Sportliche Sichtbarkeit für queere Personen

Regenbogenflaggen im Olympiastadion, Drag Queens auf der 50-Meter-Bahn und ein Rainbow-Village entlang der Sendlinger Straße. Diese Bilder könnten bald Realität werden, nämlich bei den Gay Games, die 2026 erstmals in München ausgetragen werden könnten.

So gab die Trägerorganisation Federation of Gay Games zu Beginn der Woche bekannt, dass die die bayerische Landeshauptstadt es in die letzte Auswahlrunde geschafft habe und unter den drei Finalisten für die Austragung dabei sei. Bisher fand die Olympiade nur ein einziges Mal in Deutschland statt, nämlich 2010 in Köln.

Sport, Kultur und eine Menschenrechtskonferenz

Die achttägige internationale Veranstaltung zählt zu den größten Breitensport Events weltweit und findet alle vier Jahre statt. Zu den Wettbewerben sollen dem Münchener Organisationsteam zufolge Sportarten wie Fußball und Schwimmen, aber auch Cheerleading, Schach und E-Sport zählen.

Doch nicht nur sportliche Wettstreite, sondern auch ein buntes Kulturprogramm und eine Human-Rights-Konferenz sind geplant. Auf ihrer Facebook Seite schreiben die Münchener Organisator*innen: „Egal ob lesbisch, schwul, bi, trans, inter oder straight: Zusammen bringen wir geballte LGBTIQ* Power auf, um 2026 ein gigantisches Sport- und Kulturspektakel zu inszenieren.“

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In einer Sportwelt, in der zweigeschlechtliche Rollenbilder und Leistungsdruck immer noch dominieren, erscheinen genau solche Veranstaltungen umso wichtiger. Sie schaffen zum einen Sichtbarkeit und Akzeptanz für queere Menschen und zum anderen bieten sie die Möglichkeit, sich fernab von heteronormativen Wertevorstellungen gemeinsam sportlich zu betätigen und zu messen.

So betont auch die Trägerorganisation, dass zu den „wichtigen Grundsätzen“ Teilnahme, Inklusion und das „Über-sich-selbst-Hinauswachsen“ aller Beteiligten zählen. Das schlägt sich in den Teilnahmebedingungen nieder: Teamaufteilung in Männer und Frauen? Soll möglichst vermieden werden.

Damit unterscheiden sich die Gay Games essentiell von internationalen Wettkämpfen wie den Olympischen Spielen. Dort werden Athlet*innen wie Caster Semenya aufgrund ebenjener zweigeschlechtlicher Einteilung dazu gezwungen, ihren Testosteronspiegel künstlich durch Medikamente zu senken – ohne, dass die gesundheitlichen Folgen klar sind.

Nun bleibt zu hoffen, dass München im November, wenn der Austragungsort bekannt gegeben werden soll, zur Siegerstadt gekürt wird. Denn auch hierzulande erfahren queere Menschen häufig Diskriminierung im Sport oder werden systematisch ausgeschlossen. Die deutsche Sportwelt hätte genau so eine Veranstaltung dringend nötig.