Unions Manager Oliver Ruhnert zieht Transferfazit

Als Oliver Ruhnert am Mittwoch auf das Sommer-Transferfenster zurückblickte, fiel der Herbstregen schon auf Berlin. Eine so lange Wechselperiode hat der Manager des 1. FC Union Berlin noch nie erlebt – und gefallen hat es ihm nicht. „Das brauche ich nicht jedes Jahr“, sagte der 48-Jährige. Dabei kann Ruhnert eigentlich einen relativ sonnigen Blick auf die letzten Wochen und Monate werfen.

Sein Ziel, den Kader zu verkleinern, hat er erreicht. Verlorene Schlüsselspieler wie Rafal Gikiewicz oder Sebastian Andersson konnte er ordentlich ersetzen. Und mit Max Kruse, Loris Karius oder Keita Endo hat er auch Transfers getätigt, die Aufsehen erregt haben. „Unter den gegebenen Umständen ist das für uns das, was wir als Klub insgesamt maximal darstellen konnten“, sagte Ruhnert. „Ob es dann erfolgreich und gut und richtig ist, wird man erst in der Zukunft beurteilen können.“

Mit vier Punkten aus den ersten drei Ligaspielen ist Union zwar relativ gut in sein zweites Bundesliga-Jahr gestartet, die Mannschaft wird aber noch etwas Zeit brauchen, um einen richtigen Rhythmus zu entwickeln. Denn als Bundesligist steht Union gefühlt in einem ständigen Umbruch. Der Kader, den Ruhnert in diesem Sommer zusammengebastelt hat, sieht deutlich anders aus als der der vergangenen Saison. Und er dürfte sich in einem Jahr noch einmal verändert haben.

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Das liegt zum einen daran, dass Union im zweiten Jahr in Folge ziemlich eifrig auf dem Transfermarkt tätig war: Trotz des geschrumpften Kaders ist die Zahl der neuen Spieler wieder zweistellig. Zum anderen liegt es auch daran, dass Union wie viele andere Vereine auch in diesem Sommer auf Leihgeschäfte angewiesen war. Von den elf Neuverpflichtungen sind fünf nur ausgeliehen.

Anders könnte es Union derzeit nicht regeln, deutete Ruhnert an. „Wir haben nicht die Möglichkeiten, die Spieler momentan fest zu verpflichten.“ Und obwohl der Baubeginn für das neue Nachwuchsleistungszentrum unmittelbar bevorsteht, habe Union auch „noch nicht den Nachwuchs, der uns wie beim SC Freiburg jedes Jahr zwei oder drei Spieler liefert, die wir direkt reinwerfen können“.

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Trotzdem birgt dieser Ansatz durchaus Gefahren. Leihgeschäfte finde er grundsätzlich nur dann gut, wenn sie „nicht dazu führen, dass du keine Identifikation mehr im Kader schaffst“, sagte der Manager. Er sehe die Mannschaft aber „so in sich gefestigt ist, dass sie die Jungs komplett mit einbindet“. Das gelte auch für die neuen Stars wie Kruse oder Karius, von denen manche Kritiker noch behaupten, sie würden nicht zu Union passen.

„Mir ist es gleich, ob der Spieler Max Mustermann oder Max Kruse heißt. Wir haben keine Angst vor Namen“, sagte Ruhnert. „Der Punkt ist, du musst in den Gesprächen merken, dass sie zu Union wollen. Du musst das Gefühl haben, dass sie wissen, worauf sie sich einlassen.“

Das Gefühl hat er offenbar, sowohl bei Kruse als auch bei Karius, Endo, Joel Pohjanpalo oder Taiwo Awoniyi. Denn mit diesen Spielern soll Union im Frühling erneut den Klassenerhalt schaffen. Auch wenn manche von ihnen im nächsten Sommer gleich wieder weg sind. Kit Holden