Mit Maske Richtung Europa

Auch die Maske konnte das Lächeln von Christopher Trimmel nicht verbergen, als er den von ihm vorbereiteten Führungstreffer am Samstag feierte. Nach seiner Nasenoperation vor wenigen Tagen spielte der Kapitän des 1. FC Union im Spiel gegen Stuttgart mit einer Gesichtsmaske, die zum Glück nur seine Nase und Augenbrauen bedeckte. Sein bekanntes, ansteckendes Grinsen blieb somit unübersehbar. Und Grund zum Lächeln hatte der Österreicher ja.

Als der VfB Stuttgart zum letzten Mal in der Alten Försterei zu Besuch war, im entscheidenden Relegationsspiel Ende Mai 2019, musste der gesperrte Trimmel Unions Aufstieg von der Tribüne erleben. Fast zwei Jahre später spielte der Kapitän mit zwei Assists eine Schlüsselrolle, als die Köpenicker einen wichtigen 2:1 (2:0)-Sieg gegen den VfB erkämpften – und damit einen weiteren großen Schritt in Richtung Europapokal machten. „Man muss sich neue Ziele stecken. Die Motivation ist absolut da“, sagte der Kapitän, nachdem sein Trainer schon vor dem Spiel zum ersten Mal von Europa als neuem Saisonziel gesprochen hatte.

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Mit dem Sieg hat Union den Klassenerhalt auch rechnerisch geschafft und das feierten einige Dutzend Fans vor dem Stadion mit Gesängen und Pyrotechnik. Die Mannschaft freute sich auf der Tribüne in sicherer Distanz mit. „Wir haben mit den 40 Punkten unser erstes Ziel erreicht und jetzt wollen wir natürlich auch andere Ziele erreichen“, sagte Trimmel. Den siebten Tabellenplatz musste Union zwar aufgrund des deutlichen Sieges von Borussia Mönchengladbach und des nun etwas schlechteren Torverhältnisses abgeben, baute den Vorsprung vor Stuttgart jedoch auf vier Punkte aus. Sollte Platz sieben tatsächlich für die Qualifikation zur Europa Conference League reichen, ist Union nach wie vor voll im Rennen.

Nicht nur deswegen bekam Trimmel tosenden Beifall von seinen Kollegen auf der Tribüne, als er wenige Minuten vor Schluss ausgewechselt wurde. Mit seinen zwei Vorlagen hatte der Österreicher nicht nur einen entscheidenden Beitrag zum Sieg geleistet, sondern auch eine persönliche Durststrecke beendet. Denn Unions erfolgreichster Assistgeber aus der vergangenen Saison hatte in den letzten Wochen seinen kreativen Funken verloren. Im Februar wurde ihm eine Vorlage wegen eines Foulelfmeters zugeschrieben. Ansonsten hatte der 34-Jährige seit Dezember kein Tor mehr vorbereitet.

Seine letzte Vorlage kam im Hinspiel gegen Stuttgart, in dem Union eine 2:0-Führung in den letzten Minuten der zweiten Halbzeit herschenkte. Im Rückspiel war Trimmel wieder zur Stelle, doch diesmal rettete Union den Vorsprung trotz einiger kleiner Wackler über die Zeit.

Petar Musa erzielt sein erstes Tor für Union

Im Vergleich zum 1:1 beim FC Bayern München am vergangenen Wochenende stellte Urs Fischer seine Mannschaft etwas stabiler auf. Weil der Trainer von einer Vierer- auf eine Dreierkette umstellte, rückte Nico Schlotterbeck für Marius Bülter in die Abwehr. Zudem durfte Christian Gentner gegen seinen ehemaligen Verein von Anfang an spielen, während Keita Endo wieder auf der Bank Platz nehmen musste.

Gentner war es auch, der nach einer chancenarmen ersten Viertelstunde das Führungstor für Union einleitete. Mit einem eleganten Diagonalball fand er am rechten Flügel Trimmel. Der Österreicher konnte kurz vor der Torauslinie in die Mitte flanken, wo Grischa Prömel den Ball ins Tor köpfte.

Auch beim 2:0 hatte Trimmel seinen starken rechten Fuß im Spiel. Kurz vor der Halbzeitpause setzte er sich nach einer Balleroberung von Max Kruse erneut am rechten Flügel durch. Dieses Mal spielte er seine Flanke scharf und flach in Richtung Petar Musa, der aus kurzer Distanz sein erstes Bundesliga-Tor erzielte.

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Die Gäste kamen allerdings mit Wucht und drei neuen Spielern aus der Kabine und schlugen nach der Pause eiskalt zu. In einem Moment der Schläfrigkeit ließ die Berliner Abwehr den gerade eingewechselten Philipp Förster aus den Augen, der nach eleganter Vorarbeit von Sasa Kalajdzic den Ball ins obere Eck platzierte.

Die Berliner ließen sich allerdings nicht einschüchtern und hatten immer wieder Chancen zum 3:1. Ein Distanzschuss von Trimmel wurde von Gregor Kobel hervorragend pariert und Max Kruse köpfte den Ball aus kurzer Distanz über die Latte. Mit seinem aggressiven Pressing blieb aber auch der VfB nach wie vor gefährlich. Sowohl Darko Churlinov als auch Roberto Massimo hatten Chancen zum Ausgleich.

Doch Union wollte diesen Sieg nicht aus den Händen geben. Als der Schiedsrichter in der Nachspielzeit einen Fehler machte und Abstoß für Stuttgart statt Ecke für Union pfiff, sprangen alle Spieler auf der Haupttribüne auf und schrien wütend. Die Nerven lagen Blank: vielleicht auch, weil Europa nun zum Greifen nah ist.