Updates und Absagen im Festivalbetrieb

In der vergangenen Woche häuften sich die Absagen für Festivals, die in den Sommermonaten geplant waren. So werden wegen der Corona-Pandemie die Mülheimer Theatertage mit der Verleihung des renommierten Dramatikpreises zum großen Teil ins Netz verlegt.

Die Inszenierungen der sieben nominierten Stücke könnten vom 13. bis 29. Mai per Stream verfolgt werden, teilten die Veranstalter mit. Gastspiele der Theater werde es nicht geben. Die Jurydebatte am letzten Tag des Festivals werde wie bereits seit vielen Jahren live im Internet übertragen. Auch das Rahmenprogramm werde sich überwiegend digital abspielen.

Ebenso klingen die Nachrichten vom Berliner Theatertreffen. Das renommierte Bühnenfestival, das jedes Jahr die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sucht, wird wegen der Pandemie erneut ins Internet verlegt. Die nächste Ausgabe ist nun vom 13. bis 24. Mai geplant. „Wir kehren im zweiten Jahr der Pandemie mit einer digitalen Variante zurück“, sagte Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer.

Die 10er-Auswahl werde nun online gezeigt. Die Inszenierungen sollen im Livestream oder als professionell gemachte Aufzeichnungen gezeigt werden, sagte Büdenhölzer. Zuschauerinnen und Zuschauer können einen freiwilligen Beitrag dafür zahlen. Falls analoge Veranstaltungen doch noch möglich seien, werde dies kurzfristig angekündigt.

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci müssen für dieses Jahr ebenfalls wieder abgesagt werden. Die Landeshauptstadt sehe angesichts steigender Infektionszahlen und der vorläufigen Absage der Landesregierung von Modellversuchen keine Planungssicherheit für das Festival, so die Veranstalter.

Die Musikfestspiele waren unter dem Motto „Flower Power“ von 11. bis 27. Juni 2021 geplant. Sie konnten wegen der Pandemie auch schon 2020 nicht stattfinden. Tickets könnten jetzt zurückgegeben werden, hieß es.

Die erneute Absage „trifft uns sehr hart“, sagte Intendantin Dorothee Oberlinger. Etwa 70 Prozent der Tickets seien bereits verkauft. Es habe nach der Verschiebung auf 2021 so gut wie keine Kartenrückgaben gegeben. Eine erneute Verschiebung sei ausgeschlossen, weil die Planungen für das Folgejahr bereits fortgeschritten seien.

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, schon 2020 musste umdisponiert werden.Foto: Sebastian Gabsch

Oberlinger und Geschäftsführerin Heike Bohmann arbeiten nun gemeinsam mit dem Team der Musikfestspiele für den Juni an einem Ersatzprogramm aus virtuellen und partizipativen Formaten. Auch bereiten sie sich darauf vor, bei einer Änderung der Auflagen im Juni kurzfristig Alte Musik live und vor Publikum zu spielen.

Rudolstadt-Festival

Auch das Rudolstadt-Festival in Thüringen, das von 1. bis 4. Juli im gesamten Stadtgebiet geplant war, wird erneut abgesagt. Mit ihrer Entscheidung würden die Organisatoren die Konsequenz aus den nach wie vor unklaren gesundheitlichen und finanziellen Risiken ziehen, sagte Festivalsprecherin Miriam Rossius am Freitag in Rudolstadt.

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Selbst bei einer stark reduzierten Zahl von Zuschauern, Ensembles und Bühnen lasse sich ein Musikereignis von internationaler Ausrichtung und mit den in Rudolstadt gegebenen logistischen Strukturen nicht verlässlich planen. In den vergangenen Monaten habe das Festivalteam viele Szenarien und Konzepte geprüft. Angesichts der aktuellen Lage hielten die Veranstalter jedoch keines der erwogenen Konzepte für umsetzbar.

Ruhrfestspiele finden statt – live, digital oder gemischt

Die SWR Schwetzinger Festspiele sollen in den Herbst verlegt werden, wie der Südwestrundfunk als Veranstalter des Klassikfestivals mitteilte. Vorgesehen war es für die Zeit vom 29. April bis 29. Mai.

Noch eine Absage der Ruhrfestspiele soll es hingegen nicht geben: Intendant Olaf Kröck geht fest davon aus, dass das Traditionsfestival in diesem Jahr stattfinden wird, live, digital oder gemischt. „Der Lappen muss hoch“, sagte Kröck und meinte den Bühnenvorhang.

Unter dem Motto „Utopie und Unruhe“ sind von 1. Mai bis 20. Juni 210 Veranstaltungen geplant. Dazu zählen zwei Uraufführungen, sieben Deutschlandpremieren. Zu den Höhepunkten gehören etwa eine neue Arbeit des Theaterprojekts Rimini Protokoll unter dem Titel „Konferenz der Abwesenden“, bei der das Publikum abwesende Experten repräsentieren soll. Gezeigt wird auch „Die Dreigroschenoper“ des Berliner Ensembles unter der Regie von Barrie Kosky.

Die Ruhrfestspiele wollen elf Spielstätten nutzen, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Standen vor Corona rund 70 000 Karten zur Verfügung, sind es diesmal wegen der Einhaltung der Mindestabstände nur bis zu 28 000. Der Vorverkauf beginnt am 19. April. Tsp/dpa/epd