Romantisches Wechselspiel von Schatten und Licht

Gabriel Bebeselea gibt ein perliges Debüt am Gendarmenmarkt. Der rumänische Dirigent leitet erstmals das Konzerthausorchester.




Gastdirigent Gabriel Bebeselea besitzt die Gabe, seine Musikerinnen und Musiker zu begeistern.Foto: Ionut Macri

In dieser Spielzeit hat das Konzerthaus doppelten Grund zum Feiern: Im Mai 2021 wird der Schinkelsche Musentempel zweihundert Jahre alt, einen Monat später jährt sich die Uraufführung von Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ am Gendarmenmarkt ebenfalls zum zweihundertsten Mal. Musikchef Christoph Eschenbach ließ zur Saisoneröffnung die Ouvertüre des Musiktheaterklassikers spielen, der rumänische Gastdirigent Gabriel Bebeselea bestreitet jetzt sein Debüt beim Konzerthausorchester mit von Webers C-Dur-Sinfonie.

Gerade 21 Jahre alt war der Komponist, als das Werk 1807 herauskam – und es ist eine Partitur, wie man sie in Krisenzeiten gut gebrauchen kann: Drei der vier Sätze schlagen einen strahlenden Jubelton an, italienisch parfümiert von einem Hauch Rossini-Heiterkeit.

Ein ideales Stück für Gabriel Bebeselea, der es klanglich üppig und saftig liebt, und der zudem die Kapellmeister-Qualität besitzt, die Musikerinnen und Musiker auch für 1b-Werke begeistern zu können. Ein inneres Leuchten geht am Freitag vom Konzerthausorchester aus, Melodie, Mittelstimmen und Bassfundament entfalten akustische Tiefenwirkung, weil sich jeder der Mitwirkenden vom Maestro angesprochen fühlt, egal, ob er gerade eine Haupt- oder Nebenrolle in diesem Teamplay hat.

Schwebezustände entladen sich jäh

Interessant ist der langsame Satz, weil hier eine Vorahnung des „Freischütz“ aufscheint: Das Wechselspiel von Schatten und Licht, das den Beginn der Romantik in der deutschen Musik markiert, entwickelt Gabriel Bebeselea ebenso sinnlich wie sinnfällig. An eine Arie aus der Oper erinnert der Auftritt des Solisten Daniel Ciobanu: „Kommt ein schlanker Bursch gegangen“. Hochgewachsen ist der 27-Jährige, sehr niedrig hat er sich die Klavierbank eingestellt. Bevor er Camille Saint-Saens’ concerto pour piano et orchestre no.2 beginnt, sammelt er sich einige Sekunden, tief über die Tastatur gebeugt.

Der erste Satz ist als Fantasie angelegt, und Ciobanu gelingt es tatsächlich, seinen Part so zu formen, als würde er spontan unter seinen Fingern entstehen – wenn er etwa schöne Schwebezustände schafft, die sich jäh energetisch entladen können. Zur auskomponierten Champagner-Verkostung wird anschließend das „allegro scherzando“: Die kecken, tänzerischen Motive von Saint-Saens lässt der Pianist feinperlig prickeln, serviert schäumende Tonkaskaden und spritzige Läufe, formvollendet sekundiert von Bebeselea und dem äußerst aufmerksamen Orchester.
Zweite Aufführung am Samstag, den 26. September um 20 Uhr im Großen Saal des Konzerthauses.