Sie alle strebten nach Höherem

1 Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg (1903–1945) wurde in die Pelzhändlerfamilie Schiller hineingeboren. Nach dem Abitur studierte sie Mathematik, Physik und Flugmechanik. Sie erwarb ihren Pilotenschein und unternahm ungezählte Testflüge. 1937 heiratete sie Alexander Schenk Graf von Stauffenberg, den Bruder des späteren Hitlerattentäters. Im II. Weltkrieg stand sie in Diensten der Luftwaffe. Ihre „kriegswichtige Arbeit“ schützte die „als jüdischen Mischling“ Enttarnte. 1944 wurde die nach dem Putschversuch verhängte „Sippenhaft“ für sie aufgehoben. Inwieweit sie in die Attentatspläne eingeweiht war, ist bis heute nicht geklärt. Ihre Maschine wurde 1945 über Bayern von einem US-amerikanischen Jagdflugzeug abgeschossen. Im Krankenhaus starb sie an den schweren Verletzungen. Gleich zwei Biographien widmen sich ihrem spannenden Leben.  

Albrecht Ludwig Berblinger, der Schneider von UlmFoto: akg-images

2 Albrecht Ludwig Berblinger (1770–1829), ist als der „Schneider von Ulm“zur historischen Figur geworden. Mit dem von ihm gebauten Hängegleiter unternahm er am 31. Mai 1811 den Versuch, von der Bastei der Stadt aus die Donau zu überfliegen. Die Umstände waren ungünstig, er stürzte ab. Edgar Reitz hat Berblingers Geschichte mit Thilo Prückner in der Hauptrolle 1978 verfilmt.

Sophie BlanchardFoto: imago Stock & people

3 Sophie Blanchard (1778-1819) begleitete bereits ihren Mann, den französischen Ballonfahrer Jean-Pierre Blanchard, auf seinen Flügen. Als er 1809 während einer Ballonfahrt starb, übernahm sie seine Fluggeräte und wurde durch teilweise spektakuläre Vorführungen berühmt. Napoleon I. erhob sie zur Kaiserlichen Aeronautin und ließ sie unter anderem bei seiner Hochzeit 1810 mit Marie-Louise von Österreich als Attraktion aufsteigen. Bei einem Flug am 6. Juli 1819 über Paris entzündete sie fürs Spektakel ein Feuerwerk. Der Ballon geriet in Brand und stürzte ab, dabei erlitt sie tödliche Verletzungen. Begraben wurde sie auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise.

Käthe PaulusFoto: mauritius images/Shim

4  Käthe Paulus (1868–1935) trat mit ihrem Partner Hermann Lattemann ab 1892 bei Flugschauen auf. Das Paar stieg mit dem Ballon auf und einer sprang mit dem Fallschirm ab. Lattmann verunglückte dabei tödlich, Käthe Paulus führte das Geschäft allein fort und erfand den zusammenfaltbaren Paketfallschirm, der im Ersten Weltkrieg mehreren Luftschiffern, die über Verdun abgeschossen wurden, das Leben rettete.

Karlheinz StockhausenFoto: imago/ Kai Bienert

5  Karlheinz Stockhausen (1928–2007) schuf den umfangreichsten Opernzyklus aller Zeiten. Richard Wagner bringt es mit seinem „Ring des Nibelungen“ auf 16 Stunden, Stockhausens siebenteiliger „Licht“-Zyklus dauert 29 Stunden. Die aufwändigste Passage ist das Helikopter-Quartett, bei dem vier Streicher in Hubschraubern musizieren. Ihre Töne werden, gemischt mit dem Geräusch der Rotorblätter, in den Konzertsaal übertragen. Das Stück wurde 1986 in Amsterdam uraufgeführt. In Deutschland war es 2007 in Braunschweig zu erleben.

Heinz RühmannFoto: imago/teutopress

6 Heinz Rühmann (1902–1994) nahm 1930 erste Flugstunden. Im selben Jahr erwarb er seine Fluglizenz und kaufte sich eine Kl 25. Die Maschine finanzierte er mit der Gage für den Film „Die Drei von der Tankstelle“. Im Streifen „Quax, der Bruchpilot“ (1941) flog der Schauspieler sogar die Kunstflugszenen selbst, der Berufspilot war ausgefallen. Man konnte, bedingt durch den Krieg, keinen Ersatz für ihn finden. Rühmann setzte sich auch privat immer wieder ins Cockpit. Erst nach seinem 80. Geburtstag gab er den Pilotenschein ab.

Louis BlériotFoto:mauritius images/Pictorial Pre

7 Louis Blériot (1872–1936) überquerte 1909 als erster Mensch den Ärmelkanal in einem Flugzeug. Die Pioniertat verschaffte dem Franzosen nicht nur einen Besuch beim damaligen britischen Monarchen Edward VII., sondern auch einen Preis in Höhe von 1000 Pfund, den die englische Zeitung „Daily Mail“ ausgelobt hatte. Die Summe bildete den Grundstock für Blériots Serienproduktion von Flugzeugen.

Walter MittelholzerFoto: Ullstein Bild via getty images

 8 Walter Mittelholzer (1894–1937), war ein Schweizer Pilot, Fotograf, Reiseschriftsteller und einer der ersten Luftfahrtunternehmer. Aus seiner Fluggesellschaft Ad Astra Aero ging später die Swissair hervor. Mittelholzer hatte sich einen Namen als Luftbildfotograf gemacht, er flog nach Spitzbergen, im Auftrag der persischen Regierung 1924 nach Teheran und 1930 überflog er als erster Mensch den Kilimandscharo. Mit einem Wasserflugzeug überwand er als erster Europäer die Strecke nach Südafrika.

Beate UhseiFoto:picture-alliance

9 Beate Uhse (1919–2001) war deutsche Kunstflugpilotin und Unternehmerin. Ihre erste Flugstunde absolvierte sie 1937 in Rangsdorf bei Berlin. Ein gutes Jahr später legte sie ihre Kunstflugprüfung ab. Im Krieg stand sie auch in Diensten der Luftwaffe. Kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee startete sie in Gatow das Leichtflugzeug Siebel Fh 104 und entkam gen Westen. Da die Besatzungsmächte ihr jegliche fliegerische Tätigkeit untersagten, wurde sie auf anderem Feld kreativ. 1951 gründete sie ein Versandhaus für Kondome und Bücher für Ehehygiene, 1999 ging die Beate Uhse AG an die Börse.

Chuck YeagerFoto: mauritius images/Science Source

10 Chuck Yeager (1923-2020) war ein amerikanischer Testpilot und Kriegsveteran.1947 gelang es ihm als erstem, die Schallmauer zu durchbrechen. Im Zweiten Weltkrieg in Deutschland eingesetzt, beteiligte er sich an diversen Tieffliegerangriffen, die er in seiner Biographie später auch kritisch reflektierte. 1983 wurde sein Leben in „Der Stoff, aus dem die Helden sind“ verfilmt. „Der Jäger“, der viele schwere Unfälle überstanden hatte, wurde 97 Jahre alt.