Omar Alderete spielt sich bei Hertha BSC fest

Anfang der Woche klang Bruno Labbadia noch sehr zuversichtlich, als er über Jordan Torunarigha sprach. Der Innenverteidiger von Hertha BSC würde selbstverständlich noch keine Option für das Spiel an diesem Samstag beim FC Augsburg (15.30 Uhr, live bei Sky) sein, aber „Jordan kommt langsam näher ran“, berichtete Labbadia, der Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten. „Er hat endlich diesen Stiefel aus und kann so langsam Dinge auf dem Platz machen.“

Dieser Stiefel, das ist ein sogenannter Air Walker, der ein bisschen an einen klobigen Skischuh erinnert und im Fall Torunarigha dazu diente, dessen lädiertes Syndesmoseband ruhig zu stellen. Seit dem zweiten Spieltag Ende September hat Torunarigha für die Berliner nicht mehr auf dem Platz gestanden, aber das Ende seiner Zwangspause schien nun zumindest absehbar, seine Wiederherstellung exakt dem vorab skizzierten Plan zu folgen – bis Mitte dieser Woche eine neue Hiobsbotschaft folgte: Herthas Innenverteidiger hat sich mit dem Coronavirus infiziert. „Das ist definitiv nicht optimal“, sagte Trainer Labbadia, der nun vermutlich noch ein bisschen länger auf Torunarigha verzichten muss.

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Das ist ärgerlich, weil der 23 Jahre alte Torunarigha seit Labbadias Amtsantritt mehr und mehr das Label des Talents abgelegt hat und neben Dedryck Boyata zu einer verlässlichen Größe in der Viererkette der Berliner geworden ist. Dass sein Ausfall Hertha trotzdem nicht in völlige Verzweiflung stürzt, liegt auch an jenem Abwehrspieler, den die Berliner Anfang Oktober, unmittelbar vor Ablauf der Transferfrist, für 6,5 Millionen Euro verpflichtet haben. Weil Karim Rekik urplötzlich einen Wunsch nach Veränderung verspürte und sich dem FC Sevilla anschließen wollte, brauchte Hertha auf die Schnelle Ersatz – und fand beim FC Basel in der Schweiz Omar Alderete, einen Nationalspieler aus Paraguay mit einem starken linken Fuß wie bei Rekik und Torunarigha.

Karim Rekik war bei Hertha schon länger nur noch Ersatz, und auch für den 23 Jahre alten Alderete war zunächst einmal die Rolle des Back-ups für Jordan Torunarigha vorgesehen. Durch dessen Verletzung aber sind die Verhältnisse ins Wackeln geraten. Trainer Labbadia war sich anfangs zwar nicht sicher, wie schnell sich der neue Mann vom gemächlicheren Tempo der Schweizer Super League an die höhere Geschwindigkeit in Deutschland würde anpassen können. Vor allem vor dem Auswärtsspiel beim damaligen Tabellenführer Leipzig hatte er „Bedenken, weil wir gegen eine Mannschaft gespielt haben, die extreme Power hat. Wir wussten nicht, wie schnell kann er das adaptieren.“

In Leipzig verschuldete er einen Gegentreffer

Inzwischen aber, nach zwei Startelfeinsätzen Alderetes für seinen neuen Klub, sind solche Sorgen hinfällig. „Ich finde, dass Omar das wirklich gut gemacht hat“, sagte Labbadia. „Auch in Leipzig hat er ein hervorragendes Spiel gemacht, bis auf die Szene vor dem Tor, als er eine falsche Entscheidung getroffen hat.“

Vielleicht war es genau diese Szene, die noch einmal dazu geführt hat, Alderetes Sinne für das andere Tempo und die höhere Intensität in der Bundesliga zu schärfen. Jede kleine Unachtsamkeit kann umgehend bestraft werden. So zumindest war es in Leipzig. Im Zweikampf mit dem bulligem Innenverteidiger Dayot Upamecano wollte Alderete den Ball abschirmen, anstatt ihn mit Wucht aus der Gefahrenzone zu befördern. Upamecano aber wand sich um seinen Gegenspieler, eroberte den Ball und traf aus kurzer Distanz zur 1:0-Führung.

Die Aufgabe, mit der sich Alderete am vergangenen Wochenende konfrontiert sah, war kaum weniger anspruchsvoll. Im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg hieß sein Gegenspieler Wout Weghorst. Schon wegen seiner imposanten Größe ist der holländische Stürmer nur schwer zu verteidigen, Herthas neuer Innenverteidiger aber gestattete ihm laut Labbadia über 90 Minuten relativ wenig Entfaltungsmöglichkeiten: „Wenn er am Mann ist, ist er sehr konsequent und kann auch gut verteidigen“, sagte Herthas Trainer über Alderete.

Alderete hat seine Stärken im Spiel mit dem Ball

Neben seiner Defensivstärke verfügt der Innenverteidiger aus Paraguay aber noch über weitere Fähigkeiten, die Labbadia sehr schätzt. „Mit dem Ball macht er sehr gute Sachen“, sagte er. „Weil er mutige Bälle spielt, weil er Räume erkennt und uns im Grunde auf die nächste Ebene bringt. Das passt sehr gut in unser Spiel rein, weil wir Fußball spielen wollen.“

Mit diesen Fähigkeiten ähnelt Alderete eher Jordan Torunarigha als Karim Rekik, der nach einem hervorragenden ersten Jahr bei Hertha mehr und mehr durch kleine, aber oft folgenreiche Fehler aufgefallen ist und nicht von ungefähr seinen Stammplatz verloren hat. Vier Millionen Euro hat Europa-League-Sieger Sevilla für den inzwischen 25 Jahre alten Rekik gezahlt. Bei seinem neuen Klub kann er in der Champions League spielen, so wie er das unter der Woche, beim 3:2-Sieg gegen FK Krasnodar, getan hat. Knapp zehn Minuten vor Schluss wurde Rekik eingewechselt, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Es war im sechsten Spiel sein erster Einsatz überhaupt für den FC Sevilla.