Scheinwerfer auf Nils Lichtlein

Es war das Wintertrainingslager der A-Jugend und der Füchse-Geschäftsführer hatte zum Gespräch geladen. Bob Hanning, der gleichzeitig siebenmal die Woche ehrenamtlich den Nachwuchs trainiert, wartete auf Nils Lichtlein – mit einem Blatt Papier auf dem Tisch, das für den 18-Jährigen nicht hätte bedeutender sein können: ein Drei-Jahres-Vertrag für den Profi-Kader der Berliner. „Das war schon surreal“, blickt Lichtlein zurück, „ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Natürlich geht da ein Traum in Erfüllung. Dafür habe ich die letzten Jahre gearbeitet.“

Der Regensburger kam 2016 nach Berlin und zeigte sofort sein vielversprechendes Talent. Damals als 14-Jähriger trainierte er sogar ab und zu schon bei der A-Jugend mit. Dabei stand zu Beginn seines Sportlerdaseins gleichermaßen der Fußball zur Debatte, war sein Papa doch mal für die Jugend des FC Bayern aufgelaufen. Letztlich fiel die Wahl allerdings anders aus, sodass ab dem elften Lebensjahr der Fokus voll und ganz auf dem Ball in der Hand lag.

Nicht zwischen den Pfosten, wie man es sich hätte vorstellen können, wo er seiner Mutter gefolgt wäre und seinem Onkel Carsten Lichtlein, dem Weltmeister von 2007 und Rekordspieler der Bundesliga, sondern im Rückraum. „Fürs Tor muss man verrückt sein. Dafür bist du geboren oder eben nicht“, sagt der junge Lichtlein mit einem scherzhaften Seitenhieb gegen die Familienbande. „Ich habe auch mal auf Außen gespielt, aber da hat man zu wenig Einfluss auf das Spielgeschehen. Das ist auf der Mitte besser.“

Die Entwicklung gibt seiner Entscheidung recht. Mit den Füchsen gewann er drei Jugendmeisterschaften, holte mit den U-19-Junioren 2019 bei der Weltmeisterschaft in Nordmazedonien sensationell Silber und half bei der Vorbereitung im darauffolgenden Jahr bei den Füchsen aus, als diese gegen Potsdam, Hamburg und Kielce testeten.

Lichtlein wird ein fester Bestandteil der Bundesliga-Mannschaft

Nun also ist in der kommenden Saison der nächste Schritt geplant und Lichtlein wird ein fester Bestandteil der Bundesliga-Mannschaft. Für Hanning ist es nur die logische Konsequenz im Sinne der Vereinsphilosophie: Der Mann, der künftig die Fäden in der Hand haben soll, kommt aus dem eigenen Nachwuchs, wird langfristig aufgebaut und soll später im besten Fall als Identifikationsfigur dienen, so wie es die Nationalspieler Fabian Wiede und Paul Drux vorgemacht haben.

Nicht wenig Druck für den noch jungen Mittelmann, der nachvollziehbarerweise vor manch einer Trainingseinheit noch etwas Nervosität spürt, wenn er auf seine Vorbilder trifft, weil er niemanden enttäuschen will. Doch das ist auch so eine Sache in der Füchse-Familie.

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Die gestandenen Spieler suchen ebenso den Kontakt zu den Jungen, helfen aus, korrigieren und motivieren. „Ich freue mich sehr darauf, mit Nils zusammenzuarbeiten“, bekundet beispielsweise Wiede, „zum einen weil er wie ich Linkshänder ist, zum anderen weil wir uns sicher gut ergänzen werden.“

Beide Spielmacher vereint ein kreativer Ansatz. Bereits jetzt beweist Lichtlein eine gute Übersicht, er wartet zum Teil mit unerwarteten Pässen an den Kreis oder auf die Außen auf – weiß aber genauso um seine Schwächen: „Wenn ich nicht unerwarteterweise 20 Zentimeter wachse, muss ich körperlich noch zulegen. Besonders für die Defensive.“

Was auf der einen Seite ein Nachteil ist, hilft ihm indes in der Offensive. Schnell und beweglich auf den Beinen hofft Lichtlein, bald seinen Beitrag zum Erfolg der Füchse beitragen zu können. Am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle gegen die Rhein-Neckar-Löwen (13.30 Uhr) werden sie noch ohne ihn auskommen.