Spielendes Versprechen für eine gute Zukunft

Natürlich war das Resultat keine Schande. 1:2 gegen Russland zu verlieren im Viertelfinale einer Junioren-Weltmeisterschaft, dass war für die deutsche U20 beim Turnier in Kanada ein gutes Ergebnis, ja sogar das beste Ergebnis aller Zeiten, seit das Turnier in dieser Form gespielt wird. Und kaum war das Spiel schon vorbei, da wurde auf den offiziellen Kanälen des Deutsche Eishockey-Bundes (DEB) auch schon reflexartig die üblichen Floskeln in die Eishockeyblase geschleudert. Da war von „erhobenen Häuptern“ und „Respekt“ die Rede, also erwartbare Floskeln für die erwartbare Niederlage.

DEB-Vizepräsident Marc Hindelang brachte es besser auf den Punkt und twittere „Schade“. Stimmt. Denn erhobene Häupter interessieren außerhalb der deutschen Blase dieser Sportart nicht. Ehrenvolles Scheitern, das kennen die Menschen, wenn es um deutsche Eishockeynationalmannschaften geht, seit Jahrzehnten. Es ist geschickter, ruhig einmal von einer großen Enttäuschung zu sprechen. Denn wenn eine Mannschaft so nah dran ist ganz weit nach vorn zu stoßen, dann hat sie es verdient, von einer Enttäuschung zu sprechen.

Die Leistung der deutschen Mannschaft war diesmal nämlich wirklich außergewöhnlich. In einem sicher angesichts der Bedingungen diskutablen Turnier haben die Deutschen, geplagt von acht Coronafällen, fast durchweg mit einer Rumpftruppe gespielt und trotzdem nach einer herben Pleite gegen Kanada die Slowakei und die Schweiz auf Distanz gehalten.

Tim Stützle war einer der besten Spieler des Turniers – vielleicht sogar der beste

Das war um so erstaunlicher, als dass mit Moritz Seider und Lukas Reichel noch zwei Weltklassespieler aus diesem Alterssegment fehlten – sie sind wie der bei Turnier beste Spieler Tim Stützle ebenfalls in der ersten Runde von der National Hockey-League (NHL) gedraftet worden und stehen auch für den unglaubliche Aufschwung des deutschen Eishockeys, der ja erst 2020 mit den vielen Auszeichnungen von Leon Draisaitl auch so langsam ins Bewusstsein der Menschen kam, die sonst hierzulande mit dieser Sportart weniger zu tun haben

Tim Stützle war vielleicht sogar der beste Spieler des Turniers von Kanada, John Jason Peterka (ebenfalls hoch gedraftet) und Florian Elias zeigten ebenfalls, was sie auf hohem Niveau leisten können. Da wächst sehr viel nach und wer weiß, was dann einmal möglich ist, wenn die vielen guten Spieler in einer A-Nationalmannschaft gemeinsam auftauchen können. Die Gelegenheiten dazu sind allerdings rar, vielleicht geht das bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking – bei den A-Weltmeisterschaften sieht das sicher anders aus, denn dann werden womöglich Stützle und Co. In der NHL beschäftigt sein, wenn diese Turniere laufen.

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Die U-20-WM für die NHL das wichtigste internationale Turnier überhaupt, denn hier spielen die Talente vor – für die NHL. Alles andere interessiert in Nordamerika weniger (Olympia mal außen vor). Und es macht es für auch die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) nicht einfach, die Begeisterung um die jungen Spieler hochzuhalten, die tausende Kilometer weit entfernt spielen. Aber es wertet immerhin die nationale Liga auf, wenn sie solche Spieler auch zum Teil nach oben bringt. Stützle, Peterka und Elias sind eben auch Kinder der DEL, in der sie schon gespielt haben und zum Teil noch spielen werden erst einmal.

Insofern ist das Abschneiden U20 bei der Weltmeisterschaft eben auch gut für das deutsche Eishockey. In jedem Fall ist es, trotz der Enttäuschung über das Aus im Viertelfinale, ein Versprechen für die Zukunft. Und sicher auch ein Beleg dafür, dass in den Nachwuchszentren von Mannheim und Red Bull (München und Salzburg) sehr gut gearbeitet wird, denn da komme die drei jungen Angreifer her. Es ist wichtig für den DEB, wenn immer mehr Organisationen im Lande diesen Beispielen nacheifern, noch mehr in die Zukunft investieren und nicht nur an die kommende Saison in der DEL denken. Aber da bewegt sich ja so langsam etwas.