Viktoria 89 gehört nach Berlin

Berlin wird drittklassig. Auch drittklassig, weil erstklassig spielen ja Hertha und Union. Und daher ist es eine gute Nachricht, dass Viktoria ab der kommenden Saison in der Dritten Liga und damit wohl im Profifußball ankommen darf – allerdings nicht in Berlin ankommen darf. Denn, wo werden sie spielen? Das eigene Stadion in Lichterfelde ist nicht drittligatauglich, Olympiastadion und Alte Försterei fallen aus.

Der Jahnsportpark wird saniert, Mommsenstadion und Poststadion funktionieren auch nicht. Also sucht der Klub nun nach Alternativen im Umland, sprich Brandenburg. Die mögliche Flucht aus Berlin ist ein trübes Szenario, das womöglich befeuern könnte, dass Viktoria nach einem Jahr schon wieder in der Regionalliga verschwinden wird.

Die erfahrenen Mitbürger*innen wissen, dass es vor allem im Westteil der Stadt sehr trübe Fußballzeiten gab. Vor allem in der Achtzigern, als Blau-Weiß 90 kurzzeitig und ziemlich erfolglos in der Bundesliga spielte und Hertha BSC sogar in die Dritte Liga abstürzte. Nur hieß die Dritte Liga damals noch Oberliga und war nicht das, was sie heute ist: Ein Sammelsurium von vielen abgestürzten Traditionsklubs, die allesamt mehr oder weniger schnell wieder nach oben wollen und dafür viel investieren.

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Aktuell haben zehn von 20 der Klubs in der Dritten Liga schon in der Bundesliga gespielt. Für Viktoria geht es da wohl nur darum, die Klasse zu halten. Und das wird sicher nicht einfacher in Brandenburg. Denn warum sollen die Menschen dort ein Team unterstützen, das „Berlin“ nicht nur im Herzen, sondern auch im Namen trägt.

Schon aus diesem Grund wäre es sinnvoll, wenn Viktoria in Berlin spielen würde. Nur da kann der Klub zu einer kleinen, charmanten Alternative zu den beiden großen Bundesligisten Hertha BSC und 1. FC Union werden. Zudem ist Viktoria eine mögliche Berliner Anlaufstation für viele Talente, von Zehlendorf bis Köpenick, die in den Profifußball drängen. Und deshalb gehört Viktoria nach Berlin.