Wie Eisbaden Wunder wirken kann

Jeannette Hagen ist freie Autorin in Berlin, Sportlehrerin und Läuferin. Hier schreibt sie im Wechsel mit Radsporttrainer Michael Wiedersich.

Das neue Jahr hat uns Berliner mit Schnee überrascht. Schnee, der sogar ein paar Stunden liegengeblieben ist. Wenn ich mich recht erinnere, gab es das vor drei Jahren das letzte Mal. Umso größer war die Freude bei mir, denn im Winter auf einer Schneedecke zu laufen, zählt für mich zu den Highlights.

Nun war das zugegebenermaßen noch keine richtige Schneedecke, die Spikes konnte ich also im Schrank lassen. Es gab auch kein Schnee-Knirsch-Geräusch, sondern eher ein etwas matschiges Platschen. Trotzdem war das Laufen anspruchsvoller und damit auch wieder abwechslungsreicher als gewöhnlich.

Gerade im Zusammenhang mit der Pandemie steht ja bei vielen Läufern und Läuferinnen die Frage im Raum, wie man die Motivation aufrechterhält – und da spielen optische Reize eine nicht zu unterschätzende Rolle. Und so habe ich es genossen, durch den verschneiten Grunewald zu laufen, hier und da vorbei an fröhlichen Kindern.

Und weil echte Winter in Berlin wohl auch zukünftig die Ausnahme bleiben werden, habe ich nach dem Winterlauf gleich noch eine Einladung zum Eisbaden angenommen. Eine Eisschicht gab es zwar noch nicht, dafür aber Wasser, das durch Eiskristalle bereits etwas „breiig“ war.

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Wer es schon mal gewagt hat, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in eiskaltem Wasser zu baden, wird mir zustimmen, dass das nicht nur für den Körper eine absolut außergewöhnliche Erfahrung ist. Dabei war für mich die Überwindung ins Wasser zu steigen, gar nicht das Schwierigste.

Größer fand ich die Herausforderung, die Kontrolle abzugeben, auszuhalten, dass mein Puls und meine Atmung quasi durchdrehten, während ich versucht habe, ruhig an Ort und Stelle zu bleiben, weil ich mich nicht von der Leiter entfernen wollte.

Eisbaden in einem See ist noch ein bisschen anders als in einem Tauchbecken, in dem man sich durch die Enge auch sicherer fühlt. Jedenfalls bin ich nach einer guten Minute aus dem Wasser gestiegen, wurde mit zwei Handtüchern und heißem Tee versorgt und habe die Nachwirkungen dieser einen Minute noch Stunden später gespürt.

Der Effekt hält lange an

Vor allem das Glücksgefühl hielt sich beständig. Also habe ich beschlossen, Eisbaden in meinen Regenerationsplan aufzunehmen, denn der Effekt reicht deutlich weiter als das spürbare Kribbeln auf der Haut und länger als das freudige Hüpfen der Synapsen.

Eisbaden hilft, Abbauprodukte des Energiestoffwechsels schneller loszuwerden, es hemmt die Bildung von Entzündungsreaktionen, die durch Mikroverletzungen des Gewebes entstehen können. Zusammengefasst verhindert es einen kräftigen Muskelkater nach herausfordernden Trainingseinheiten. Dazu hält es die Gefäße elastisch, stabilisiert damit unser Herz-Kreislauf-System und trainiert es für große Belastungen.

Und da es in Berlin auch in den nächsten Tagen und Nächten noch kalt sein soll, steigt sogar die Chance darauf, echtes Eisbaden zu genießen. Lassen Sie sich diese Erfahrung nicht entgehen.