Özil wechselt von Arsenal zu Fenerbahce Istanbul

Der Privatjet seines neuen Arbeitgebers stand am Sonntag schon in London bereit, um Mesut Özil nach Istanbul zu bringen: Der ehemalige deutsche Nationalspieler wechselt von Arsenal London zu Fenerbahce Istanbul. Özil will nach Medienberichten einen Dreieinhalb-Jahresvertrag für mindestens 14 Millionen Euro unterschreiben, eine Villa über dem Bosporus wird demnach für den 32-jährigen und seine Familie vorbereitet.

Bei Arsenal kam Özil seit fast einem Jahr nicht mehr zum Einsatz, doch bei Fenerbahce wird er schon jetzt als Superstar gefeiert: Der Mittelfeldspieler, der in Deutschland wegen eines Fotos mit dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan angegriffen wurde, kann sich auf einen begeisterten Empfang in der Türkei freuen.

In Istanbul erwartet Özil ein fürstliches Gehalt

Vereinschef Ali Koc, ein schwerreicher Unternehmer, schickte seinen Jet in die britische Hauptstadt, um Özil abzuholen, wie türkische Medien meldeten. Die britische Presse berichtete, der Spieler wolle sich nach seinen mehr als sieben Jahren bei Arsenal noch von der Mannschaft verabschieden. Özil verzichte auf einen Teil seines Gehalts von umgerechnet fast acht Millionen Euro, das ihm bis zum Ende seines Vertrags im Sommer noch zustehe, berichtete „The Sun“.

In London verdiente Özil rund 400.000 Euro pro Woche, obwohl er seit dem vergangenen März nicht mehr eingesetzt wurde. In Istanbul erwartet ihn ebenfalls ein fürstliches Gehalt. In einigen türkischen Medienberichten ist von vier Millionen Euro pro Jahr die Rede, in anderen von noch mehr. Zusätzlich winken ihm Prämien, wenn er mit Fenerbahce türkischer Meister wird und in der Champions League spielt.

Özil bestätigte den bevorstehenden Transfer indirekt, indem er auf Twitter zwei Herzen in den gelb-blauen Vereinsfarben von Fenerbahce und eine Sanduhr als Zeichen seiner Vorfreude zeigte. Schon als kleiner Junge in Deutschland habe er von Fenerbahce geträumt, teilte er vor einigen Tagen seinen Fans in einem mehrstündigen Twitter-Gespräch mit. Der Club sei „wie Real Madrid in Spanien: der größte Verein des Landes“. In der Türkei komme für ihn als Verein nur Fenerbahce in Frage.

Viel Kritik an Özil wegen Fotos mit Erdogan

Fenerbahce gehört zusammen mit den Istanbuler Rivalen Besiktas und Galatasaray zu den Großen Drei des türkischen Fußballs und steht derzeit hinter Besiktas an zweiter Stelle der „Süper Lig“. Wie türkische Medien meldeten, könnte Özil bereits in den kommenden Tagen bei seinem neuen Verein mit dem Training beginnen.

Verstärkung durch einen Weltstar kann Fenerbahce gut gebrauchen, denn der letzte Meistertitel liegt sieben Jahre zurück. Vor zwei Jahren musste der Traditionsverein sogar gegen den Abstieg kämpfen.

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In der Türkei hat Özil seit Jahren eine treue Fangemeinde, zu der auch Erdogan zählt. Durch ein Foto mit dem in Deutschland umstrittenen Staatspräsidenten zog Özil in der Bundesrepublik kurz vor der Weltmeisterschaft 2018 viel Kritik auf sich; nach der erfolglosen WM trat er aus der Nationalelf zurück und begründete den Schritt mit rassistischen Anfeindungen gegen ihn. Ein Jahr später heiratete er in Istanbul seine Verlobte Amine Gülse und lud Erdogan als Trauzeugen ein.

Mesut Özil (l.) ist wegen seiner Nähe zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland umstritten.Foto: Uncredited/Pool Presdential Press Service/AP/dpa

Erdogan warf den Deutschen vor, dem Spitzenfußballer aus der Weltmeistermannschaft von 2014 großes Unrecht angetan zu haben. Bei einem Deutschland-Besuch 2018 sagte der türkische Staatschef, Özil und der ebenfalls türkischstämmige Spieler Ilkay Gündogan seien in Deutschland „ausgegrenzt“ worden. „Das kann ich als ihr Präsident nicht ertragen“, sagte Erdogan. Das wiederum ärgerte viele Deutsche, die bei Özil eine Distanzierung von Erdogan vermissten.

Fenerbahce-Fans feiern den Transfer von Özil

Inzwischen hat Özil nach eigenen Worten den damaligen Streit hinter sich gelassen. In dem Twitter-Gespräch mit seinen Fans schrieb er, er bedauere weder seine Zeit in der deutschen Nationalmannschaft noch seinen Abschied. „Das Leben geht weiter“, fügte er hinzu. DFB-Präsident Fritz Keller habe vor kurzem in einem „netten persönlichen Brief“ an ihn „alles angesprochen, was damals geschehen ist“.

Auch in der Türkei spielt Özils Streit mit den Deutschen keine Rolle mehr – die Vorfreude verdrängt alles andere. Fenerbahce-Fans feiern Özils Transfer aus London an den Bosporus als Heimkehr, obwohl der in Gelsenkirchen geborene Fußballer noch nie in der Türkei gelebt hat. „Willkommen in der Heimat“, schrieb ein Twitter-Nutzer am Sonntag: „Ein Traum wird wahr.“