Wie Donald Trump Comiczeichner inspiriert hat

Für politische Zeichner von Comics und Karikaturen war Donald Trump ein Geschenk und eine große Herausforderung zugleich. „Früher hat man einen Witz gemacht und dachte: Das kann jeder als Ironie erkennen, das ist völlig unwirklich“, hat Tagesspiegel-Karikaturist Klaus Stuttmann mal im Interview mit dieser Zeitung gesagt.

Heutzutage hingegen, sagt der Zeichner, der seit den 1990er Jahren tagespolitisch arbeitet, müsse man aufpassen, dass solche Politiker nicht am nächsten Tag genau diesen Spruch von sich geben oder etwas im Ernst tun, was am Vortag noch ein Witz war.“ Satire müsse in der Ära Trump immer noch mehr übertreiben als früher, um die Realität zu überspitzen – „wir haben eine große Aufgabe“.

Karriere eines Superschurken

An diesem Mittwoch endet eine Ära – die neben Karikaturisten wie Stuttmann auch manchen Comicautor inspiriert hat. Drei Werke aus den USA, die auch auf Deutsch veröffentlicht wurden, ragen dabei besonders heraus.

Pulitzer-Preisträger G.B. Trudeau hat Trumps Aufstieg besonders früh kommen sehen und eindringlich davor gewarnt, wie sich in einer Sammlung von Comics aus seiner Strip-Reihe „Doonesbury“ nachlesen lässt, die vor gut drei Jahren auf Deutsch beim Splitter-Verlag unter dem Titel „Trump. Eine amerikanische Dramödie“ erschienen ist.

Egomanische Essenz: Trump stellt in einer „Doonesbury“-Szene einen Entwurf für die Umgestaltung des Weißen Hauses vor.Foto: Splitter

„Gibt es jemanden, der noch weniger für ein hohes Amt geeignet ist?“ hieß es dort bereits 1987, als der Immobilientycoon Donald Trump zum ersten Mal mit einer Präsidentschaftskandidatur kokettierte und Anzeigen geschaltet hatte.

„An der Figur Trump, wie sie im Doonesbury-Universum vorkommt, kann die zivilisatorische und kulturelle Degeneration der amerikanischen Gesellschaft abgelesen werden“, schreibt der Politikwissenschaftler und USA-Experten Thomas Greven in seiner Tagesspiegel-Rezension des Buches.

[Barack Obama wurde in vielen Comics im Gegensatz zu seinem Nachfolger als politischer Superheld dargestellt – hier gibt es einen Überblick.]

Einen denkwürdigen Auftritt als Superschurke hat Trump in einem Comic, den Szenestar Frank Miller („Die Rückkehr des Dunklen Ritters“, „Sin City“) geschrieben hat und der von seinem Zeichnerkollegen Rafael Grampá visuell umgesetzt wurde: „Batman: Das Goldene Kind“. Darin ist Donald Trump Teil einer Schurkentruppe um den Super-Bösewicht Joker, die sich die Welt Untertan machen wollen.

Angriff der Killerclowns: Eine Seite aus „Batman: Das Goldene Kind“.Foto: Panini

„Noch nie war aber ein Präsident so eindeutig Teil des Bösen“, schreibt der Berliner Comicautor Bela Sobottke in seiner Tagesspiegel-Rezension des Titels.

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Der US-Comicautor James Sturm ist im vergangenen Jahr viel für seine Graphic Novel „Ausnahmezustand“ gelobt worden. Der Titel schaffte es auf zahlreiche Bestenlisten, auch in die der Tagesspiegel-Autor*innen. Sturm erzählt darin von einer zerbrochenen Beziehung – und liefert eine Bestandaufnahme der US-amerikanischen Gesellschaft in der Ära Trump.

Politik und Alltag: Eine Seite aus „Ausnahmezustand“.Foto: Reprodukt

Der nun scheidende US-Präsident hat in „Ausnahmezustand“ allerdings nur einen einzigen Auftritt, wie Tagesspiegel-Autor Thomas Greven in seiner Rezension schreibt: Als Hund mit schweinsähnlichem Gesicht.

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„Dass die Politik immer mehr ins Private drängt, daran besteht spätestens seit Trumps Präsidentschaftswahlkampf kein Zweifel mehr“, schreibt Tagesspiegel-Redakteur Moritz Honert über dieses Buch, das für ihn der beste Comic des vergangenen Jahres war.

Sturm berichte von Alltäglichkeiten, verpassten Überweisungen, Familienfeiern, Ehestreits und immer wieder von verletztem männlichen Stolz. „Er tut das ohne große Aufregung, ohne Pathos, aber mit einer feinen Beobachtungsgabe, die nicht nur ein getreues Bild einer Ära einfängt, sondern auch das Große im Kleinen aufzeigt, das Tragische im vermeintlich Banalen.“