Zwei Pokale für Berlin

Spandaus Frauen-Team holt mit dem Pokalsieg Titel Nummer vier in zwei Jahren. Auch die Männer der Wasserfreunde siegen in ihrem Endspiel.




Alles schon mal gesehen. Spandaus Mariam Salloum (12) musste sich auch letztes Jahr gegen Uerdingen behaupten. Beide Male mit…Foto: Imago

Es waren erst wenige Minuten im Pokalfinale gespielt, als die Wasserfreunde Spandau 04 einen Fünfmeter zugesprochen bekamen. Darko Brguljan von Waspo Hannover hatte zu dem Zeitpunkt den Ball in der Hand und tickte ihn leicht gegen den Hinterkopf von Ivan Zovic. Keine große Szene, aber es reichte, dass alle Beteiligten gleich voll auf Betriebstemperatur waren.

Das ist eigentlich immer so, wenn sich die großen Rivalen treffen. Zuletzt hatte am Schluss meist Waspo gejubelt, holte erst vor wenigen Wochen die deutsche Wasserball-Meisterschaft. Doch nun triumphierte mal wieder Spandau, am Ende hieß es 12:8 (3:1, 3:3, 4:3, 2:1). Rang drei ging an den OSC Potsdam, der 15:13 gegen den ASC Duisburg siegte.

Es war der 31. Pokalsieg für die Wasserfreunde, und zum ersten Mal holte der Klub den Pokal doppelt. Am Mittag hatten die Frauen 11:8 (4:3, 4:1, 2:2, 1:2) gegen Bayer Uerdingen gewonnen. Das Spiel um den dritten Platz entschied Waspo mit 17:14 gegen Nikar Heidelberg für sich.

In den Meisterschaftsfinals der Männer hatte Waspo in den wichtigen Momenten entschlossener gewirkt. „Diesmal hat man von der ersten Minute an gemerkt, dass die Mannschaft unbedingt will“, sagte Spandaus Präsident Hagen Stamm. „Wir  wollten auch, aber wir haben unsere Überzahlsituationen nicht genutzt und dann den Kopf verloren“, sagte Hannovers Abwehrchef Julian Real.

Spandau lag von Beginn an in Führung. Bis ins dritte Viertel hinein fast immer mit zwei Toren, beim Stand von 8:5 erstmals höher. Dass Waspo noch im Spiel bleib, lag an Kapitän Aleksandar Radovic, der in dieser Phase drei Treffer erzielte.
Lukas Gielen, mit drei Toren treffsicherster Wasserfreund, machte im Schlussabschnitt erst das 11:7 und dann das 12:7 – damit war endgültig klar, wer als Sieger aus dem Becken der Schwimmhalle Schöneberg steigen würde. 160 Zuschauer waren am Sonntag gekommen, wegen der Coronavirus-Bestimmungen bedeutete das ausverkauft.

Marko Stamm war doppelt im Einsatz – als Trainer der Frauen und Spieler der Männer

Kurz nach Spielende lief Kapitän Marko Stamm mit zwei Sektflaschen durch die Halle, deren Inhalt er wenig später im Beisein der Teamkollegen verspritzte. Er sei „ein bisschen k.o., aber überglücklich“, sagte der 32-Jährige. Die Siegerehrung war für ihn bereits die zweite des Tages. Stamm ist gleichzeitig Trainer der Frauenmannschaft.

Als deren Triumph gegen Uerdingen feststand, hatte Kapitänin Belen Vosseberg den Coach – der gleichzeitig ihr Freund ist – ins Becken geschubst. Einen Kuss gab es nach Stamms Widerauftauchen auch noch. „Wir haben einfach eine Superleistung gebracht“, sagte Vosseberg, die vier Tore zum Erfolg beigesteuert hatte. Seit 2019 nimmt die Mannschaft am Spielbetrieb teil – und hat seitdem alle vier möglichen Titel auf nationaler Ebene geholt.
Das erste Tor des Endspiels war Barbara Bujka für Uerdingen gelungen. Es war auch ihr letztes. Bujka, die in ihrer Karriere mehrere EM-Medaillen mit Ungarn gewonnen hat, war wie die bisherige Spandauer Torhüterin Victoria Chamorro in der Coronavirus-Pause nach Uerdingen gewechselt. Doch lange war Bujka im Finale nicht dabei. Schon früh im zweiten Viertel musste sie nach drei persönlichen Fehlern zuschauen. „Die Mannschaft hat genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Es war unsere Taktik, sie viel zu beschäftigen. Das ist voll aufgegangen“, sagte Marko Stamm zum zeitigen Ausscheiden der gegnerischen Topspielerin.

Zwar schaffte Bayer nach einem 2:4-Rückstand den Ausgleich zum 4:4, doch danach setzte sich Spandau ab. Unter anderem aufgrund dreier verwandelter Fünfmeter stand es zu Beginn des dritten Viertels 9:4. Großen Anteil an der hohen Führung hatte die eingewechselte Torhüterin Anja Oldenburg.

Vielleicht wäre es noch einmal eng geworden, wenn Uerdingen im vierten Viertel auf zwei Tore herangekommen wäre. Das gelang trotz mehrerer guter Gelegenheiten nicht. Stattdessen passte Oldenburg einen abgefangenen Ball schnell und weit nach vorn auf Vosseberg, die ihn mit dem Rücken zum Tor annahm und anschließend verwandelte. Es war die endgültige Entscheidung.

„Das ist ein sehr schöner Tag für uns“, bilanzierte Präsident Hagen Stamm, „Pokalsieg bei den Frauen und den Männer – wer weiß, wie oft es das gibt.“ Danach fuhren beide Teams Richtung Grunewaldsee. Dort wurden in einem Restaurant gemeinsam die Titel gefeiert.