Schon wieder keine Serie für Hertha BSC

Niklas Stark verstieß gegen ein ungeschriebenes Gesetz im Fußball. Der Ersatzkapitän von Hertha BSC trug die Spielführerbinde am rechten statt wie sonst üblich am linken Arm. Dazu hatte er sie falsch herum aufgezogen, so dass die Öffnung des Cs für Captain nach links zeigte und nicht nach rechts.

Es war nicht die einzige Unachtsamkeit und vielleicht die lässlichste Sünde, die sich Hertha BSC am Sonntag beim Auswärtsspiel in Bielefeld erlaubte. Dem Berliner Fußball-Bundesligisten fehlte gegen den Aufsteiger Arminia einiges: die Liebe zum Detail, ebenso wie die nötige Leidenschaft. Die Folgen für Hertha waren denkbar unangenehm: 0:1 (0:0) unterlag die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia dem Tabellensechzehnten Bielefeld.

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Der Aufwärtsschwung, den sich die Berliner erhofft hatten, ist damit bei erster Gelegenheit schon wieder verpufft. „Wir waren sehr motiviert und wollten unbedingt den nächsten Sieg“, sagte Labbadia. „Aber wir hatten zu vielen Spieler auf dem Platz, die nicht ihre Normalform hatten. Das war ein brutaler Rückschritt für uns. Das nervt natürlich.“

Dass sich Hertha so schwer tat, könnte auch daran gelegen haben, dass der Mannschaft genau der Spieler fehlte, der bei den Berliner für das Besondere zuständig ist, der zuletzt immer wieder den Unterschied ausgemacht hat. Labbadia musste in Bielefeld auf Matheus Cunha verzichten. Der Brasilianer plagt sich seit geraumer Zeit mit Leistenproblemen; am Sonntag waren die Schmerzen offenbar so groß, dass er den Berlinern nicht zur Verfügung stand.

Für Cunha rückte Maximilian Mittelstädt in die Startelf. Weitere Veränderungen nahm Labbadia nach dem 3:0-Erfolg zum Jahresauftakt gegen Schalke 04 nicht vor. Warum auch? Seine Mannschaft hatte überzeugt und die Hoffnung genährt, dass es zum ersten Mal in dieser Saison mit zwei Siegen am Stück klappen könnte.

Herthas Schwung war schnell verflogen

Hertha begann die Aufgabe auf der Alm durchaus selbstbewusst, wirkte reifer als der Aufsteiger und hatte auch die ersten beiden Gelegenheiten des Spiels. Doch Jhon Cordoba brachte beide Male nicht genügend Wucht in seine Abschlüsse, so dass Arminias Torhüter Stefan Ortega die Situation ohne größere Adrenalinschübe meistern konnte.

Nach knapp zehn Minuten verflachte das Spiel immer mehr. Das Geschehen fand weitgehend im Mittelfeld statt; offensiv gelang beiden Mannschaften wenig. Dass die Arminia mit nur neun Toren aus 14 Spielen das harmloseste Team der Bundesliga ist, war unschwer zu erkennen. Aber auch Herthas Darbietung fehlte ohne Cunhas Kreativität jeglicher Esprit.

Das 0:0 zur Pause war das treffende Ergebnis für ein wenig inspirierendes Spiel – und für Hertha sogar noch ein schmeichelhaftes Resultat. Denn zehn Minuten vor der Halbzeit verhängte Schiedsrichter Guido Winkmann einen Elfmeter gegen die Berliner. Er hatte ein Foul von Niklas Stark an Fabian Klos gesehen, wurde aber vom Videoassistenten in Köln noch einmal zur Nachprüfung an den Spielfeldrand gebeten. Winkmann begutachtete die Szene, erkannte kein strafwürdiges Verhalten mehr und revidierte seine Entscheidung. Auch die Gelbe Karte gegen Stark nahm er zurück.

In der zweiten Hälfte war Arminia Bielefeld besser

Labbadia reagierte zur zweiten Hälfte auf den schlappen Auftritt seiner Mannschaft und ersetzte Marvin Plattenhardt durch Jessic Ngankam. Mittelstädt rückte eine Reihe nach hinten in die Viererkette. Gefährlich wurde es allerdings zunächst vor dem Berliner Tor. Nachdem Herthas Innenverteidiger Omar Alderete nach einer eigentlich harmlosen Hereingabe über den Ball getreten hatte, traf Sergio Cordova den Außenpfosten.

Bielefeld machte es nun deutlich besser als vor der Pause. Hertha nicht. Der Aufsteiger dominierte die Partie. Hertha lief meist hinterher und ließ es mehr und mehr an Präzision vermissen. So zeichnete sich ab, was dann nach etwas mehr als einer Stunde tatsächlich passierte. Nach einem Einwurf verlängerte Lucas Tousart unfreiwillig per Kopf, Reinhold Yabo setzte sich mit einem robusten Körpereinsatz gegen Peter Pekarik durch und jagte den Ball anschließend mit Wucht zum 1:0 in den Winkel.

Als der Treffer fiel, spielte Hertha kurzzeitig in Unterzahl, weil der gerade erst eingewechselte Ngankam behandelt und kurz danach auch ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Krzysztof Piatek, der sich zuletzt erfolgreich als Joker hervorgetan hatte und tatsächlich kurz vor Schluss erneut traf. Das Tor zählte allerdings nicht, da der Pole den Ball zuvor an die Hand gekommen hatte. So brachte Arminia den Vorsprung erfolgreich über die Zeit – und die Berliner ins Grübeln. „Wir müssen auch solche Spiele richtig angehen“, sagte Niklas Stark. „Wenn wir mal Gegenwehr bekommen, müssen wir da durch.“