Wie eine rollende Geldmaschine

Dass Pop nicht nur Gefühle triggert und den Augenblick verschönert, sondern vor allem eine Ware ist und kulturelles Kapital generiert, mit der Betonung auf Kapital, gehört zum Einmaleins des Popdiskurses. Insofern ist jetzt auch immer von einem „Deal“ die Rede, als bekannt wurde, dass Bob Dylan die Rechte an seinen Songs an die zum französischen Medienkonzern Vivendi gehörende Universal Music Group abgetreten hat. Natürlich für viel Geld: Schätzungen zufolge haben die Rechte Dylan 300 Millionen Dollar eingebracht.

Über Jahre sollen die Geschäftsführerin der Verlagssparte von Universal Jody Gerson und Dylan in Verhandlungen gewesen sein. Gerson sprach nach dem Vertragsabschluss davon, was es zugleich für ein Privileg und eine Verantwortung sei, das Werk „eines der größten Songwriters aller Zeiten zu vertreten, dessen kulturelle Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann”.

Mit den Rechten an Popsongs wird inzwischen viel Geld verdient

Nun ist die kulturelle Bedeutung, wie gesagt, das eine, die ökonomische Wertschöpfung das andere. Mit den Rechten an Popsongs wird inzwischen viel Geld verdient. Man muss von einem Wachstumsmarkt sprechen. Als Michael Jackson 1985 die Rechte an den Songs der Beatles erwarb, was damals für viel Aufsehen und Ärger bei Paul McCartney sorgte, bezahlte er knapp fünfzig Millionen Dollar.

2016 wiederum gingen die Beatles-Songrechte für 750 Millionen Dollar in einem Paket mit Rechten unter anderem von Songs von Lady Gaga, Taylor Swift und auch Bob Dylan an den japanischen Elektronikkonzern Sony, der sich außerhalb der USA um die Tantiemen für Dylan-Songs kümmerte.

Auch die Imagine Dragons, Stevie Nicks verkauften jetzt ihr Songrechte

Im Sommer dieses Jahres hatte die US-Band Imagine Dragons ihre Songrechte für 100 Millionen Dollar an einen Fonds verkauft, die Fleetwood-Mac-Musikerin Stevie Nicks für angeblich 80 Millionen.

Für mehr als 300 Millionen Dollar wiederum kaufte der einstige Manager von Taylor Swift das Label, das die ersten sechs Alben von der US-Musikerin veröffentlicht hatte – und damit die Rechte an ihren früheren Songs. Swift schien da nicht vorgesorgt zu haben; sie scheiterte daran, die Rechte zurückzubekommen und ist inzwischen dabei, ihre alten Stücke noch einmal neu einzuspielen.

Doch wer sind Taylor Swift, die Imagine Dragons und Stevie Nicks im Vergleich zu den Beatles oder Bob Dylan? Die 300 Millionen dürften für Universal eine Investition sein, die sich bald rentiert. Klassiker wie „Blowin’ In the Wind“, „Knockin’ on Heaven’ s Door“ oder „Like A Rolling Stone“ laufen in Film, Funk, Werbung und Videospielen in heavy rotation, ganz zu schweigen von den Clicks bei den Streamingdiensten.

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Was Bob Dylan nun bewogen haben mag, die Rechte an seinem Werk zu veräußern? Bislang hat er sich darum in den USA selbst gekümmert; der Aufwand dafür dürfte gewaltig gewesen sein.

Und auch wenn Dylan weiterhin produktiv ist und Songs komponiert (das neue Material gehört übrigens nicht zu dem Universal-Deal), so wird er doch Ende Mai kommenden Jahres 80 Jahre alt.

Für das Alter vorgesorgt. Und unter den Nachkommen ist Ruhe

In so einem Alter sollte man die eigenen Angelegenheiten geordnet haben: im Hinblick auf ein bedeutendes Werk, das nun in seiner Gesamtheit von einem Verlag verwaltet wird. Und nicht zuletzt hinsichtlich eines komplizierten Erbes, um das es jetzt bei Dylans Nachkommen womöglich zu weniger Streitigkeiten kommt.

Denn wie sagt es der Held von Nick Hornbys Roman „About a boy“, der von den Tantiemen eines Weihnachtsliedes lebt, das sein Vater einst geschrieben hatte: „Das Leben kostete soviel Zeit, wie konnte man da am selben Tag arbeiten und Zeit für ein Bad finden?“