Weniger Stoff, mehr Zielgruppe

Es wird über eine neue Kleiderordnung im Handball nachgedacht, die Spieler sollen attraktiver für das Publikum werden. Eine Idee, an der sich schneidern lässt




Nichts für Weicheier. Handball im Tank Top – gut an der Botschaft lässt sich feilen.Foto: Promo/Amazon

Schwitzende Sportler in enge Kleider zu zwängen, das ist an sich keine neue Idee. Dass der professionelle Sport seine Protagonisten auch über deren Körper verkauft, ist Usus. Es geht in manchen Sportarten per se einfacher als bei anderen. Beachvolleyballoutfits schmeicheln dem Körper wohl eher als eine Eishockeyausrüstung.

Wobei das altbackene Klischee ist: Frauen sollen in der Kleidung sexy aussehen, bei Männern soll sie Männlichkeit betonen. Im Fußball wird das mit den engen Trikots bei den Männern schon seit ein paar Jahren versucht und nun soll es dem, von der Kleiderordnung eher konservativen, Männer-Handball an die Ärmel gehen: Die Spieler könnten, so die Idee, künftig in knappen Tank Tops auflaufen. Das soll dann junge Zielgruppen, möglichst auch die weiblichen, anziehen.

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Die Kleiderordnung in der Bundesliga sollte schließlich aus Sicht von Bob Hanning kein Tabuthema sein. Der Geschäftsführer der Füchse Berlin, selbst Fan schriller Oberbekleidung (mit Ärmeln aber), begrüßt einen entsprechenden alten und neuen Vorschlag von Handball-Ligachef Frank Bohmann, der nämlich will den Profis in Zukunft die ärmellosen Hemdchen überziehen.

Das ist schon ein interessanter Vorschlag, der nicht nur die tollen Körper der Spieler in besseres Licht rückt, sondern auch die Zusammenhänge von Marketing, Körper und Profit beleuchten wird. Endlich wird man auch sehen, wer da bislang ein Tattoo unter dem Oberärmel versteckt hatte. Womöglich müssen dort aber auch die Ärmelsponsoren eintätowiert werden, denn die haben ja dann keine Ärmel mehr als Werbefläche.

Stellen die Trainer dann nach Aussehen auf?

Und wird der Trainer dann seine Aufstellung auch nach ganz neuen Gesichtspunkten vornehmen? So nach dem Motto: „Nein, du siehst nicht gut genug aus, bei uns spielt heute der flottere XY den Kreisläufer.“ Oder: „Dein Top sitzt nicht, so spielst du mir nicht.“

Sicher, das sollte und wird wohl nicht passieren. Aber sicher gibt es spannende Fragen rund um das Tank Top. Wie etwa werden künftig die Fantrikots ausfallen? Tausende Zuschauer in knappen Tank Tops, wobei doch sicher nicht alle Handballfans die Idealfigur für so ein Kleidungsstück mitbringen? Eine lustige Vorstellung. Aber gut, es ist ja erst mal nur eine Idee. Sicher lässt sich noch maßschneidern, auf vielen Ebenen, wie bei jeder interessanten Idee.