Sind Maschinen die besseren Gestalter?

Königin Elisabeth I. durfte Zeit ihres Lebens nur jung und schön dargestellt werden, als starke unsterbliche Regentin. Persönlich soll sie höchstens für fünf Porträts Modell gesessen haben, die meisten Abbildungen von ihr wurden anhand strenger Vorgaben, einer „Maske der Jugend“, erstellt.

Der britische Künstler Mat Collishaw, der am Goldsmith College in London studierte und zur Gruppe der Young British Artists gezählt wird, beendet gut vier Jahrhunderte später diesen Jugendwahn. Er fertigte ein animiertes 3D-Porträt des ungeschönten Gesichts der Königin an – so, wie es ausgesehen haben könnte, mit Hautfalten, Härchen, beweglichen Augen und zuckender Haut.

Behilflich war ihm bei der Modellierung dieser etwas gruseligen Skulptur eine Künstliche Intelligenz. Collishaw sammelte alle Gemälde und Zeichnungen, die von Königin Elisabeth gefertigt wurden, scannte sie ein und ließ sie von einer Software analysieren, die das „realistische“ Bild von ihr berechnete.

Künstliche Intelligenzen helfen bei der Bildhauerei, Roboter zeichnen, Algorithmen kreieren Gemälde, die in Museen ausgestellt und bei Auktionen zu hohen Preisen verkauft werden. Wird die Kunst bald nur noch von Algorithmen gemacht? Ist die Software der bessere Gestalter?

Das 40-minütige Feature „Reload für die Kunst – Wie Robotik und KI die Kreativität verändern“, derzeit in der 3sat-Mediathek abrufbar, zeigt anhand von Beispielen aus der internationalen Kunstwelt, wie Künstler und Künstlerinnen die neuen Technologien nutzen, von der Medienkunstpionierin Lynn Hershman Leeson bis zum Künstlerkollektiv Forensic Architecture.

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Die Performerin Marina Abramovic tritt den Museumsbesuchern nicht in ihrer wahren Gestalt gegenüber, sondern in Form eines Holograms. Der französische Künstler Patrick Tresset lässt mehrere Roboter, wie in einer Schulklasse sitzend, Porträts eines Models zeichnen; die Maschinen hat er so programmiert, dass sie jeweils ihren eigenen Stil ausbilden. Künstler – ein aussterbender Beruf? Nur Malerstar Markus Lüpertz glaubt das nicht.

Künstlerinnen zeichnen sich nicht durch besondere Einfälle oder Genialität aus, sondern dadurch, dass sie den Zeitgeist erfassen und Themen auf besondere Weise adressieren, sagt einer der KI-Experten. Aber auch auf diesem Feld sind die Maschinen dem Menschen bereits auf der Spur. KI-Frau Ai-Da malt, hält Vorträge und stellt Fragen über das Wesen ihrer eigenen Kreativität, die sonst niemand stellt. Nur dass sie eben doch noch jemanden braucht, der sie soweit bringt.