So schwach spielte Hertha BSC in der Hinrunde wirklich

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Herthas Matheus Cunha steht beim DFB-Pokalaus gegen Eintracht Braunschweig (11.09.2020) enttäuscht am Anstoßpunkt.Foto: imago images/Bernd König

Bei Hertha BSC läuft die Saison wahrlich nicht rund. Mit lediglich 17 Punkten aus 17 Spielen hinkt der selbsternannte “Big City Club” den eigenen Ambitionen hinterher. In einem schwachen Spiel am Dienstag verlor die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia 0:3 gegen die TSG Hoffenheim und rutschte auf Tabellenplatz 14 ab. Jetzt droht Abstiegskampf und das hat viele Gründe:

SCHLECHTESTE HINRUNDE SEIT 2009/10

So wenig Punkte nach 17 Spielen hatten die Berliner zuletzt in der Saison 2009/10 auf dem Konto. Dementsprechend steht Hertha momentan mit Platz 14 so schlecht da wie seit 2009/10 nicht mehr. Damals waren es sechs Punkte und Platz 18. Am Ende der Saison stiegt Hertha BSC in die 2. Bundesliga ab.

Nur vier Siege stehen derzeit auf der Habenseite. Nur 2009/10 waren es zuletzt zur Saisonhalbzeit weniger (1).

HEIMSCHWÄCHE

Hertha punktet zuhause in der Hinrunde zu selten. In acht Heimspielen gewann die Mannschaft nur zwei Spiele. Weniger Siege sammelte sie im eigenen Stadion auch hier zuletzt in der Saison 09/10, in der sie nur einen Sieg – ein 1:0 über Hannover 96 – im Olympiastadion feiern konnte.

Außerdem verliert die Mannschaft von Trainer Labbadia im eigenen Stadion so oft wie seit der Saison 2009/10 nicht mehr. Vier Heimniederlagen stehen zu Buche, damals waren es fünf.

HINTEN ANFÄLLIG, VORNE UNAUFFÄLLIG

Hertha kassiert viele Gegentore (28). Damit sind in der aktuellen Spielzeit nur Schalke 04 (42) und Mainz 05 (36) hinten anfälliger (Stand: 20.1, 15 Uhr). Besonders zuhause wackelt die Abwehr. 15 Gegentore kassierte Hertha zuhause bereits, der schlechteste Wert seit der Abstiegssaison 2009/2010 (16).

Eine durchlässige Defensive können manche Teams durch eine starke Offensive wettmachen. Hertha allerdings hat bisher nur 23 Treffer erzielt, Toptorschütze ist mit sechs Toren Matheus Cunha.

Auch hier ist die Hertha – mit Ausnahme der vergangenen Saison (22 Tore) – nach der Hinrunde letztmals 2009/20 (13) offensiv schwächer gewesen. Mit durchschnittlich 1,35 Treffern pro Spiel liegt Hertha deutlich unter dem Ligaschnitt (1,53).

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Zuhause klemmt es besonders. Nur zehn Tore verzeichnen die Berliner im Olympiastadion. Weniger schoss nur das Team von 2009/10 (7 Tore), damals mit Spielern wie Raffael, Arne Friedrich und Adrian Ramos. Am Ende musste das Team den Weg in die Zweite Liga antreten.

WENIG BISS

Ein Blick auf die Zweikampfstatistik der Herthaner zeigt: Die Spieler gewinnen nur 48 Prozent der Zweikämpfe. Nur Mainz, Schalke, Freiburg (jeweils 48 Prozent) und die TSG aus Hoffenheim (47 Prozent) behaupten sich in den Zweikämpfen genauso selten bzw. seltener. Der Ligadurchschnitt liegt bei 50 Prozent.

Gehen die Herthaner in den Zweikampf foulen sie dabei überdurchschnittlich oft. Mehr als 15 Fouls begehen sie im Spiel durchschnittlich. Das Liga-Mittel liegt bei 12,65.

Ebenfalls unterdurchschnittlich ist die Laufleistung der Mannschaft (116,55 Kilometer pro Spiel, Durchschnitt in der Liga: 117,04 Kilometer). Dabei ist die Laufleistung nicht zwingend ein Indikator für Erfolg. Die Bayern laufen beispielsweise nur 115 Kilometer, stehen allerdings mit mehr als doppelt so vielen Punkten (36) an der Tabellenspitze.

NERVENSCHWACH

Die Berliner schwächeln in dieser Hinrunde besonders häufig in wichtigen Spielen gegen die Konkurrenz. Gegen die letzten vier der Tabelle (Schalke, Mainz, Bielefeld, Köln) sicherte sich das Team lediglich fünf Punkte. Zu wenig für die Europa-Ambitionen. Die einzigen drei Tore in diesen vier Spielen schoss Hertha alle gegen Schalke, in den anderen drei Partien blieb man ohne Torerfolg.

K.O.-Spiele sind immer etwas Besonderes, gerade für die unterklassigen Vereine. Eintracht Braunschweig, derzeitiger Zweitligist, schoss die Berliner in dieser Saison bereits in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal.

Es war das früheste Aus der Berliner als Erstligist seit der Saison 2002/03. Damals verloren sie gegen den damaligen Regionalligisten Holstein Kiel 0:3 nach Elfmeterschießen. 2012/13 scheiterte die Hertha ebenfalls in Runde eins am Viertligisten Wormatia Worms. In der Saison spielte Hertha allerdings in der 2. Bundesliga.