München spart, Berlin sattelt drauf

Große Aufregung in der Münchner Kulturszene: Sämtliche Ressorts der bayerischen Landeshauptstadt müssen im kommenden Jahr eine Etatkürzung von 6,5 Prozent hinnehmen. Für den Bereich Kultur bedeutet dies, dass 11,45 Millionen Euro weniger für Sachmittel zur Verfügung stehen und 4,2 Millionen Euro weniger für Personalausgaben. Eine enorme Summe. Ab 2022 werden wohl weitere Sparrunden folgen. Kulturreferent Anton Biebl hat nun die undankbare Aufgabe zu entscheiden, welche seiner Institutionen wie viel abgeben muss.

Droht ein solches Szenario auch für Berlin? Nein, antwortet Daniel Bartsch, der Pressesprecher von Kultursenator Klaus Lederer, auf eine Anfrage des Tagesspiegel: „Berlin hat einen beschlossenen Haushalt für 2021. Es ist eher wahrscheinlich, dass es in bestimmten Bereichen bei Nachtragshaushalten zu Erhöhungen als zu Abstrichen kommen wird. Die Corona-bedingten Hilfen kommen dann noch oben drauf.“

Also Entwarnung für die hauptstädtische Kulturszene. Lederer will nicht nur das Minus ausgleichen, das bei den zweimal zwangsweise geschlossenen Institutionen aufgelaufen ist, sondern scheint sogar mit seinen sozialen Wohltaten wie geplant fortfahren zu können.

Als erstes sollen Kinder wieder ins Theater gehen können

Um 13 Millionen Euro steigt sein Etat laut Senatsbeschluss im nächsten Jahr, auf dann 606,8 Millionen. Nachdem 2018/19 die Bühnen einen Schwerpunkt bildeten, soll 2021 vor allem die Bildende Kunst profitieren. Lederers Lieblingsprojekt in diesem Bereich ist der eintrittsfreie Sonntag, den es einmal im Monat in den Museen geben wird, nach der aktuellen Planung ab Anfang nächsten Jahres. Besser gefördert werden sollen außerdem Kinder-, Jugend- und Puppentheater, Erinnerungsorte wie der Friedhof der Märzgefallenen, außerdem das Zillemuseum in Mitte und die C/O-Fotogalerie. Die Jazzförderung soll steigen sowie die Summen für Chöre, Tanz und das Konzerthaus.

Von der finanziellen Seite droht den Berliner Kulturakteuren also erst einmal kein Unbill. So richtig optimistisch klingt Klaus Lederer aber trotzdem nicht, wenn er den Blick in die Zukunft wendet: „Es wäre schön, im Frühjahr einen Planungshorizont zu haben, der über mehrere Monate geht“, sagte er gerade in einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“. Was im Klartext wohl bedeutet: Bühnen und Museen werden auch noch weit über Weihnachten hinaus geschlossen bleiben müssen. Wenn es dann irgendwann wieder losgehen kann mit den Live-Aufführungen, hat der Senator übrigens eine klare Priorität: Als Erste sollten die Kinder und Jugendlichen wieder ein Theater oder eine Kultureinrichtung besuchen dürfen.