„Wir sind selbstsicher, dass wir den Klassenerhalt bald schaffen“

Auf vielen Sportanlagen sind im Kabinentrakt und anderen Innenräumen verschiedenste Schilder angebracht. „Alkohol trinken verboten“ zum Beispiel, „Schuhe ausklopfen verboten“ oder auch „Ball spielen verboten“. Typisch deutsche Spießigkeit, könnte man meinen. Doch manche Hinweise haben durchaus ihre Berechtigung. Im Kraftraum des 1. FC Union ereignete sich am Mittwoch ein kleinerer Unfall, der bei Beachtung des Ballspielverbots sicher nicht passiert wäre.

„Wir haben ein bisschen den Ball hochgehalten und das Glas mit dem Magnesium für die Hantelübungen, das eigentlich im Regal steht, stand mitten im Raum“, beschreibt Grischa Prömel den Unfallhergang in einer virtuellen Medienrunde. Ein Video auf Max Kruses Instagram-Account zeigt den Übeltäter Marvin Friedrich mit einigen Problemen in der Handhabung eines Staubsaugers bei der Tatortreinigung. Prömel, der die Mannschaftskasse verwaltet, hatte aber nichts zu beanstanden. „Er hat danach alles schön sauber gemacht und eine gute Figur abgegeben“, sagt Prömel. Friedrich kommt um eine Geldstrafe herum.

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Dass der kleine Magnesium-Unfall zum Beginn der neuen Trainingswoche der größte Aufreger war, zeigt schon, wie entspannt die Lage bei den Berlinern momentan ist. Als Tabellensiebter hat Union bereits 16 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Der Klassenerhalt ist zwar mathematisch noch nicht erreicht, aber auch bei den öffentlich zurückhaltenden Köpenickern ist mittlerweile eine gewisse Gelassenheit herauszuhören. „Wir sind alle zuversichtlich und selbstsicher, dass wir den Klassenerhalt bald schaffen“, sagt Prömel. Am Montag hatte bereits Trainer Urs Fischer gesagt, dass er zwar am Ziel Ligaverbleib festhalte, bis dieses endgültig erreicht ist, er aber keine Angst habe, dass seine Mannschaft die komfortable Ausgangssituation noch verspiele.

Ob Prömel am Sonntag spielen kann, ist noch nicht sicher

Grund für Pessimismus haben sie auch wirklich nicht bei Union. Der Punktgewinn gegen Hoffenheim war zwar glücklich, die Mannschaft tritt in dieser Saison aber dermaßen stabil auf, dass ein Einbruch in den letzten elf Spielen kaum vorstellbar ist. „Wir wollen schnellstmöglich die 40 Punkte erreichen, dann können wir nach Größerem greifen“, sagt Prömel. Wie jeder andere Profi träume er natürlich davon, irgendwann international zu spielen, als Kampfansage für diese Saison will er das aber nicht verstanden haben. Als das Gespräch auf die in der kommenden Saison erstmals ausgetragene Uefa Conference League kommt, schaut er fragend in die Kamera. „Ist mir neu“, sagt Prömel und hakt das Thema schnell ab.

Die Gegenwart heißt erst mal Arminia Bielefeld. Ob Prömel am Sonntag beim Aufsteiger auflaufen kann, wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Gegen Hoffenheim zwickte der Muskel und so endete sein Arbeitstag schon nach 62 Minuten. Eine Vorsichtsmaßnahme, aber bei Prömel ist diese angemessen. Denn nachdem er große Teile der vergangenen Saison mit einer Knieverletzung verpasste, leidet er nun unter hartnäckigen muskulären Problemen. Welches Körperteil betroffen ist, verrät er nicht.

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Am Mittwoch trainierte Prömel noch individuell. Trainer, Betreuer und Physiotherapeuten haben ein Auge auf ihn und auch Prömel selbst ist durch die Verletzungen der jüngeren Vergangenheit sensibilisiert. „Man muss es in einem Rahmen halten, in dem es tolerierbar ist“, sagt Prömel. Gegen Hoffenheim hätte er auf die Zähne beißen können. Dies mache aber gerade bei einem Spieler wie ihm, der über die Physis kommt, wenig Sinn. „Und was bringt mir das, vielleicht wird es dadurch schlechter.“

In Bielefeld will Prömel trotz allem dabei sein. Ein Sieg würde die ohnehin nur noch minimalen Zweifel am Klassenerhalt weiter reduzieren. „Es war schon vor der Saison die Prämisse, dass das die Gegner sind, gegen die wir punkten müssen“, sagt Prömel. „Deshalb fahren wir nach Bielefeld, um drei Punkte zu holen.“