Rugby bei den Berlin Bruisers ist queer – und bunt

Queere Menschen fühlen sich im Sport oft ausgegrenzt. Ein Berliner Rugby-Team will daran mit einer besonderen Aktion am Samstag etwas ändern.




Auf sie mit Gebrüll. Im Anschluss an das Rugby-Spiel ist eine Demonstration durch den Kiez geplant.Foto: Welpe Baumgarten

Kurze Hosen, Stutzen und ein Trikot in den Teamfarben – diese Elemente gehören üblicherweise zur Standard-Ausrüstung eines jeden Rugbyspielers und einer jeden Rugbyspielerin. Allerdings nicht an diesem Samstag, denn unter dem Motto „Meine Kleidung! Meine Wahl!“ ruft der Rugby-Verein Berlin Bruisers dazu auf, stattdessen das zu tragen, worin man sich am wohlsten fühlt. Das können bunte Kleider, schicke High-Heels oder auch enge Lederhosen sein. Stattfinden soll das Ganze im Mauerpark in Prenzlauer Berg.

Im Anschluss an das öffentliche Rugby-Spiel (Beginn: 16 Uhr), das unter strengen Hygieneauflagen stattfinden soll, ist eine Demonstration durch den Kiez geplant. Damit wollen die Mitglieder des Vereins auf Angriffe gegen queere Menschen aufmerksam machen. „Der Protest ist eine Reaktion auf verbale und körperliche homophobe Angriffe auf Mitglieder des Teams im vergangenen Jahr“, sagt AJ Craddock, Präsident des Rugby-Klubs. „Wir haben uns dazu entschieden, als Team zu protestieren, denn für viele Mitglieder des queeren Rugby Teams ist das die engste Community im eigenen Leben.“

Der 28-jährige Brite, der vor vier Jahren nach Berlin gezogen ist, trat den Berlin Bruisers auf der Suche nach Menschen aus der queeren Community bei. Auch die anderen Mitglieder des Rugby-Teams, das sich selbst als „Berlins einziges homosexuelles und inklusives” bezeichnet, kommen aus der ganzen Welt.

Traditionelle Rollenbilder sind im Sport immer vorherrschend

Die Bruisers sind aber nicht der einzige queere Sportverein der Stadt. So bietet beispielsweise der Berliner Schwulen- und Lesbensportverein Vorspiel verschiedene Sportarten an, darunter Badminton, Fußball und Pilates. Außerdem finden sich im Sportangebot des Vereins Seitenwechsel, der sich auf seiner Website als „Sportverein speziell für Frauen/Lesben, Trans*, Inter* und Mädchen“ bezeichnet, Kurse wie Kickboxen, Energy Dance und Feministische Kampfkunst.

Für viele queere Menschen sind solche Sportvereine wichtig, denn Homosexuelle und trans Personen fühlen sich im Sport vielfach ausgegrenzt und diskriminiert. Das ergab eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln aus dem vergangenen Jahr. Aus ihr geht hervor, dass ein Drittel der queeren Aktiven bei der Ausübung der sportlichen Aktivität deshalb ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität versteckt.

Bruisers-Vorstandsmitglied Ulrich Stadfeld findet es problematisch, dass traditionelle Rollenbilder immer noch vorherrschend sind: „Vor allem in Männerteams gibt es meistens ein klassisches heteronormatives Machoverhalten. Da wird jemand, der aus dem Raster rausfällt, auch schnell mal als ,Schwuchtel’ beschimpft.“

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Dass traditionelle Geschlechternormen vor allem im Profisport eine große Rolle spielen, zeigte sich erst vor wenigen Wochen, als der Rugby-Weltverband in der Kritik stand, weil er trans Frauen nicht in Frauenmannschaften spielen lassen will. Der „Guardian“ hatte Ausschnitte aus einem 38-seitigen Dokument der Transgender-Arbeitsgruppe des Verbandes veröffentlicht. Angesichts dieser Hürden freut sich Ulrich Stadfeld umso mehr darüber, dass zumindest beim Training alle toleriert würden.

Respekt vor jeder Person und vor jeder Leistung

Auch er fühlt sich in dem Berliner Verein gut aufgehoben. Viele Jahre habe er keinen Sport getrieben und sich nicht getraut, einem Sportteam beizutreten. Dass ihm dadurch das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das viele Teams ausmache, lange entgangen sei, findet der 36-Jährige schade. Aber: „Genau das macht uns heute als Rugby-Team aus: Der Respekt vor jeder Person und jeder Leistung, egal ob sie im Spiel erfolgreich sind oder nicht.

An diesem Samstag will die queere Rugby Community nun Solidarität mit den Menschen zeigen, die von queerfeindlichen Angriffen betroffen sind. „Wir werden das tun, was wir gerne tun, nämlich Rugby spielen, während jeder sein Recht ausüben kann, die Kleidung zu tragen, die er möchte“, sagt Craddock.

Homofeindliche Angriffe nahe des Mauerparks

Auch er erlebte in der Vergangenheit homofeindliche Angriffe und nennt viele Beispiele. Vor einigen Wochen seien etwa ein Teammitglied und zwei weitere Personen in Kleidern nahe des Mauerparks homofeindlich beschimpft und angegriffen worden.

Als Community versuche man nach ein oder vielleicht zwei derartigen Vorfällen weiterzumachen, sagt Craddock. Aber eine solche Häufung innerhalb eines Jahres sei völlig inakzeptabel. „Wir müssen reagieren, unseren Raum in den Straßen zurückerlangen und zeigen, dass wir nicht weggehen.“ Das öffentliche Rugby-Match im Mauerpark und der Protest am Samstag sollen ein erster Schritt in diese Richtung sein.