Nach klarem 36:27 auf Kurs für Tokio

Auf einmal ging es ganz schnell. Julius Kühn schnappte sich den Ball aus dem Anwurf heraus, zog aufs Tor und ließ das Spielgerät im Netz zappeln. Nur 30 Sekunden später konnte der Melsunger bereits den nächsten Treffer auf seinem Konto verbuchen, während die Nationalmannschaft in dieser Phase in unter zwei Minuten vier Tore verzeichnen konnte. Es war der Beginn eines Offensivfeuerwerks der DHB-Auswahl gegen Slowenien am Samstag, das Kühn und Co. schließlich mit 36:27 (22:12) deutlich gewannen. Ein wichtiger Schritt in Richtung Olympia.

Anders als noch am Vortag gegen Vizeweltmeister Schweden überzeugte das deutsche Team mit einem guten Positionsspiel, Sicherheit am Ball und vor allem mit viel Tempo. Gegenstöße, zweite Welle, schnelle Mitte – die Variationen waren zahlreich. Der beschriebene Zwischenspurt brachte die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason erstmals mit drei in Front (11., 8:5), zwischenzeitig wuchs der Vorsprung sogar auf elf an (28., 21:10). „Man hat gemerkt, dass wir viel konsequenter und mit mehr Überzeugung in die Duelle gegangen sind“, erklärte Kühn.

Torhüter Wolff ragt bei seiner Rückkehr zwischen die Posten heraus

Den nötigen Rückhalt gab es aus der kompakten Defensive heraus, hinter der Andreas Wolff zwischen den Pfosten auftrumpfte. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Johannes Bitter, erhielt der bei Kielce unter Vertrag stehende Schlussmann den Vortritt vor Silvio Heinevetter. Die Torhüter-Frage war der Bundestrainer ganz pragmatisch angegangen. Der Großteil der Schweden spielt in Deutschland, daher hatte er sich im ersten Spiel für die beiden in der Bundesliga anheuernden Keeper entschieden.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können]

Die Slowenen hingegen sind personell hauptsächlich auf internationalem Parkett unterwegs – der Spielwiese von Wolff. Der 30-Jährige zeigte, dass das Vertrauen in ihn berechtigt war, fischte 37 Prozent der Bälle aus dem Tor. Nicht minder beeindruckend war der Ex-Berliner Heinevetter, der im Schlussviertel seine Einsatzzeit bekam und sein 200. Länderspiel in seinem ehemaligen Wohnzimmer begehen durfte.

„Andi hat heute überragend gestanden – das macht das Leben leichter. Die Abwehr war sehr stark und beweglich, sodass wir leichter Druck nach vorne aufbauen konnten“, urteilte ein zufriedener Bundestrainer. Gewinnt die Nationalmannschaft ihr letztes Spiel gegen Algerien (15.45 Uhr) ist der Weg zu den Sommerspielen in Tokio gesichert. „Wir sind nah dran“, weiß auch Kühn, der nicht vorhat, gegen den afrikanischen Vertreter des Turniers einen Gang zurückzuschalten.