Sporting ist auf dem Weg zur ersten Meisterschaft seit 2002

In weiten Teilen der Nullerjahre war der Fußball Manager von EA Sports mein treuer Begleiter. Ich habe auf dem Computer nahezu jeden Teil gespielt, einige sogar ziemlich exzessiv. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es die Version von 2002 oder 2003 war, aber ich weiß noch genau, dass ich in der zweiten italienischen Liga angefangen habe und mit dem FC Messina bis ins Jahr 2026 nahezu unschlagbar war.

Der Fußball Manager war zwar nur ein Spiel, erlaubte aber manchmal doch recht gute Einblicke in die Zukunft. Einer meiner ersten Transfers führte ein junges Talent aus der Jugendabteilung von Sporting Lissabon in mein Team: Cristiano Ronaldo. Ich bemerkte erst, dass es sich dabei nicht um einen computergenerierten Spieler handelte, als der Portugiese in der echten Welt für 17,5 Millionen Euro zu Manchester United wechselte – ich hatte dank meiner guten Scoutingabteilung natürlich viel weniger bezahlt. Zusammen mit Ronaldo sicherte ich mir von Sporting auch Ricardo Quaresma und Hugo Viana, damals allesamt große Nachwuchshoffnungen in der Profimannschaft.

Doch nicht nur digital musste der portugiesische Traditionsverein schmerzhafte Abgänge verkraften. 2001/2002 gewann Sporting seine 18. Meisterschaft, 2003 verließen neben Ronaldo auch Quaresma und der brasilianische Torjäger Mario Jardel den Verein. Ein Jahr später ging Viana nach England. Die Liga hat Sporting seit 2002 nicht mehr gewonnen – die Titel teilten sich Stadtrivale Benfica (7) und der FC Porto (11) untereinander auf.

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Für einen stolzen Traditionsverein wie Sporting ist das eine unerträglich lange Zeit, nach 19 Jahren deutet sich aber ein Ende des Wartens an. Nach 21 Spieltagen führt Sporting die Tabelle ungeschlagen mit neun Punkten Vorsprung vor Braga an. Das 0:0 am vergangenen Wochenende in Porto war für die Leões – die Löwen – ein weiterer großer Schritt in Richtung Meisterschaft.

Angedeutet hat sich diese herausragende Saison nicht. In der Qualifikation zur Europa League scheiterte Sporting Anfang Oktober im eigenen Stadion mit 1:4 gegen den Linzer ASK. Als ernsthafter Titelkandidat galt Sporting lange nicht. „Die Mannschaft hat sich gesteigert, aber es schien unmöglich, den Titel zu erreichen“, sagte der erst 36 Jahre alte Trainer Ruben Amorim kürzlich.

Mittlerweile sind die meisten Zweifel verschwunden. Sportings Mischung aus erfahrenen Spielern wie João Mário und jungen Talenten wie Tiago Tomas ist auf dem besten Weg, die lange Dominanz von Porto und Benfica zu beenden. Selbst ein Quaresma steht wieder im Team. Dem 18-jährigen Innenverteidiger Eduardo Quaresma, nicht verwandt oder verschwägert mit Ricardo, wird eine große Zukunft vorhergesagt – gäbe es den guten alten Fußball Manager noch, ich würde sofort zuschlagen.