Welches waren die besten Comics 2020?

Das Jahr neigt sich dem Ende zu – und wie in den Vorjahren wollen wir auch diesmal wieder von unseren Leserinnen und Lesern wissen: Welches waren für Sie die besten Comics des vergangenen Jahres? Und warum?

Unter allen Teilnehmenden verlosen wir mehrere wertvolle Buchpakete mit Comics aus den vergangenen Jahren.

Wer teilnehmen will, sende bitte eine E-Mail mit der Betreffzeile “Die besten Comics 2020” an comics@tagesspiegel.de. Einsendeschluss ist der 20. Dezember 2020. In der Mail sollten einer oder mehrere Lieblingstitel des vergangenen Jahres erwähnt werden und dazu eine kurze Begründung (ein Satz reicht, gerne auch mehr).

Zu gewinnen: Einige der Comics, die unter Teilnehmenden unserer Umfrage verlost werden.Foto: lvt

Es können Comics in jeder Form und jeder Spielart genannt werden. Das umfasst Manga wie Comics westlicher Prägung, die als Serien, Alben, Graphic Novels, Comic-Strips, Online-Comics und so weiter veröffentlicht wurden.

Über die Gewinnenden entscheidet das Losverfahren – daher bitte Namen und Adresse nicht vergessen (die Adresse wird vertraulich behandelt). Eine Auswahl der Antworten wird in den kommenden Wochen auf www.tagesspiegel.de/comics veröffentlicht.

Parallel dazu wird wieder eine aus Autor*innen der Tagesspiegel-Comicseiten bestehende Jury die aus ihrer Sicht besten Veröffentlichungen der vergangenen zwölf Monate küren. Mehr dazu in Kürze. Hier gibt es das Jury-Ergebnis des vergangenen Jahres. Und hier finden Sie die Ergebnisse einiger Jahre davor: 2018, 2017, 2016, 2015.

Und hier gibt es eine erste Auswahl von Lesertipps, die uns gleich nach dem Start unserer Umfrage erreicht haben:

Corona-Tagebuch: Ralf König lässt seine bekannten Figuren die Krise erleben.Foto: Ralf König

Für mich eindeutig die Corona-Comics von Ralf König! Auf seiner Facebookseite hat er von März bis Oktober nahezu täglich einen Comic rausgehauen, die dieses blöde Jahr wirklich erträglicher gemacht haben; es lief quasi in Echtzeit und man hatte manchmal das Gefühl, er guckt einem über die Schulter/ins Wohnzimmer! Im Februar sollen sie gesammelt als Buch erscheinen; freue mich schon!
Sandra Messerschmidt

Für mich ist die Comicreihe “The Fall” von Jared Muralt und insbesondere der zweite Teil der Comic des Jahres 2020. Die Story hat mich vom ersten Blatt an abgeholt und fasziniert, und aktuell durch die Pandemie ist es allemal.
Ollie Ortmann

Parallelen zur Gegernwart: Eine Seite aus dem ersten Band von „The Fall“.Illustration: Jared Muralt

Der für mich beste Comic dieses Jahr ist “They Called us Enemy – Eine Kindheit im Internierungslager”. In diesem Buch verarbeitet George Takei, bekannt vor allem als Sulu aus “Star Trek”, seine Kindheit, als nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor japanischstämmige Amerikaner von der eigenen Regierung in Lager abgeschoben wurden. Zusammen mit Harmony Becker, Justin Eisinger und Steven Scott gelingt der Comic einen Blick auf ein Unrecht aus der Sicht eines kleinen Kindes. Sehr bewegend.

Aber man will ja nicht nur deprimiert durch das Jahr laufen, insofern habe ich ein paar Comics herausgesucht, die mir einfach sehr viel Spaß gemacht haben, auch wenn die nicht unbedingt innovativ waren. Dazu gehört “Once & Future” von Kieron Gillen und Dan Mora, eine Geschichte über Duncan, der ausgerechnet von seiner Großmutter, einer alten Monsterjägerin, rekrutiert wird, nachdem englische Nationalisten mit einem alten magischen Artefakt aus der Zeit von König Artus gefunden haben, um das Land von ausländischen Einflüssen zu befreien. Die Geschichte des Monsterjägers ist jetzt eben, wie schon gesagt, nicht besonders neu, aber Gillen und Mora erzählen das mit hohem Tempo und ordentlich Action, so dass einfach keine Langeweile aufkommt und das einen guten Fluss hat.

In eine ähnliche Kerbe schlägt “Fire Power” von Robert Kirkman und Chris Samnee. Der Comic lässt sich am einfachsten als ziemlich offensichtliches Remake von Marvels “Iron Fist” hinstellen, mit einer Prise “Avatar The Last Airbender”, wenn der weiße Hauptcharakter in einem abgelegen Kloster in Asien magische Kampfkünste erlernt. Aber trotzdem bekommt Kirkman auch hier einen guten Erzählfluss hin, so dass der Comic, mit den Zeichnungen von Chris Samnee, einfach nicht langweilig wird.

Und bei “Superman – Jenseits der Erde” von Tom King und Andy Kubert hat man auch schon wieder ein Remake vor Augen. Ein Mädchen wird von der Erde entführt. Der einzige, der sie retten kann ist Superman und so macht er sich auf in die Tiefen des Alls, um der Spur des Mädchens zu folgen und muss dabei Prüfungen bestehen. King erzählt das in zwölf Kapiteln die rein zufällig an die zwölf Arbeiten des Herakles erinnern und damit eigentlich dieselbe Idee abarbeiten, wie es Grant Morrison vor Jahren schon bei “All-Star Superman” gemacht hat. Und trotzdem, lange hat für mich keiner Superman so gut eingefangen wie Tom King in dieser zwölfteiligen Miniserie.

Vier Jahre nach dem letzten Band gab es dieses Jahr endlich Band 14 von “Yotsuba&!”, einer großartigen Comedyserie über ein kleines Mädchen in Tokyo. Wer das nicht liest und den Manga nicht liebt hat wohl kein Herz. Kiyohiko Azuma schreibt und zeichnet einfach großartige kleine Geschichten um Yotsuba, die die Welt für sich entdeckt und die Nachbarn für sich einnimmt.

Und dann war da noch eine Farb-Neuauflage von “Runners Bad Goods”, einer Space-Opera mit vielen Star-Wars Einflüssen von Sean Wang. Die Erstauflage war von 2005, damals noch in Schwarz-Weiß. Jetzt hat Wang mittlerweile mit dem dritten Band von “Runners” begonnen und den ersten noch einmal neu aufgelegt, eben in Farbe und trotz der 15 Jahre, die der schon auf dem Buckel hat, kann man den Comic allen empfehlen, die Star Wars oder Firefly mögen und Englisch können.
Lars Sudmann

Auf meiner Liste von Lieblingscomics aus diesem Jahr steht auf jeden Fall “Ich fühl’s nicht” von Liv Strömquist. Und was das Buch so gut macht, gilt eigentlich für alle Bücher von Liv Strömquist: Es ist sehr, sehr intelligent. Philosophie, bei der man gar nicht anders kann, als über sich und die eigenen Beziehungen und die Umwelt nachzudenken. Und weil die Welt eben schlecht und ungerecht ist, müsste das eigentlich auf die Laune schlagen – nicht bei Liv Strömquist. Dafür ist sie einfach viel zu witzig!

Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht. Eine Szene aus „Ich fühl’s nicht“.Foto: avant

Und auch auf der Liste steht “Sie wollen uns erzählen”, die Tocotronic-Songcomics. Wer Fan ist und sowieso alles mitsingen kann, bekommt neue Perspektiven, kann eigene Jugenderinnerungen mit den Jugenderinnerungen von anderen abgleichen und lernt, wie die Bandmitglieder sich zum ersten Mal getroffen haben. Hier als Vögel. Alle anderen sehen wunderbar illustrierte Gedichte und einen kleinen Überblick, über das, was deutsche Comiczeichner:innen so können.
Ramona Westhof

Vogelperspektive: Eine Seite aus „Die Farbe der Dinge“.Foto: Edition Moderne

2020 war ein erfolgreiches Jahr für Comics. Wenigstens etwas!

1. “Die Farbe der Dinge” von Martin Panchaud: So einen tollen Titel habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Minimalistisch, modern und zeitweise auch etwas anstrengend. Aber hat man sich erstmal an die Vogelperspektive und die durchgehende Darstellung aller Charaktere als bunte Kreise gewöhnt, erwartet einen eine spannende Geschichte. Der Band lässt sich nicht nebenbei lesen. Konzentration und Vorstellungsvermögen hier sind Grundvoraussetzungen.

2. “Ein tugendhafter Vater” von Ludovic Debeurme: Auf der einen Seite ist diese Geschichte sehr verstörend und brutal, auf der anderen Seite ist sie aber auch ebenso spannend und ungewöhnlich. Die Darstellung ist meiner Meinung nach extrem ansprechend. Fans von Filme wie “Mother!” (Darren Aronofsky, 2017) werden auch diesen Band mögen.

3. “Infidel” von Pornsak Pichetshote: Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass es sich bei diesem Titel um eine durchschnittliche 0815-Spukhaus-Geschichte handeln würde. Aber die neue Perspektive, aus der die Horror-Story erzählt wird, ist erfrischend, neu und ebenso erschreckend wie der übernatürliche Faktor selbst.
Sophia Paplowski

Öko-Influencer. „Unfollow“ handelt von einem jungen Mann namens Earthboi.Foto: Reprodukt

Dieses Jahr haben mich drei Comics besonders beeindruckt, dank der Qualität vieler Neuerscheinungen fällt die Auswahl schwer:

“Unfollow” von Lukas Jüliger ist ein Comic zur Zeit über das Idol einer Generation. Man wünscht der hoffnungsvoll beginnenden Story über den Öko-Influencer, die sich zum Drama entwickelt, möglichst viele junge Leser.

Uli Oesterles Erzeuger- und Selbstfindungstrip “Vatermilch” überzeugt durch dichtes Erzählen und die stimmungsvolle grafische Gestaltung.

Autor Pornsak Pichetshote und Zeichner Aaron Campbell schaffen mit “Infidel” eine moderne Gruselgeschichte, die Horror und Gesellschaftskritik perfekt vereint. Auch hier gilt: Black Lives Matter!
Martin Militsch

Verwirte Zeiten: Eine Szene aus Ralf Königs online veröffentlichtem Strip, der 2021 als Buch erscheint.Foto: Ralf König

Der beste Comic des Jahres war für mich Ralf Königs in Fortsetzung veröffentlichte, brandaktuelle “Konrad & Paul”-Geschichte “Vervirte Zeiten”. Als Printausgabe erscheint sie wohl erst im Februar 2021 erstmals als Gesamtfassung bei Rowohlt, aber tatsächlich wurde sie vom Zeichner auf seiner eigenen Facebook-Seite 2020 via fast täglichen Posts direkt an den Mann (bzw. die Frau) gebracht. Für mich war es eine Premiere, dass mich ein Comic online über Wochen fesselte, ganz traditionell nach dem Prinzip “Fortsetzung folgt” und mit tollen Cliffhangern. Ralf König verdiente zu diesem Zeitpunkt nichts daran und ließ sich storytechnisch von Tag zu Tag treiben, wobei er den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den deutschen (schwulen) Alltag immer mit Selbstironie begegnete und mit der Erwartungshaltung der Kommentierenden spielen konnte. Mir persönlich halfen die Anekdoten, die Absurditäten dieser Zeit zu verarbeiten und mich noch mit der kleinsten coronabedingten Marotte nicht allein zu fühlen. Dass es zu einer Veröffentlichung als Sammelband kommt, ist sicher dem Umstand zu verdanken, dass die Resonanz enorm war. Wie gut, dass sich Ralf König frühzeitig Rowohlts Segen einholte.
Christian Schloßer

“Sie wollen uns erzählen – Zehn TOCOTRONIC Songcomics” vom Ventil Verlag ist mein Lieblingscomic 2020, weil der in Bilder darstellt, alles was ich mir damals noch nicht vorstellen könnte, als ich die deutsche Sprache mit und durch Tocotronic gelernt habe.
Jordi Tost

Mein Lieblingscomic 2020: “Jein” von Büke Schwarz. Mein absoluter Lieblingscomic in diesem Jahr, weil mich fasziniert, wie die Autorin es schafft die ganz großen Themen mit einer Leichtigkeit zu beschreiben (und die Zeichnungen sind wirklich wirklich toll 🙂 ).
Leyla Dewitz