Woher kommt Max Liebermanns Porträt?

In den letzten Jahren ist die Provenienzforschung, also die Analyse der Herkunft von Bildern und Kunstobjekten, in die öffentliche Aufmerksamkeit gerückt. Die Washingtoner Erklärung regelt bereits seit 1998, dass Museen ihre Bestände auf jüdisches Raubgut zu untersuchen haben. Auch koloniale Beutekunst, die ab 2021 etwa im Humboldt-Forum ausgestellt werden soll, macht bittere Schlagzeilen.

Wie Provenienzforschung im Einzelnen aussieht, zeigt im Moment die Berlinische Galerie. Das Haus startete 1975 ohne eigene Sammlung. In den folgenden Jahren wurden Werke erworben oder geschenkt, gelangten aus unterschiedlichsten Quellen in die Sammlung. Seit 2006 leistet sich das Haus einen eigenen Provenienzforscher, den Kunstwissenschaftler Wolfgang Schoeddert, der zuvor die Archive des Kunsthändlers Ferdinand Möller erforschte.

Gemeinsam mit Schoeddert ist die Ausstellung „Provenienzen. Kunstwerke wandern“ entstanden. Im Zentrum der Schau, die im Moment mittels einer Online-Führung und eines Podcasts zugänglich ist, steht exemplarisch die Erforschung der Herkunft eines Selbstporträts von Max Liebermann aus dem Jahr 1912.

Ausstellung „Provenienzen. Kunstwerke wandern“: Max Liebermanns Selbstporträt von 1912 dient als Beispiel.Foto: Roman März

Max Liebermanns Selbstporträt hat eine weite Reise hinter sich

Das Werk ist weit gereist. Berlin, Köln, New York und Los Angeles sind wichtige Stationen. Im Fall dieses in Beigetönen gehaltenen Halbporträts des fein gekleideten Malers mit Pinsel in der Hand stellte sich heraus, dass es 1938, vor der Emigration des jüdischen Besitzers, nicht NS-verfolgungsbedingt entzogen worden ist.

Es blieb bis 1945 in Familienbesitz, gelangte dann nach New York und später über London wieder zurück nach Berlin. Das herauszufinden ist Detektivarbeit. Archive, Grabakten, Einwohnerverzeichnisse und Auktionshauskataloge wurden analysiert, Nachfahren ermittelt.

[Online-Führung und Podcast zur Provenienzforschung: berlinischegalerie.de]

Bei einem fünfteiligen Gemäldezyklus des Malers Fidus, der 1910 von einem jüdischen Industriellen in Berlin in Auftrag gegeben wurde, konnte Schoeddert hingegen einen zur NS-Zeit erzwungener Verkauf nachweisen. Die Werke wurden restituiert und zurückgekauft.