Torquator Tasso gewinnt den 130. Großen Preis von Berlin

Zwangsläufige Einschränkungen in Zeiten einer Pandemie können auch zu unerwarteten Höhepunkten führen, wie der Renntag am Samstag auf der Hauptstadtrennbahn Hoppegarten bewiesen hat. Mit dem „130. Großen Preis von Berlin“ und dem „30. Preis der Deutschen Einheit“ fanden gleich zwei der bedeutendsten Rennen im Hoppegartener Jahreskalender statt. Und die Qualität dieser Prüfungen konnte sich trotz der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Galopper an diesem Wochenende in Paris Longchamp durchaus sehen lassen.

Angeführt vom Zweit- und Drittplatzierten des diesjährigen Deutschen Derbys, Torquator Tasso und Kaspar, ging das neunköpfige Teilnehmerfeld auf die klassische Distanz von 2 400 Metern im „Großen Preis von Berlin“. Das Rennen war mit 100 000 Euro (60 000 Euro Siegprämie) dotiert.

Vom Start weg wurde ein schnelles Tempo durch die Lokalmatadorin Stex vorgelegt, die über die ersten 2000 Meter zusammen mit Kaspar von der Spitze die Pace diktierten. Beim Einbiegen in die Zielgerade übernahm Kaspar unter Jockey Maxim Pecheur das Kommando. Auf den letzten 400 Metern entwickelte sich ein begeisternder Endkampf zwischen Kaspar und dem Favoriten des Rennens, Torquator Tasso unter dem französischen Jockey Lukas Delozier, sowie Dicaprio unter dem erfolgreichsten deutschen Jockey Andrasch Starke.

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Trotz tapferer Gegenwehr von Kaspar und Dicaprio setzte sich der von Marcel Weiß trainierte Favorit Torquator Tasso in einem packenden Finish vor Dicaprio und dem Dritten Kaspar durch.

Die übrigen Teilnehmer hatten mit der Entscheidung des Gruppe-I-Rennens nichts zu tun, vor allem der englische Gast Communique war eine einzige Enttäuschung.

Die Niederlage der in der Regel erfolgreichen englischen oder französischen Gäste unterstreicht die Form der in dieser Saison so starken dreijährigen Pferde aus Deutschland. Der beste deutsche Hengst dieser Generation, der Derby-Sieger In Swoop, war nicht am Start, da er am Sonntag den „Prix Arc“ in Paris gewinnen will.

Aber mit Torquator Tasso reiht sich ein würdiger Sieger in die Liste dieses prestigeträchtigen Rennens in Deutschland ein. Für Trainer Marcel Weiß und Jockey Lukas Delozier war es zudem der erste Sieg im einem Gruppe-I-Rennen, während die Besitzer des Siegpferdes , das Gestüt Auenquelle, Erfolge auch auf diesem Niveau gewöhnt sind.

Für Jockey Lukas Delozier wurde der gestrige Renntag zu einem unvergesslichen Erlebnis, weil er auch im „Preis der Deutschen Einheit“ mit der Außenseiterin Tabera auf der 2 000-Meter-Distanz triumphierte.

Der Jockey siegte mit der Außenseiter-Taktik, entfernte sich teilweise bis auf 10 Längen und konnte sich mit letzter Kraft vor dem englischen Gast Sky Defender und dem heißen Favoriten Wonderful Moon ins Ziel retten.

Der Renntag war insgesamt trotz der Corona-Einschränkungen eine Werbung für den Galopprennsport und weckt Erwartungen auf wieder halbwegs „normale Zeiten“. Immerhin, 3 900 Zuschauer waren schon mal ein Anfang.