Sieg in der Stille, Sieg für die Seele

Es gab am Freitagabend sicher gemütlichere Ecken in Berlin als das Areal vor der Arena am Ostbahnhof. Aber gut, das durfte ja in diesen anspruchsvollen Tagen nicht überraschen. Natürlich deutete rund um den Riesentrumm von Halle fast nichts darauf hin, dass die Eisbären im Innern endlich ihr erstes Spiel in der Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bestritten.

In der Arena war dann nur einiges so wie immer als die Berliner zum ersten Bully gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven antraten – zumindest auf dem Eis. Die leeren Ränge boten ein tristes Bild, das die vielen Lichteffekte und akustischen Spielereien nicht schönen konnten. Beide Teams lieferten ein gutes Spiel ab, das die Eisbären 3:2 (1:1, 1:0, 1:1) gewannen.

Immerhin hatte Stadionsprecher Uwe Schumann viel Humor mitgebracht. Kurz vor Spielbeginn begrüßte er „die Journalisten in der Halle“. In der Rundung, in der sonst bei Heimspielen der Berliner die Stehplatzkurve eingebettet ist, war ja schließlich gar nichts los. Dort war eine eingefahrene Tribüne zu sehen, vorn abgehangen mit schwarzem Tuch. Selbst die Trikots verdienter ehemaliger Spieler hingen nicht unter der Hallendecke, sondern maximal auf Halbmast.

Im weiten Rund war jedes auf dem Eis gewechselte Wort zu verstehen, jedes Kratzen der Schlittschuhe. Aber die beiden Mannschaft kannten diesen Sound ja schon aus dem Magentasport-Cup. Das Vorbereitungsturnier der DEL hatten die Berliner allerdings nicht zu Ende spielen können, weil ihre Profis nach einer Reihe von Coronafällen in Quarantäne mussten.

Bremerhaven hatte es immerhin bis ins Finale gegen München geschafft, dort allerdings 5:7 verloren. Trotzdem wurde die fast durchweg mit internationalen Profis bestückte Mannschaft von der Küste nach dem Turnier von vielen hochgelobt. Tatsächlich wirkten die Pinguins in Berlin gut aufgestellt, was die Struktur in ihrem Spiel betraf.

Zwei Neuzugänge trafen – und Leo Pföderl

Die Eisbären dagegen mussten sich erst einmal sammeln, schließlich standen acht neue Spieler in ihren Reihen. Aber es war einer ihrer Zugänge, der zum 1:0 traf, der aus Krefeld gekommene Kristopher Foucault. Die Berliner Führung war aber recht glücklicher Natur, denn Bremerhaven übernahm bald die Regie und kam durch Carson McMillan noch im ersten Drittel zum Ausgleich.

Hätten sich die Gäste danach aber nicht durch ihre zahlreichen Strafzeiten vom Kurs abgebracht, so wäre es dann wohl ein ganz harter Weg für die Eisbären geworden. So aber nutzten sie die vierte Powerplay-Chance zum 2:1. Matt White traf nach schöner Vorarbeit von Mark Zengerle – auch zwei neue Spieler bei den Eisbären.

Mit Leo Pföderl besiegelte ein angestammter Spieler mit dem Tor zum 3:1 den Berliner Sieg – daran änderte auch das dritte Tor der Gäste durch Niklas Andersen kurz vor Ende nichts.

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Stadionsprecher Schumann hatte dann noch einen guten Spruch auf Lager: Er bedankte sich für ein „ausverkauftes Haus. Mit 16 Pressevertretern und sechs Fotografen – also den Vorgaben entsprechend.“ Klar, es war ein Sieg in der Stille, für die Berliner aber auch ein Sieg für die Seele: Sie waren keinesfalls als Favorit in das Spiel gegangen, für das sie keinen Applaus von den Rängen bekamen.

Es fehlte natürlich auch das „Ost-Ost-Ost-Berlin“, das sonst von der Stehplatzkurve seit Jahren nach 30 Spielminuten angestimmt wird. Dafür wollten sich die wenigen Zuschauer, allesamt ja mit Arbeitsauftag in der Halle, auch nicht hergeben. Immerhin wurde rund 45 Minuten vor dem Spiel vor dem Shopping-Center unweit der Halle zart und eher schief das Eisbären-Lied intoniert.

So hatte es sich jedenfalls angehört, an einem stillen Abend unweit der Warschauer Brücke.