Löw überrascht von weiteren Corona-Fällen bei der Ukraine

Die warmen Sonnenstrahlen im Corona-Risikogebiet Andalusien sollen Rekordtorwart Manuel Neuer und seine Kollegen angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen positiv stimulieren, um das Pandemie-Jahr 2020 sportlich mit einem finalen Erfolg am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) in Sevilla gegen Spanien als Nations-League-Gruppensieger bestmöglich abzuschließen.

Bundestrainer Joachim Löw und die DFB-Verantwortlichen um Olivier Bierhoff könnten dann erleichtert in die viermonatige Winterpause der Nationalelf gehen und dem EM-Jahr 2021 mit mehr Zuversicht entgegenblicken. Die bislang bei allen sieben Corona-Länderspielen sichere DFB-Blase soll auch zum Jahresabschluss Spieler, Trainer und Betreuer vor Infektionen schützen. „Wir hoffen, dass es bei uns weiterhin keine positiven Fälle geben wird“, sagte Löw: „Wir tun alles, was wir können.“

Zwei positive Ukrainer spielten in Leipzig

Umso mehr wunderte sich der Bundestrainer darüber, dass zwei in der Partie gegen Deutschland eingesetzte ukrainische Nationalspieler sowie ein weiterer Akteur der Osteuropäer positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Das teilte der nationale Verband am Montag mit. „Ich bin jetzt überrascht“, sagte Löw am Montag.

Die Testungen der Ukrainer am Freitag und Samstag vor dem Spiel seien ja alle negativ gewesen, meinte er. „Unser Arzt hat noch einmal versichert, dass wir keine Angst haben brauchen“, sagte Löw. Wenn jemand an dem Tag negativ getestet sei, sei er nicht infektiös und könne nicht andere anstecken. „Von daher gehe ich mal davon aus, dass das auch bei uns so bleibt“, sagte Löw.

Jewgeni Makarenko und Eduard Sobol, die beide am Samstag beim 1:3 gegen das DFB-Team spielten, sowie Dimitri Risnyk wurden inzwischen positiv getestet. Schon vor dem Deutschland-Spiel waren am Freitag vier Spieler und der Manager der Ukraine nach der Ankunft in Leipzig positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Leipziger Gesundheitsbehörden hatten am Samstagvormittag keine Team-Quarantäne verhängt, sondern nur weitere Testungen empfohlen sowie eine Kontakt-Nachverfolgung bei den positiv getesteten Akteuren vorgenommen.

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Der DFB setzt weiterhin auf seine Schutzblase vor Corona: Unmittelbar vor dem Abflug aus Leipzig am Montag und gleich nach der Ankunft in Sevilla sollten Corona-Tests vorgenommen werden. So kann der DFB-Tross die 48-Stunden-Frist wahren und niemand müsse sich bei weiteren negativen Tests nach der Rückkehr nach Deutschland in Quarantäne begeben. Um Außenkontakte noch mehr zu reduzieren, wird der Mannschaftsflieger am Mittwoch auf dem Weg nach Düsseldorf in München zwischenlanden. Dort können dann unter anderen die fünf Bayern-Profis aussteigen. Normale Linienflüge werden vermieden.

Zunächst aber liegt der Fokus im Süden Spaniens darauf, die düstere Großwetterlage rund um Löws Umbruchteam weiter aufzuhellen. Kapitän Neuer sprach nach den Siegen gegen Tschechien (1:0) und die Ukraine (3:1) von einem „Signal“, das gesetzt werden konnte. Die Kraftprobe mit den von Löw noch nie in einem Pflichtspiel besiegten Spaniern wird zum wichtigen Test für die EM, das Selbstvertrauen ist gewachsen.

„Es schaut sehr gut für uns aus. Eine bessere Ausgangslage hätten wir uns nach den zwei Unentschieden zum Anfang nicht erträumen können“, sagte Serge Gnabry. Mit neun Punkten führt Deutschland die Gruppe 4 der A-Liga vor Spanien (8) an. „Wir müssen da mit breiter Brust auf den Platz gehen und die Tabellenführung verteidigen“, sagte der Stürmer.

Bierhoff entfacht Löw-Debatte

Ein Unentschieden reicht. Aber Taktieren will Löw nicht. „Wir wollen das Spiel gewinnen und nicht irgendetwas verteidigen“, sagte der Bundestrainer. Ähnlich äußerte sich Neuer. „Es ist ein Duell auf Augenhöhe. Wir sagen nicht, wir verwalten da irgendwie ein Ergebnis oder schauen, dass wir auf Unentschieden spielen. Wir fahren dahin, um zu gewinnen. Das ist unser großes Ziel“, sagte der Kapitän.

Die Qualifikation für das Finalturnier im Oktober 2021 wäre reizvoll. Weltmeister Frankreich steht als erster Teilnehmer schon fest. Belgien und Italien liegen wie Deutschland vor dem letzten Spieltag in ihren Gruppen vorne. Das „Endspiel“ in Spanien dürfte ein Willensakt werden – und auch eine Frage der Kraft beim dritten Länderspiel in sieben Tagen.

Eine kleine Löw-Debatte entfachte Bierhoff rund um den Spanien-Trip. Der DFB-Direktor, der sich um Ansehen und Zukunft der Nationalelf sorgt, sprach in Interviews über die Zukunft des Bundestrainers, dessen Vertrag noch bis zur nächsten WM in Katar Ende 2022 läuft. „Am Ende des Tages müssen wir alle uns an Ergebnissen messen lassen. Das weiß Jogi auch“, sagte Bierhoff der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der Gruppensieg in der sportlich nachrangigen Nations League wäre ein erster Schritt. (dpa)