Wie „Die drei ???“ erwachsen wurden

Es ist trist geworden in Rocky Beach. Nachts ist kein Hund auf den Straßen des Küstenörtchens zu sehen. Ein schwarzer Aktivist verschwindet mitten in der Nacht, spurlos. Als Peter Shaw, ein Versicherungsagent wenige Tage darauf in seine Heimatstadt zurückkehrt, um einen banalen Brandschaden zu untersuchen, weiß er noch nicht, auf welche Abgründe er in den nächsten Tagen stoßen wird.

Doch er wird auch seine beiden alten Freunde Justus und Bob wiedersehen, mit denen er seine Kindheit verbrachte und zusammen gerne Detektiv spielte. Bob ist ein erfolgreicher, aber auch von seiner Arbeit gelangweilter Drehbuchautor einer gut laufenden Serie namens „Crime Watch“, und Justus vergräbt sich in seinem Second-Hand-Buchladen.

Na, hat es „Klick“ gemacht? Peter, Bob, Jonas? Genau, bei den genannten Protagonisten handelt es sich um keine Geringeren als „Die drei ???“! Der Graphic Novel „Rocky Beach“ (Kosmos Verlag, 200 S., 25 €) liegt das Gedankenspiel zugrunde, was aus den drei naseweisen Kinderdetektiven geworden sein könnte, wenn sie erwachsen sind.

Von einer USA-Reise inspiriert

Die Antwort fällt zunächst ernüchternd aus: die drei haben sich auseinander gelebt, 20 Jahre nichts voneinander gehört und stecken nun in diversen Jobs und Alltagsroutinen fest.

Wiedervereinigt: Ein Panel aus „Rocky Beach – Eine Interpretation“.Foto: Kosmos

Der 1979 geborene Christopher Tauber, in Frankfurt lebender Zeichner und Co-Autor der im Kosmos Verlag erschienenen Comicreihe „Die Drei ???“, die es seit 2015 auf drei Bände gebracht hat (zuletzt erschien 2019 „Das Ritual der Schlangen“), hatte die Idee während einer USA-Reise, als er sich in einer unauffälligen Kleinstadt aufhielt, die ihm Unbehagen bereitete.

Er kam sich vor wie in Rocky Beach, dem fiktiven Ort, den der ursprüngliche Schöpfer der Serie – US-Autor Robert Arthur – Mitte der 60er Jahre als Hintergrund für seine Kinderbuchserie ersann, die dann weltweit zum multimedialen Erfolg wurde und in Deutschland nochmal eine besonders große Fangemeinde dank der Hörspiele hatte.

[„Rocky Beach – Eine Interpretation“ wurde kürzlich von einer Jury aus 30 Comic-Kritiker*innen als einer der besten Titel der Saison gewählt. Hier gibt es die Top-10-Liste.]

Bei diesem „Special“ zeichnet Tauber nicht selbst, er setzt in seinem wie ein Filmdrehbuch aufgebautem Szenario auf eine recht verzwickt gesponnene Kleinstadt-Intrige, bei der es auch Tote gibt. Der Look ist düster und entsprechend dem Thema erwachsener als in der Comicreihe.

Polizeigewalt, Korruption und Drogen

Die aus Stuttgart stammende Newcomerin Hanna Wenzel, die bereits mit »Kims Tagebuch« ein Jugendbuch der „Drei !!!“ illustriert hat, das sich an Mädchen richtete, hat sich für einen kontrastreichen, expressiven Schwarzweiß-Look entschieden, der – manchmal etwas rau – an Storyboards erinnert, dann wiederum mit sehr ausgefeilten, ganzseitigen Panels auf Stimmungen setzt.

Das Titelbild des besprochenen Bandes.Foto: Kosmos

Die differenzierte Figurenzeichnung von Taubers Charakteren für seine drei erst desillusionierten, aber dann wieder zu alter Leidenschaft sich aufschwingenden Hobbyermittler setzt die Zeichnerin versiert und oft mit einer Prise Humor um. So fühlt man sich als Leser in eine schaurig-realistische Kleinstadtwelt versetzt, die von Polizeigewalt, Korruption und Drogen geprägt ist.

Darüber hinaus liefert die Drei ???-„Interpretation“ (so der Untertitel) auch einen erstaunlich passenden Kommentar zur aktuellen „Black Lives Matter“-Debatte.