Weiter im Trump-Modus

Aaron Rodgers war „gerührt“, wie der Star-Quarterback der Green Bay Packers zum Besten gab. Erstmals konnte er sein Team aus der National Football-League (NFL) nämlich wieder vor Zuschauern zu einem Sieg im Play-off-Spiel führen – gut, es waren nur knapp 8000 Menschen im Stadion, aber die fühlten sich an wie „80.000“, fand Rodgers.

Auch in drei Klubs der National Hockey-League (NHL) ließen sie mit Saisonbeginn wieder Fans in die Arenen. Und die jubelten auch lautstark, wie die gut 4000 Zuschauer bei den Arizona Coyotes, dann mit zum Teil verrutschter Maske ihren Lieblingen zu.

Das lässt sich als gutes Signal interpretieren: Pünktlich mit der Vereidigung des neuen Präsidenten Joe Biden ist Corona in den USA so gut wie besiegt, der Profisport kehrt zur Normalität zurück. Aber leider ist es nicht so, im Gegenteil.

In der Basketballliga NBA sind schon 16 Spiele seit Saisonstart wegen der Pandemie abgesagt worden. In der Eishockeyliga NHL mussten die Dallas Stars mit Saisonbeginn gleich viermal passen und nun setzen die Carolina Hurricanes bis zum Wochenende erst einmal aus, beim ersten Durchzählen kamen sie auf fünf positive Coronafälle im Team.

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Die Öffnung für die Fans in einigen Arenen will so gar nicht mit der Entwicklung des Virus zusammenpassen, vielmehr zeigt der US-Sport wieder einmal seine coole Fratze. Message: Geld ist wichtiger als Gesundheit, die Trumpisierung ist nach wie vor kein Auslaufmodell. Es muss weitergehen.
Sicherlich sind die US-Profiligen professioneller aufgestellt als etwa die Veranstalter bei der aktuellen Handball-WM, bei der dem wütenden Virus nur Hilflosigkeit entgegengesetzt wird. Und sicher ist es trotz allem in Ordnung, dass sie weiterspielen in Nordamerika, doch bitte mit mehr Vorsicht.

Zuschauer müssen nicht sein in der aktuellen Situation. Weder draußen noch in der Halle. Emotionen sind nicht wichtiger als Vorsicht.