Zuversicht ist bei Hertha BSC erste Bürgerpflicht

Es ist noch nicht allzu lange her, da hat sich Hertha BSC nach außen gerne verschlossen, manchmal sogar regelrecht abweisend präsentiert. Aber das ist vorbei. Der Berliner Fußball-Bundesligist bemüht sich erkennbar um mehr Transparenz. Und paradoxerweise wird dieser Prozess gerade jetzt, da der Klub von außen zur Abschottung genötigt ist, noch verstärkt. Das geneigte Publikum hat dieser Tage sogar einen Einblick in die Wohnverhältnisse von Arne Friedrich, Herthas Sportdirektor, bekommen.

Friedrich, wie die Trainer und die Spieler des Klubs aktuell in häuslicher Quarantäne, war am späten Samstagabend aus seinem Wohnzimmer ins Aktuelle Sportstudio zugeschaltet. Sein Chef Carsten Schmidt wiederum, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hertha BSC, stand am nächsten Morgen im Doppelpass von Sport1 ausführlich Rede und Antwort. Beide bekräftigten noch einmal nachdrücklich die Haltung, die sie bereits in ihrer ersten Regierungserklärung nach dem Corona-Ausbruch in der Mannschaft zum Ausdruck gebracht hatten: Man wird von Hertha trotz der mehr als komplizierten Gemengelage kein Jammern vernehmen.

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Auf Fragen nach der Integrität des Wettbewerbs, nach möglichen Klagen gar (weswegen und wogegen eigentlich?) gehen Herthas Verantwortliche nicht näher ein. Im Gegenteil. „Tabellarisch haben wir uns selber in diese Lage gebracht“, sagte Friedrich. „Natürlich kann man immer das Schlechte sehen. Wir sehen das Positive. Wir sind optimistisch, dass wir gestärkt aus der Situation hervorgehen.“

Die Ergebnisse des Samstags haben zumindest nicht dazu geführt, dass der Optimismus gleich bei erster Gelegenheit in seinen Grundfesten erschüttert wurde. „Das war gestern ganz okay für uns“, sagte Schmidt. Arminia Bielefeld holte in Augsburg zwar einen Punkt und zog in der Tabelle vorbei, aber das lässt sich noch korrigieren. Und der 1. FC Köln als Vorletzter hat es wegen der klar schlechteren Tordifferenz zumindest im direkten Duell am 33. Spieltag nicht in eigener Hand, Hertha zu überholen.

Trotzdem ist die Situation für die Berliner Spieler und das Trainerteam anspruchsvoll. Wie genau der Spielplan nach dem Ende der Quarantäne am 29. April aussehen wird, ist weiterhin unklar. Klar ist allerdings, dass Hertha mit sechs Spielen in womöglich nur 19 Tagen ein ungleich intensiverer Saisonendspurt bevorsteht als der Konkurrenz im Abstiegskampf. „Es ist bitter, dass wir jetzt dieses Stoppschild gekriegt haben“, sagte Schmidt. Mitten in einer Phase, in der mit acht Punkten aus fünf Spielen und drei Partien ohne Niederlagen ein zarter Aufwärtstrend zu erkennen war.

„Wir müssen halt clever sein“, sagte Arne Friedrich, der die Variante ins Spiel brachte, aus dem Kader zwei Mannschaften zu formen, die dann im Wechsel spielen. Auch Carsten Schmidt plädierte für eine verschärfte Rotation, um die Belastung auf möglichst viele Beine zu verteilen. Zwei Trainingseinheiten absolvieren Herthas Spieler jetzt täglich in der Quarantäne, zum Teil in einer virtuellen Gruppe, zum Teil individuell.

Natürlich ist das nur das Surrogat eines normalen Fußballtrainings. Die Arbeit mit dem Ball ist in den eigenen vier Wänden nur schwer zu simulieren, genauso die spezifische muskuläre Belastung eines Fußballspiels. „Es geht um den Fitnesszustand, um die Muskulatur“, sagte Schmidt. „Und es geht besonders um die Psyche.“ Die zumindest scheint bei den Spielern aktuell einigermaßen stabil zu sein. Herthas Vorstandschef berichtete: „Ich habe noch niemanden gehört, der gesagt hat: ,Jetzt wird es unmöglich.‘“