Profisport im November ohne Fans – Freizeitsport muss pausieren

Der Sport muss wieder dichtmachen, die Profiklubs für ihre Fans und die Breitensportvereine gleich ganz. Viel Verständnis für die am Mittwoch von Bund und Ländern verabschiedeten Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus kann die Politik aber nicht erwarten.

Bereits die vorab zur Diskussion gestellten Punkte lösten bei Vereinen und Verbänden Unruhe aus, auch wenn es sich zunächst nur um einen Satz in der Beschlussvorlage handelte. Darin hieß es, dass „Institutionen und Einrichtungen, die der Freizeitgestaltung zuzuordnen sind“, geschlossen werden sollen. Explizit genannt wurden „der Freizeit- und Amateursportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbädern, Fitnessstudios und ähnlichen Einrichtungen.“

Der Ankündigung ließ die Politik am Mittwochnachmittag Taten folgen und beschloss für den Gemeinschaftssport mit Wirkung vom 2. November praktisch ein Verbot. Einzig individuell soll sportliche Betätigung weiterhin möglich sein. Dazu kam die Meldung, dass der Berufssport ab Montag komplett auf Zuschauer verzichten muss. Betroffen davon sind nicht nur die Fußball-Bundesliga, sondern auch die Profiligen in anderen Sportarten.

Nun erholen sich viele Klubs sowohl im Profi- als auch im Breitensportbereich derzeit gerade erst noch vom Frühjahrs-Lockdown – mit mehr oder weniger großem Erfolg. Ein zweiter kompletter Stillstand dürfte für viele Vereine kaum zu verkraften sein.

„Wir haben wenig Verständnis dafür, wie undifferenziert hier verschiedene Bereiche behandelt werden. Gerade jetzt wäre es im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts wichtig, Sportangebote aufrechtzuerhalten, besonders für Kinder und Jugendliche“, teilte Thomas Härtel, der Präsident des Landessportbundes Berlin (LSB), dem Tagesspiegel in einem Statement mit. Natürlich stehe der Gesundheitsschutz der Bevölkerung „an oberster Stelle“, trotzdem appellierte Härtel dafür, die Angebote der Sportvereine weiter zu berücksichtigen.“ Erfolglos.

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Wie Härtel hatte zuvor auch Richard Meng von der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) Berlin vergeblich auf funktionierende Hygienekonzepte im Sport verwiesen: „Es wäre kontraproduktiv, durchdachte und kontrollierte Aktivitäten jetzt aus Ratlosigkeit angesichts der allgemein steigenden Infektionszahlen wieder abzuwürgen“, erklärte er. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten sahen dazu aber offenbar keine Alternative – zumal sie in Erklärungsnot geraten wären, wenn sie die Offenhaltung von Gastronomie und Kultureinrichtungen verbieten, für den Sport aber eine Ausnahme gemacht hätten.

Für Kevin Langner vom Berliner Fußball-Verband (BFV) ist das nachvollziehbar, auch wenn er nicht glücklich mit der Entscheidung ist: „Die Infektionszahlen müssen zurückgehen, daran müssen wir allgemein im Sport und in unserem Falle im Fußball mitwirken.“ Das Spieljahr im BFV ist ohnehin schon ein spezielles, in den meisten Ligen wird nur eine Einfachrunde durchgeführt. Rein zeitlich ist ein Pause über mehrere Wochen im November daher womöglich noch verkraftbar, schließlich war eine zweite Welle auch immer befürchtet worden.

Allerdings sieht auch Langner den Sport nicht als Risiko für Corona-Übertragungen: „Die klare Auffassung vom DFB und uns ist, dass die Infektionswahrscheinlichkeit beim Spiel im Freien sehr gering ist.“ Als problematisch sieht Langner den Bereich der Umkleide und der sanitären Einrichtungen. Allerdings würden hier bereits Konzepte greifen.

Hertha wird wohl am Sonntag schon ein Geisterspiel gegen Wolfsburg austragen

Die Verantwortlichen des Brandenburger Landesverbands wollten den Spielbetrieb trotz der veränderten Pandemielage zunächst fortsetzen, müssen nun aber wie auch die anderen Bundesländer wohl ihre Saison unterbrechen. Und auch in anderen Sportarten wird eine Pause eingelegt, der Berliner Tischtennisverband beispielsweise stoppte seine Ligen schon vor dem Politikbeschluss von sich aus.

Immerhin für Fernsehsport ist aber selbst in einem sogenannten „Wellenbrecher-Lockdown“ weiterhin gesorgt. Denn auch wenn die Spiele der Fußball-Bundesliga nun wieder komplett ohne Zuschauer stattfinden müssen, so dürfen sie wenigstens noch ausgetragen werden. Dass Hertha BSC und der VfL Wolfsburg am Sonntagabend im Olympiastadion wohl unter sich bleiben, erwischte die Berliner ohnehin nicht unvorbereitet. Sie hatten den Vorverkauf für die 4000 Tickets bereits am Montag ausgesetzt.

Laut Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller plant Hertha für den Rest der Saison ohne Zuschauer. Das habe einen weiteren Verlust in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe zur Folge. Zumindest fließt das Fernsehgeld im Fußball weiter, was die Beschlüsse vom Mittwoch für die Füchse Berlin, die BR Volleys, Alba oder die Eisbären Berlin bedeutet, lässt sich hingegen zunächst nur erahnen.