Senat verhindert Aufstockung der Zuschauerzahl

Es bleibt dabei: Weil der Berliner Senat seine Coronaverordnung nicht ändert, dürfen zum ersten Heimspiel von Hertha BSC nur 4000 Fans ins Olympiastadion




Mehr Platz als erhofft wird es am Freitag bei Herthas erstem Heimspiel im Olympiastadion geben.Foto: imago sportfotodienst

Michael Preetz, der Sportdirektor von Hertha BSC, ist am Montagabend auf ungewohntem Terrain unterwegs gewesen. Er war in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ zu Gast, und er hat dabei eine Aussage getätigt, die ganz gut das Spannungsfeld beschreibt, in dem sich der Berliner Fußball-Bundesligist Hertha BSC gerade bewegt. „Wir sind nicht nach dem Virus, wir sind mittendrin“, hat Preetz gesagt. „Aber ich empfinde es auch so, dass die Menschen in unserem Land Optimismus brauchen und dass man ihnen Wege zeigen muss, wie wir mit diesem Virus leben lernen.“

Dieses Spannungsfeld gilt auch für die Maßnahmen, die die Politik in Zeiten der Coronavirus-Pandemie zu treffen hat. Der Berliner Senat hat sich am Dienstag eher für Vorsicht als für überbordenden Optimus entschieden, was angesichts der jüngsten Entwicklung nicht allzu überraschend kam. In Berlin sind zwei der drei sogenannten Corona-Ampeln auf Gelb gesprungen, die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten steigt. Deshalb bleibt die Infektionsschutzverordnung in Berlin erst einmal so, wie sie ist.

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Die Auswirkungen betreffen auch Preetz’ Arbeitgeber Hertha BSC. Denn wenn die Berliner an diesem Freitag (20.30 Uhr) ihr erstes Heimspiel der neuen Bundesliga-Saison bestreiten, dürfen maximal 5000 Menschen ins Olympiastadion – und das obwohl die Bundesländer sich vor einer Woche auf eine flächendeckende Rückkehr der Fans geeinigt und in einer sechswöchigen Testphase eine Auslastung von bis zu zwanzig Prozent der Sportstätten erlaubt hatten. Für das Olympiastadion wären das bei einer Kapazität von knapp 75.000 Plätzen immerhin 14.895 Zuschauer.

Dem aber steht die Berliner Infektionsschutzverordnung im Wege, die die Zahl der Zuschauer bei Großveranstaltungen im Freien auf 5000 begrenzt. Und daran ändert sich erst einmal nichts. „Mit steigenden Infektionszahlen wird es schwierig zu begründen, warum in manchen Bereichen die grundsätzlichen Regelungen und Zahlen nicht gelten sollen“, erklärte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop in der Pressekonferenz nach der turnusmäßigen Sitzung des Senats. „Deswegen ist heute kein Beschluss gefasst worden.“ In der derzeitigen Situation seien keine Extragenehmigungen möglich, sagte Pop. „Wir sollten gucken, dass wir das konsolidieren, was wir haben.“

In einer Woche berät der Senat erneut

Hertha BSC hat für die Wiederzulassung der Zuschauer ein umfangreiches Hygienekonzept vorgelegt, in dem verschiedene Szenarien berücksichtigt wurden. Der Klub wäre laut eigener Aussage auch auf eine kurzfristige Verdreifachung der Besucherkapazität vorbereitet gewesen. Doch das hat sich erst einmal erledigt. In einer Woche, so Wirtschaftssenatorin Pop, werde der Senat aber erneut über die Infektionsschutzverordnung beraten. Herthas nächstes Heimspiel findet am 17. Oktober gegen den VfB Stuttgart statt.

Mit knapp 15.000 Zuschauern wäre für den Klub ein annähernd kostendeckender Spielbetrieb möglich gewesen. Unter den aktuellen Bedingungen hingegen zahlt der Verein bei jedem Heimspiel drauf. Abzüglich der Spieler, Betreuer und Offiziellen beider Vereine, der Medienvertreter und Sicherheitskräfte dürfen 4000 Heimfans ins Olympiastadion. Die Tickes sind personalisiert und wurden an Personen verkauft, die sowohl Vereinsmitglieder und Dauerkarteninhaber sind.

Mit 4000 Fans geht es Hertha BSC noch besser als dem FC Bayern München und dem 1. FC Köln, die am vergangenen Wochenende, beim Start der neuen Saison, gar keine Zuschauer in ihre Stadien lassen durften. In München und Köln lag der sogenannte Inzidenzwert für die vergangenen sieben Tage über der kritischen Marke von 35 Infizierten pro 100.000 Einwohner. In Berlin ist der Wert zuletzt ebenfalls gestiegen, am Montag auf knapp unter 22.