Pernille Harder zieht es zu ihrer Liebsten

Es klang schon ein wenig nach Abschied, was Pernille Harder am Montag über Twitter ausrichten ließ. “Der letzte Abend war hart. Aber ich bin so stolz auf dieses Team und darüber, was wir diese Saison geleistet haben.” Besagter letzter Abend endete für Pernille Harder und ihre Mitspielerinnen vom VfL Wolfsburg mit einer 1:3 (0:2)-Niederlage im Finale der Champions League gegen Olympique Lyon. Die Wolfsburgerinnen hatten das Spiel in San Sebastian vor allem in der ersten Hälfte verloren, als sie viel zu defensiv agierten.

Am Montag sei niemand mehr zu sprechen vom VfL, ließ ein Sprecher ausrichten. Das Team war im Stress. Die Rückreise aus Spanien mit all den coronabedingten Maßnahmen nahm den kompletten Tag in Anspruch. Und vielleicht war das Deutschlands dominierendem Frauenteam ganz recht. Die Niederlage gegen Olympique Lyon war besonders schmerzlich, sie dürfte das unschöne Ende einer Ära eingeleitet haben.

Harder war der Star der Mannschaft

Der Star der Mannschaft, Pernille Harder, wird den Klub mit ziemlicher Sicherheit verlassen. Der britische Telegraph berichtete am Montag, dass der FC Chelsea Harder am Dienstag als Neuzugang offiziell verkünden würde. Schon vor dem Finale gegen Lyon hatten mehrere Medien vom bevorstehenden Wechsel der 27-Jährigen berichtet. Angeblich sollen die Engländer 350.000 Euro für die Dänin zahlen. Sollte das stimmen, wäre dies eine Rekordablöse für eine Spielerin aus der Bundesliga.

Das Geld wäre nur ein kleiner Trost für den VfL. Harder hatte in der abgelaufenen Saison 27 Mal in 22 Ligaspielen getroffen. Insgesamt erzielte sie in ihren drei Jahren bei den Wolfsburgerinnen wettbewerbsübergreifend 105 Tore. Harder zeichnet sich durch ihre herausragende Technik und ihre Spielübersicht aus. Eine bessere Spielerin hat die Bundesliga vermutlich noch nie gesehen.

Wechsel macht Sinn

Dass der bevorstehende Wechsel zum FC Chelsea vor dem wichtigen Spiel des VfL gegen Lyon bekannt geworden war, verstimmte einige Fans. Hinzu kam, dass Harder im Finale bei weitem nicht ihr bestes Spiel im Dress der Wolfsburgerinnen gemacht hatte. All das droht nun, ihre insgesamt herausragende Bilanz beim VfL Wolfsburg zu trüben.

Dabei macht der Wechsel aus ihrer Sicht Sinn. Der Fußball in England ist im Aufwind. Stärker als in den meisten anderen europäischen Ländern wächst die Anzahl der Vereinsspielerinnen. Zudem gingen in der britischen Women’s Super League in den vergangenen Jahren die Zuschauerzahlen stetig nach oben.

Außersportliche Gründe

Die meisten Frauenabteilungen profitieren dabei stärker als hierzulande von der durch die Männerteams bereits vorhandenen Infrastruktur der Klubs. Und der FC Chelsea wiederum, der morgen den Wechsel bekanntgeben will, ist einer der ambitioniertesten Klubs der Liga. Erst am vergangenen Samstag hatten die Frauen des FC Chelsea den Supercup gegen Manchester City mit 2:0 gewonnen.

Außerdem gibt es noch gewichtige außersportliche Gründe, die für einen Wechsel Harders sprechen: Ihre Partnerin Magdalena Eriksson steht ebenfalls bei den Londonerinnen unter Vertrag. Beide hatten in Interviews immer wieder den Wunsch geäußert, in absehbarer Zeit zusammenleben zu wollen. Nun also dürfte dieser Zeitpunkt gekommen sein.

Dominanz des VfL Wolfsburg könnte vorbei sein

Mit dem Weggang von Harder könnte die Dominanz des VfL Wolfsburg in der Bundesliga vorbei sein. Zumal der FC Bayern München sein Engagement im Frauenfußball sukzessive erhöht. Perspektivisch dürften auch die Frauen von RB Leipzig zur Konkurrenz heranwachsen.

Für die Liga wäre eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse zweifellos ein Segen. In der vergangenen Saison blieben die Wolfsburgerinnen in der Liga ungeschlagen. Sie schossen 93 Tore und kassierten nur acht. Das sind für den Klub herausragende Zahlen, für die Liga sind sie eher beschämend. Von daher dürften von dem Wechsel Harders und der damit bedingten Schwächung des VfL viele profitieren. Am meisten aber natürlich das Paar Pernille Harder und Magdalena Eriksson.