Unter Vorbehalt – aber mit Titelambitionen

Die besonderen Bedingungen sind schon auf dem Ankündigungsplakat zu erkennen. „Women’s Champions League“ steht dort groß – und etwas kleiner darunter „Bubble 20/21 Linz“. Die Champions League wird von diesem Donnerstag an bis zum kommenden Dienstag in einer Turnierblase ohne Zuschauer ausgespielt. Mit dabei ist der TTC Eastside.

Der deutsche Tischtennismeister gehört mit den Gastgeberinnen von Linz AG Froschberg zum engsten Favoritenkreis, ist an eins gesetzt. Doch die Begeisterung ist gering: „Wir wollten dieses Turnier zum jetzigen Zeitpunkt nicht“, sagt Manager Andreas Hain. Dass die Zahl der Coronavirus-Infektionen aktuell sehr hoch sein würde, sei absehbar gewesen. „Es ärgert mich, dass trotzdem ausgerechnet jetzt gespielt wird.“ Der Klub hatte sich für eine Austragung im Frühjahr ausgesprochen. Dann möglicherweise zumindest mit einer geringen Anzahl an Zuschauern.

Andere haben abgesagt, beispielsweise das polnische Spitzenteam KTS Tarnobrzeg. In Österreich sind lediglich elf Mannschaften dabei. Für Eastside war eine Absage keine wirkliche Option. Zwar ist der Verein bislang finanziell recht gut durch die Pandemie gekommen, „aber wir haben Verpflichtungen gegenüber unseren Sponsoren und den Spielerinnen“, sagt Hain, der den europäischen Verband kritisiert: „Die ETTU nötigt uns quasi, teilzunehmen.“

Den Sponsoren liegt naturgemäß viel daran, dass Eastside sichtbar ist. Alle Begegnungen werden von der ETTU im Internet übertragen. Eastside, das in Gruppe A auf UCAM Cartagena (Spanien), Lyssois Lille (Frankreich) und GDCS do Juncal (Portugal) trifft, plant außerdem einen Facebook-Livestream der eigenen Partien. Auch die Spielerinnen wollten antreten.

“Wenn wir dabei sind, wollen wir den Titel holen”

Sonst wird die Champions League über mehrere Monate erst in Gruppen ausgetragen, danach folgen K.-o.-Runden, alles in Hin- und Rückspielen. „Das sind wichtige Einnahmen, die uns fehlen“, sagt Präsident Alexander Teichmann. Zudem gibt es diesmal keine Preisgelder, sondern unabhängig vom Abschneiden eine Antrittsgage im knapp vierstelligen Bereich. Auf der anderen Seite stehen für Eastside Kosten rund um die Veranstaltung in Linz von bis zu 10 000 Euro. Dass wegen der aktuellen Coronavirus-Lage jede Spielerin individuell nach Österreich gereist ist, war dabei ein zusätzlicher Kostenfaktor.

Für das Turnier gilt ein strenges Hygienekonzept: Unter anderem dürfen die Spielerinnen das Hotel nur zum Training und für die Spiele verlassen. Zur Halle ist ein Shuttleservice eingerichtet. Bei der Ankunft musste ein negativer Corona-Tests vorliegen, der höchstens 48 Stunden alt sein durfte. Weitere regelmäßige Tests sind vorgesehen. Nach Angaben von Hain, der Freitag nach Linz reist, sollte der erste nach Ankunft am Dienstag stattfinden. „Unsere Spielerinnen haben mir erzählt, dass er erst Mittwochvormittag erfolgte“, sagt Hain.

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Für große Vorfreude sorgen diese Dinge nicht. Doch eines ist klar: „Wenn wir dabei sind, wollen wir den Titel holen. Das Halbfinale sollten wir auf jeden Fall erreichen. Danach ist alles offen“, sagt Hain. Der auch einigen Personalproblemen geschuldete schlechte Saisonstart in der Bundesliga dürfte kein Gradmesser sein, jetzt sind alle Spielerinnen fit. Mit Shan Xiaona, Nina Mittelham, Britt Eerland und Jessica Göbel als Ersatz ist das Team sehr stark besetzt. „Und die Motivation in der Champions League ist sicher eine andere als bei den bisherigen Bundesligaspielen“, sagt Präsident Teichmann. Da es in dieser Saison wieder Play-offs gibt, hält sich die Bedeutung der Hinrunde in Grenzen.

Für 2021 hat Eastside nun vorgesorgt und gleich fünf neue Spielerinnen verpflichtet. Die meisten sollen vor allem die Breite des Kaders vergrößern und bei Bedarf im unteren Paarkreuz eingesetzt werden. Regelmäßig an der Platte stehen soll Ding Yaping. Die 53-Jährige hat in der vergangenen Bundesligasaison bei der DJK Kolbermoor eine positive Bilanz gespielt.