Was kostet, das kostet

Es hätte ein rauschendes Fest werden sollen – doch wie überall machte die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Was statt der erhofften großen Feier als „Eröffnung“ des Humboldt Forums übers Internet verbreitet wurde, war nur ein Häppchenbericht aus einem unbelebten Gebäude.

Da wird bei dem ein oder anderen Zuschauer doch wieder die Frage nach dem Geld hochgekommen sein. 644 Millionen Euro hat die Errichtung des Humboldt Forums nach offiziellen Angaben gekostet. Immerhin sind die versprochenen Spendengelder für die barocken Fassaden zusammengekommen, dazu ein Bonusbetrag für die Kuppel.

Ob die Mobilisierung privaten Mäzenatentums ein hierzulande gangbarer Weg zur Finanzierung von Kulturbauten wäre? Wohl kaum. In Deutschland zahlt der Bürger seine Steuern (zumeist) ohne Wenn und Aber, und daraus resultiert der Anspruch, dass Kultur denn auch aus dem Staatssäckel finanziert werde.

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Nur sind die Kosten für Bauvorhaben in jüngster Zeit etwas, nun ja, in die Höhe geschossen. Da macht das Humboldt Forum keine Ausnahme. Unlängst erst hat die Nachricht Steuerzahlers Unmut erregt, dass das geplante Museum des 20. Jahrhunderts nicht etwa die – durchaus happigen – 200 Millionen Euro kosten werde, die der Bundestag bereits bewilligt hat, sondern mindestens 450 Millionen. Muss in Berlin alles so irrwitzig teuer sein (den geplanten Kanzleramtsanbau für eine halbe Milliarde Euro lassen wir mal als außer-berlinisch beiseite)?

Zur Entlastung Berlins sei festgehalten, dass der derzeitige Rekord im Kulturbau von Hamburg gehalten wird: Die Elbphilharmonie, berühmt wegen der längsten Rolltreppe außerhalb Moskaus, hat laut Schlussabrechnung 866 Millionen Euro gekostet. Die ursprüngliche Schätzung lautete auf 77 Millionen – und die hätten privat aufgebracht werden sollen.

Das Kölner Opernhaus wird inzwischen auf 841 Millionen Euro taxiert

Doch der Rekord wackelt. Aus München wird berichtet, dass die Sanierung des Kulturzentrums Gasteig auf 850 Millionen Euro kommen werde, einschließlich der Errichtung einer 100 Millionen Euro teuren Ausweich-Konzerthalle (!) für die Münchner Philharmoniker.

Sanierungen sind überhaupt die großen Kostentreiber. Das Kölner Opernhaus, seit Jahren in restauro und als Bauvorhaben ähnlich aus dem Ruder gelaufen wie der Berliner Großflughafen BER, wird mittlerweile auf 841 Millionen Euro taxiert. In Stuttgart lauten die noch sehr vorläufigen Schätzungen fürs reparaturbedürftige Opernhaus auf 730 bis 980 Millionen Euro. Und in Frankfurt am Main, wo noch nicht einmal klar ist, ob saniert oder neu gebaut werden soll, kursiert die Zahl von einer Milliarde Euro, ganz gleich für welche Lösung.

Berlin ist also nicht allein. Vielleicht fällt nicht einmal mehr auf, welch’ ungeheure Summen da im Raum stehen. Und dennoch sollte man die gute Nachricht nicht übersehen. Die kommt aus Düsseldorf und lautet, dass die just abgeschlossene Sanierung des Schauspielhauses, eines architektonischen Meisterwerks der späten 1960er Jahre, gerade einmal 60 Millionen Euro gekostet hat. Und, glaubt man den Fotos vom renovierten Gebäude: Es sieht fabelhaft aus. Wie neu.