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Für Beatrix Bourdon war eine Online-Messe keine Option. Stattdessen steht die Direktorin der Brafa nun in der leeren Turn-&-Taxis-Halle, wo sonst um diese Zeit exquisite Kunst und Antiquitäten gehandelt werden, und spricht über die Alternative: „Brafa in the Galleries“. Das kurze Video auf der Website ist für die Brüsseler Traditionsmesse ebenso ungewöhnlich wie die aktuelle Veranstaltung. 126 Galerien aus aller Welt bleiben diesmal zu Hause und präsentieren ihre Schätze vor Ort. Begleitet werden die Auftritte in 37 Städten von einem gemeinsamen Logo und lokalen PR-Aktivitäten. Individuell sind dagegen die Hygieneregeln, die die Kunsthändler am jeweiligen Ort befolgen müssen. Dafür ist der Auftritt im Rahmen der Brafa diesmal kostenfrei: Mit der belgischen Delen Bank übernimmt der Hauptsponsor die Ausgaben.

Die Video-Bibliothek stellt Kunst und Galeristen vor

Neben vertrauten Namen wie David Aaron (London), den belgischen Altmeister-Spezialisten Berko Fine Paintings oder Didier Claes (Brüssel) sind auch Neuzugänge unter den Ausstellern: Tenzing Asian Art aus San Francisco etwa, Van der Meij Fine Arts als Experte für das 19. Jahrhundert oder Arts et Autographes aus Paris; insgesamt geben elf etablierte Kunsthändler ihren Messe-Einstand – wenn auch anders als gedacht. Corona sprengt den gewohnten Rahmen und macht vieles unmöglich, eröffnet aber auch neue Räume. Da versammelt die Brafa online jene Talks, die während der Messe sonst allein den Besuchern vorbehalten sind. Und eine hinreißende „Video-Bibliothek“ bringt einem in über 70 Kurzporträts die Galerien nahe. Manche stellen sich und ihre Spitzenstücke vor, führen durch die eigenen Räume oder animieren wie der Händler Klaas Muller aus Brüssel einen flämischen Altmeister, so dass die Bildfiguren das Motiv erklären.

Die Brafa geht neue Wege. Und auch wenn sie im nächsten Jahr wie gewohnt stattfindet, werden die neuen Medienformate ihre Spuren hinterlassen. Was etwa spricht dagegen, die Messe auch künftig mit Videobeiträgen zu flankieren, die über die Expertise der einzelnen Händler und ihre Spitzenstücke informieren?

Drei Händler aus Deutschland

Die vergangenen Monate hätten alle Beteiligten daran erinnert, „wie wichtig der direkte Kontakt zwischen Sammler und Kunstwerk, Käufer und Händler“ sei, erklärt Harold t’Kint de Roodenbeke als Präsident der Brafa. Auch die Galerien, denen die Brafa bereits zugesagt hatte, drängten auf eine unkonventionelle Lösung. So pflegt man die Kontakte diesmal in London, Amsterdam, Barcelona oder München. Aus Deutschland nehmen drei renommierte Händler teil. Peter Femfert (Die Galerie) aus Frankfurt ist mit einem neongrünen „Concetto spaziale“ von Lucio Fontana aus den sechziger Jahren vertreten. Röbbig aus München präsentiert frühes Meissner Porzellan, und die Antikenexperten Micaela und Günter Puhze aus Freiburg erklären eine romano-ägyptische Maske zu ihrem Highlight. Das expressive Exponat lässt sich im Video ausgiebig bestaunen.

Brafa in the Galleries, bis 31. Januar unter www.brafa.art