Serie „Lena Lorenz“ über eine Hebamme, deren ältere Staffeln gerade samstags im Vorabendprogramm wiederholt werden. „Älter werden kommt später“, lautete Zieglers Motto zum 80. Geburtstag.

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Toughe Erfolgsfrau mit erotischer Ausstrahlung konnte sie ebenso sein wie die Verfechterin reiner Unterhaltung in einem Freundeskreis anspruchsvoller junger deutscher Filmer: „Beweglichkeit habe ich nie als Problem gesehen. Die Freiheit des Produzierens liebe ich. Ich kann mich auf jede Situation so einstellen, dass ich damit umgehen kann. Man muss Lust darauf haben, Inhalte zu erzählen.“
Mit dem Programmkino „Filmkunst 66“ in Berlin erfüllten sich Mutter und Tochter gemeinsam den Wunsch nach einem Ort, an dem man Arthouse-Filme sehen und ein Glas Wein dazu trinken kann. Freundschaften waren Ziegler immer wichtig. Für die Freunde fand sie sogar noch Zeit zum Kochen, gerne Königsberger Klopse zum Beispiel.
Mit 82 Jahren ist Regina Ziegler jetzt unerwartet gestorben. Berlin hat eine große Persönlichkeit verloren. In der deutschen Filmgeschichte bleibt ihr ein Ehrenplatz erhalten.