Polnische Party oder deutsche Überraschung?

Komplett abhaken will Markus Eisenbichler den goldenen Adler für sich und seinen Teamkollegen Karl Geiger noch nicht. „Man darf nie aufgeben zu glauben, dass noch was möglich ist“, sagte der emotionale Oberbayer mit Blick auf die Trophäe für den Gesamtsieger der Vierschanzentournee.

Eisenbichler als Fünfter und der noch einen Rang besser platzierte Karl Geiger liegen vor dem Finale in Bischofshofen direkt hinter den Podestplätzen. In der Qualifikation lief es für die zwei besten Deutschen jedoch noch nicht wirklich gut. Eisenbichler wurde Achter, Geiger landete nur auf Platz 25. „Der Quali-Sprung war nicht so sauber“, sagte er daraufhin im ZDF.

Der Führende Kamil Stoch hat ohnehin bereits fast 14 Meter Vorsprung auf den Oberstdorf-Sieger Geiger, Eisenbichler liegt weitere fünf Meter zurück. „Wir werden angreifen“, kündigte der dreifache Weltmeister von 2019 allen Rückschlägen zum Trotz selbstbewusst an. Gemeinsam mit seinem Zimmerkollege Geiger will er Stoch unter Druck setzen. Dass sich der erfahrene Pole allerdings einen derart großen Fehler leistet wie Geiger, der am Bergisel in Innsbruck mehr als 15 Meter einbüßte, ist unwahrscheinlich.

Dafür präsentiert sich Stoch – mit 33 Jahren noch immer in der absoluten Weltspitze – einfach zu konstant. „Es müsste schon viel passieren, dass wir die Polen da vorne noch abfangen können“, sagte Geiger.

In den vergangenen Jahren ist in Bischofshofen allerdings schon viel passiert. Etwa vor vier Jahren, als der Zweikampf Stoch gegen Daniel-André Tande die Vierschanzentournee bestimmte. Damals profitierte Stoch davon, dass sich bei Tande im letzten Wettbewerb ein Teil der Bindung löste. Der Norweger verhinderte einen Sturz, büßte aber massig Punkte ein und verlor den Gesamtsieg so an Stoch.

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Doch auch Bundestrainer Stefan Horngacher kann sich nicht vorstellen, dass sich Stoch, der am Dienstag in der Qualifikation nicht zu schlagen war, nun einen großen Patzer leistet und die Führung beim Wettkampf an diesem Mittwoch (16.45 Uhr/ZDF und Eurosport) herschenkt.

„In Bischofshofen schon mal gar nicht. Die Schanze gefällt ihm.“ Der 51-Jährige kennt den dreifachen Olympiasieger gut, er trainierte ihn drei Jahre als polnischer Nationalcoach. „Ich habe ihnen wahrscheinlich schon viel Know-How hinterlassen und gezeigt, wie man es machen kann“, scherzte er.

„In erster Linie ist der Kamil ein hundertprozentiger Profi“, beschreibt ihn Horngacher. „Er ordnet alles dem Sport unter, selbst sein Privatleben.“ Der Österreicher lobt Stoch daher in den höchsten Tönen: „Er ist der perfekte Skispringer.“

Zweimal triumphierte Stoch bereits bei der Tournee, in der Saison 2017/18 sogar als Sieger bei allen vier Springen. Zweiter wurde damals Andreas Wellinger. Überhaupt hat das Duell Deutschland gegen Polen Tradition: Schon für Martin Schmitt und den bis dato letzten deutschen Tournee-Sieger Sven Hannawald war der Pole Adam Malysz einer ihrer größten Konkurrenten.

In Titelverteidiger Dawid Kubacki mischt ein weiterer Athlet aus dem skisprungverrückten Land als Zweiter ganz vorne mit. Zwischen den beiden Polen und den beiden Deutschen liegt der Norweger Halvor Egner Granerud. Angesichts von Stochs Stärke bleibt das Podest für beide wohl das naheliegendste Ziel. Denn der Pole betonte noch einmal: „Ich fühle mich fantastisch.“ (dpa/Tsp)