Thomas Popiesch wird Eishockey-Bundestrainer

Teil 7 unserer Satireserie. „Die Welt ist ganz schön Scheibe“. Zuletzt wollten die Krekölnfelder Pinguihaie an den Start gehen, davor wollten Stefan Ustorf und Peter John Lee in die erfolgreiche Zukunft investieren. Davor erschienen: Teil 1: Die Wahrheit über Torsten Ankert und den Wechsel nach Wolfsburg; Teil 2: Weg mit dem Heimnachteil. Eisbären spielen nur noch auswärts!; Teil 3: NHL-Scout sucht deutsche Spieler in Bremerhaven Teil 4: Wie die Eisbären die Wende schafften.

Thomas Popiesch wird neuer Eishockey-Bundestrainer. Das Gerücht machte am Rande des Deutschland-Cups schon die Runde, laut unseren Recherchen ist es längst beschlossene Sache, dass der aktuelle Trainer der Fischtown Pinguins den Job an der schönen Nordseeküste bald für die internationale Aufgabe aufgeben wird. Dass Popiesch eine Frage nach seinem neuen Job dementierte, kann in diesem Zusammenhang getrost als Beleg dafür gehandelt werden, dass der Deal mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) perfekt ist. Schon zur WM-Vorbereitung im Frühjahr soll Popiesch beim DEB-Team an der Bande stehen.

Popiesch war in Krefeld bereits zum zweiten Mal beim Nationalteam im Einsatz, diesmal als Stellvertreter des erkrankten Bundestrainers Toni Söderholm. Ausschlaggebend für Popieschs erfolgreich verlaufenen Aufgaben war der Umstand, dass der Ersatztrainer DEB-Präsident Franz Reindl auf Ungeheuerlichkeiten im Team aufmerksam machen konnte.

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Popiesch begrüßte die Mannschaft beim ersten Training mit einem „Hi guys“ und rief dann in gewohnter Manier beim Training sein legendäres „Chip-chip-go“ in die Runde – die Reaktion der Spieler war bei null. Popiesch: „Ich musste feststellen, dass der Großteil der Spieler kein gutes Englisch spricht. Ja sogar schlimmer: Es waren gar keine Muttersprachler dabei. In Bremerhaven sprechen alle unsere deutschen Spieler perfekt Englisch und kein Deutsch.“

Popiesch informierte Reindl über diesen Umstand und machte seinen Standpunkt klar. „Das deutsche Eishockey ist auf keinem guten Weg, wenn es glaubt, sich nur von im eigenen Lande geborenen Spielern vertreten lassen zu müssen.“ Popiesch erinnert in diesem Zusammenhang an große Zeiten mit Spielern wie Harold Kreis, Roy Roedger,  Rick Aman und zuletzt Rob Zepp.

„Wir dürfen nicht übersteuern, solche Nummern mit Leon Draisaitl und den anderen Jungs wie Stützle oder so bringen uns vom  Weg ab, das glaubt uns keiner in Deutschland. Deutsche Spieler können nicht besser sein als Kanadier oder Slowenen!“

Das Team müsse wieder „authentischer“ werden, sagt Popiesch.

Insofern stuft der neue Bundestrainer den Gewinn der olympischen Silbermedaille von 2018 als „kontraproduktiv“ ein. Die Entwicklung gefalle ihm nicht, die Menschen wollten mit einer deutschen Eishockey-Nationalmannschaft leiden und sich nicht über Siege gegen Schweden oder Kanada freuen. „Wir müssen wieder gegen den Abstieg spielen bei einer WM und auch mal den Mut haben, abzusteigen. Sonst verlieren die Leute das Interesse!“, mahnt Popiesch.

Im Finale des Deutschland Cups ging es gerade noch mal gut, findet Popiesch

Die Quoten für den Deutschland-Cup seien schon schlecht gewesen. „Die Siege waren schuld. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir am Sonntag gegen Lettland auch noch gewonnen hätten“, so Popiesch. Immerhin habe man im Endspiel noch gegensteuern können und 2:3 nach der Overtime gegen Lettland verloren. „Aber das war haarscharf“, sagt Popiesch: „Mit mir als Bundestrainer wird und darf so etwas nicht noch mal passieren.“

Er werde in den kommenden Wochen in enger Zusammenarbeit mit dem Bürgeramt Bremerhaven schauen, was er für die Zukunft der Mannschaft aufbauen könne. „Es gibt noch genügend drittklassige Eishockeyspieler in Nordamerika mit deutschem Schäferhund“, sagt Popiesch und setzt auf Blockbildung. „Zur WM-Vorbereitung werden wir dann mal  mit unseren ersten beiden Reihen der Pinguins auflaufen. Da haben ja viele einen deutschen Pass und sprechen perfekt Englisch.“