Wenn Eishockey sich ein bisschen wie Weihnachten anfühlt

Weihnachten steht vor der Tür, und für die Eisbären Berlin trifft das in gewisser Weise gleich doppelt zu. Am Freitag beginnt für die Profis endlich die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Der Spielplan will es, dass der letzte Gegner der vergangenen Spielzeit auch der erste der neuen sein wird: Die Fischtown Pinguins Bremerhaven gastieren ab 19.30 Uhr in der Arena am Ostbahnhof (live bei Magentasport).

„Die Freude ist riesig, dass es endlich losgeht“, sagte der neue Kapitän Frank Hördler und ergänzte: „Wir sind lange im Training gewesen und wollen endlich wieder Wettkämpfe bestreiten.“

Tatsächlich sind seit dem letzten Pflichtspiel der Eisbären neun Monate vergangen, und dass längst noch nicht wieder alles so ist wie im März, wurde am Tag vor dem Start noch einmal deutlich. Denn die traditionelle Saisoneröffnungspressekonferenz beim Hauptsponsor, auf der auch Hördler sprach, wurde virtuell durchgeführt.

Auch sonst wird in den kommenden Wochen und Monaten vieles anders sein in der DEL im Allgemeinen und bei den Eisbären im Speziellen. Im Spiel am Freitag gegen Bremerhaven sind keine Zuschauer zugelassen, ob sich das in dieser Saison noch einmal ändert, ist fraglich.

Immerhin hat sich die DEL dennoch zu einer Saison aufgerafft, alle 14 Teams sind dabei. „Wir sind froh, dass wir überhaupt starten können“, sagte Geschäftsführer Peter John Lee.

„Es war kein einfacher Sommer für uns“, sagte Geschäftsführer Peter John Lee

Zumindest wirtschaftlich scheinen die Eisbären einigermaßen gut durch die Krise gekommen zu sein, auch wenn Lee sagte: „Es war kein einfacher Sommer für uns.“ Der Eigentümer aus den USA habe zu keiner Zeit Zweifel an seinem Engagement erkennen lassen. „Es war nie eine Frage, ob wir mitspielen können, sondern eher, ob gespielt werden kann in der DEL“, berichtete Lee über die Gespräche mit der Anschutz-Gruppe aus Los Angeles.

Ansonsten wollten die Berliner über den Etat oder Gehaltskürzungen der Spieler, die über die von der Liga beschlossenen 25 Prozent hinausgehen, nichts mitteilen.

Stattdessen soll nach Monaten der Ungewissheit ab Freitag endlich wieder der Sport im Fokus stehen. Wobei das in diesen Zeiten auch immer eine medizinische Frage ist. Zuletzt musste die gesamte Mannschaft der Eisbären für fünf Tage in Quarantäne, weil sich mehrere Spieler mit dem Coronavirus infiziert hatten. „Als Team haben wir zuletzt wahrscheinlich zweimal vollzählig trainiert. Aber wir sind lange genug davor zusammen gewesen, um zu wissen, was zu tun ist“, erzählte Trainer Serge Aubin.

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Auch deswegen könnte der Start es durchaus in sich haben für die Eisbären, gegen Bremerhaven werden am Freitag noch einige Spieler aufgrund von Trainingsrückstand fehlen. Darunter Marcel Noebels, der beste DEL-Profi der Saison 2019/20. Dazu ist derzeit noch unklar, ob der Klub noch länger mit Lukas Reichel und Leon Gawanke planen kann. Die beiden Talente könnten jederzeit zu ihren Teams in die nordamerikanische National Hockey League gerufen werden.

Trotzdem sieht Stéphane Richer die Berliner gut aufgestellt. „Wie in jedem Jahr wollen wir die Play-offs erreichen und dort die Meisterschaft gewinnen“, sagte der Sportdirektor der Eisbären. Und auch Frank Hördler glaubt, mit seiner Mannschaft von Beginn am mithalten zu können. „Die letzten Wochen mit der Quarantäne waren natürlich nicht optimal für uns. Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass wir mit einem Sieg gegen Bremerhaven in die Saison starten“, sagte der 35 Jahre alte Verteidiger.

Es gibt allerdings auch berechtigte Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit der Berliner, was nicht zuletzt mit der schwierigen Vorbereitung zusammenhängt. Im Testwettbewerb eines Sponsors konnten die Eisbären von vier Spielen keines gewinnen, vor allem offensiv lief wenig zusammen. Dass danach die infektionsbedingte Trainingspause folgte, hat bei der Fehleranalyse sicherlich kaum geholfen.

Frank Hördler ist der letzte Spieler im aktuellen Kader, der mit den Eisbären schon Meister wurde

Auch innerhalb der Mannschaft selbst hat es zuletzt viele Veränderungen gegeben. Frank Hördler wird am Freitag gegen Bremerhaven der letzte Spieler im Kader sein, der mit den Eisbären schon einmal Meister wurde.

Nach dem Karriereende von André Rankel, der Ausleihe von Constantin Braun nach Krefeld und dem unklaren Status vom viel zu häufig am Kopf verletzten Florian Busch, muss sich im Team erst eine neue Hierarchie bilden – die vielen Ab- und Zugänge bei den Importspielern tun ihr Übriges dazu.

Deshalb ist die Saison 2020/21 für die Berliner wohl kaum vorhersehbar und die Situation schon ein bisschen anders als die unterm Weihnachtsbaum. Denn was man Heiligabend in den Händen hält, ist meistens schon vorher klar. Bei den Eisbären tappen sie in puncto Leistungsstärke hingegen im Dunkeln. Immerhin sind sie damit in der DEL nicht allein.