Sean Connerys gespaltenes Verhältnis zu James Bond

Als Agent ihrer Majestät wurde er weltberühmt. Und doch pflegte Sean Connery zu James Bond ein gespaltenes Verhältnis. Mit dem Snobismus Bonds, seinem Schöpfer Ian Fleming nachempfunden, konnte das schottische Arbeiterkind schon nichts anfangen, aber die Albernheiten der Moore-Filme machten 007 in seinen Augen endgültig zur Karikatur.

Und doch ergab eine Umfrage unter den Lesern der „Radio Times“, dass Connery mit großem Vorsprung weiterhin der beliebtester Bond-Darsteller ist. An seinem 90. Geburtstag im August dieses Jahres nahm er die Nachricht auf seinem Wohnsitz auf den Bahamas zur Kenntnis. Nun ist er gestorben, wie seine Familie der BBC mitteilte.

Von der Filmbranche hatte er sich schon 2003 mit dem Fantasy-Actionfilm „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ verabschiedet. Eine Rückkehr als Harrison Fords Vater im vierten „Indiana Jones“ scheiterte 2008 an künstlerischen Differenzen mit dem Regisseur Steven Spielberg.

1971 verabschiedete er sich aus den 007-Filmen

Connery litt lange unter seinem Image als Sexsymbol, das er seit seinem ersten Auftritt in „Dr. No“ 1962 kultiviert hatte. Ein sozialer Aufsteiger (der Vater war Trucker, seine Mutter Putzfrau) mit Gentleman-Silhouette, der seine ungehobelten Manieren – nicht nur gegenüber Frauen – aber nie ganz ablegen konnte.

Weil er aber auch als Schauspieler Anerkennung finden will, verabschiedet er sich 1971 nach sechs Bond-Filmen von der Figur, die ihn berühmt machte. Er habe nicht vor, zum „Sklaven Bonds“ zu werden, erklärt er schon Mitte der Sechziger in einem Interview.

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Kein Film unterstreicht so nachdrücklich seinen Willen, sich vom Bond-Image zu lösen, wie John Boormans dystopischer Science-Fiction-Film „Zardoz“ von 1974, in dem Connery einen Brutalo spielt, der als Zuchtbulle für eine degenerierte Oberschicht auserkoren wird. Denkwürdig ist der psychedelische Kultfilm nicht nur wegen seiner fliegenden Steinschädel, inspiriert von den Moai-Skulpturen auf den Osterinseln, sondern für Connerys Outfit aus Fell-Lendenschurz und Overknee-Stiefeln.

1986 dreht er für Bernd Eichinger „Der Name der Rose“, Connerys schwindender Haaransatz ähnelte inzwischen einer mönchischen Tonsur. Zwei Jahre später erhält er endlich den Oscar, für seine Nebenrolle als irischer Cop im Prohibitionsdrama „Die Unbestechlichen“. Tsp