Mit Bildern die Herzen bewegen

Als 1984 „Heimat“ ins Fernsehen kam, Edgar Reitz’ autobiografisch grundierte Chronik über das fiktive Hunsrück-Dorf Schabbach, sorgte die elfteilige Serie sofort für Furore. Nicht nur wegen der Handlung, die von der Weimarer Republik bis ins Jahr 1982 reicht.

Sondern auch wegen der Bilder, in der die Geschichte über eine sehr besondere, aber auch prototypisch deutsche Dorfgemeinschaft erzählt wird. Sie stammen vom Kameramann Gernot Roll. Lange Schwarzweißsequenzen wechseln mit kurzen, ästhetisch irritierenden Farbaufnahmen.

Vergangenheit ist nicht wirklich vergangen

Wie Gegenwartsblitze, die daran erinnern, dass die Vergangenheit noch nicht wirklich vergangen ist. „Wenn der Film die Fähigkeit hat, die Herzen zu bewegen, dann tut er das auch durch Gernot Roll“, hat Reitz gesagt und damit auch dessen Arbeit für die „Zweite Heimat“, die 1992 ausgestrahlte Fortsetzung gemeint. Beim dritten „Heimat“-Teil, der 2004 die deutsch-deutschen Wendejahre schilderte, war Roll nicht mehr dabei.

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Der gebürtige Dresdener, der bei der Defa ausgebildet wurde und bei der Bavaria gelandete, debütierte als Chefkameramann mit „Jet Generation“, einem Pop-Art-bunten Krimi aus dem Swinging München von 1967.

“Nirgendwo in Afrika” bekam den Oscar

Es folgten „Tatorte“, Serien wie „Wallenstein“, „Buddenbrooks“ und das Franz-Schubert-Melodram „Mit meinen heißen Tränen“ und Kinostücke wie das Franz-Beckenbauer-Biopic „Libero“, „Kleine Haie“ oder „Kaspar Hauser“. Die Zusammenarbeit mit Edgar Reitz hatte 1976 mit „Die Stunde Null“ begonnen, einem Schwarzweißfilm über das Ende des Zweiten Weltkriegs aus der Sicht von ein paar Jugendlichen.

Roll hat unermüdlich gedreht, zu seinen mehr als 130 Werken gehört der Aufklärungsfilm „Erotik auf der Schulbank“ genauso wie Helmut Dietls Satire „Rossini“ und Caroline Links Oscar-gekröntes Exildrama „Nirgendwo in Afrika“. Am Donnerstag ist Gernot Roll in München gestorben. Er wurde 81 Jahre alt.